Zweite Runde von "Bremen so frei"

Gesungene Liebeserklärung: "Bremen so frei"

Singen für Bremen: Strahlender Sonnenschein und strahlende Gesichter.Auch die zweite Ausgabe des großen Liederfestes "Bremen so frei" wurde auf dem Marktplatz zum Erfolg.
01.06.2018, 19:25
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Gesungene Liebeserklärung:
Von Sigrid Schuer
Gesungene Liebeserklärung: "Bremen so frei"

Sie singt vor, und alle singen mit: Die Universitätsmusikdirektorin Susanne Gläß ist Dirigentin beim Liederfest.

Christina Kuhaupt

Ein zart-blauer Himmel wölbt sich über den vielen, gut gelaunten Menschen, die die Liebe zu Bremen mit Hingabe und Begeisterung besingen. Schönstes Hanseatenwetter für "Bremen so frei", das große Mitsingfest in elf Liedern, das 2017 anlässlich des 70. Jahrestages der Neugründung Bremens seine Premiere feierte.

Es hatte allen so viel Spaß gemacht, dass das Organisationsteam um Alt-Bürgermeister Henning Scherf und Universitätsmusikdirektorin Susanne Gläß beschloss, das große Liederfest künftig immer am 1. Juni in Bremens guter Stube zu veranstalten. Zwar ist der Marktplatz am Freitag nicht ganz so gut gefüllt wie beim Fest im vergangenen Jahr.

Das mag aber auch an dem geradezu sizilianischen Wetter liegen. Vorausschauend haben die vielen ehrenamtlichen Helfer von "Bremen so frei" vor dem Haus der Bürgerschaft einen großen Tisch gestellt, auf dem viele Gläser mit Mineralwasser bereit stehen. Der Begeisterung der Anwesenden tun die tropischen Temperaturen allerdings keinen Abbruch.

Lesen Sie auch

Ein schattiges Plätzchen auf den Treppen vor der Bürgerschaft hat sich eine Gruppe von Neu-Bremern gesucht, die noch etwas schüchtern wirken. Begleitet werden die Geflüchteten von Astrid Buczko vom Jobcenter Bremen. "Wir haben von dem Mitsingfest aus der Zeitung erfahren. Und wir dachten uns, das ist doch eine gute Gelegenheit für die Flüchtlinge, noch ein bisschen besser Deutsch zu lernen. Vielleicht trauen wir uns ja sogar, mitzusingen", sagt sie.

Was Bürgermeister Carsten Sieling, Henning Scherf und Bürgerschaftspräsident Christian Weber in der ersten Reihe bereits kräftig tun. Jedes der elf Bremen-Lieder hat einen prominenten Paten, wie beispielsweise Carsten Sieling, der sich am Ende ausdrücklich bei allen Mitwirkenden und besonders bei den Schulklassen bedankt.

Bezug zum Lied vom Bremer Roland

Ein weiterer Pate ist Marco Bode, Aufsichtsratsvorsitzender des SV Werder Bremen. Hellena Harttung, Ortsamtsleiterin in Bremen-Mitte, hat ihre Trompete mitgebracht. Swingend stimmt sie mit den Gebrüdern Jehn und deren Band in den Song "Hello Aberdeen" ein. Die Gebrüder haben die Musik zu den Liedern komponiert.

Christian Weber macht den Anfang im Reigen der Prominenten. In seiner Ansprache nimmt er Bezug auf das Lied vom Bremer Roland. "Er zwinkert uns in der Bürgerschaft zu und fordert uns auf, für die Freiheit und Selbstständigkeit Bremens zu kämpfen, und jetzt singen wir alle dafür", gibt Weber sich patriotisch. Direkt vor dem Rathaus, das auch in einem von Universaltalent Imke Burma getexteten Liedern besungen wird, stehen Roland Hufnagel und Amelie Krüger vom Sozialdienst des Remberti-Stiftes.

Lesen Sie auch

Die beiden sind spontan mit drei alten Damen, die im Rollstuhl sitzen, zum großen Liederfest auf dem Marktplatz aufgebrochen. Eine von ihnen ist Gerda Rostan. Die weißhaarige Frau hält erwartungsvoll ein Liederheft in den Händen und verfolgt aufmerksam die Einsätze, die Universitätsmusikdirektorin Susanne Gläß von der Bühne aus gibt. Aber auch Passanten bleiben spontan stehen, um mitzusingen. Wie Jennifer Serwaa Mensah.

"Ich habe heute meinen freien Tag und gerade zufällig meinen Neffen in der Menge entdeckt. Das ist eine wunderbare Idee, denn Musik verbindet uns doch alle", erklärt die Immobilienmaklerin. Und das empfinden viele andere an diesem sonnigen Vormittag ganz ähnlich. Kräftig singt auch Bettina Pilster, Chefin der Musikschule "Casa della Musica", mit. Die Chorleiterin hat viele Gesangsbegeisterte mit auf den Marktplatz gebracht, genauso wie Jörg Albrecht, der ebenfalls viele verschiedene Chöre leitet.

Mit Begeisterung dabei

In seinem Volkshochschul-Chor ist auch Luise Stern Mitglied. "Die Lieder berühren mich so sehr, dass ich manchmal gar nicht weiter singen kann, weil mir die Tränen kommen", sagt sie. Gerade ist sie mit einer Kindergarten-Gruppe ins Gespräch gekommen, die mit Hilfe der elf Lieder zugleich das Lesen übt. Und auch eine Abordnung des von Emilia Boev geleiteten Volkschores Woltmershausen singt mit auf dem Marktplatz.

Mitglied Angelika Schepker war auch schon bei der Liederfest-Premiere im vergangenen Jahr mit Begeisterung dabei. Zum Abschluss ruft Christian Weber in die Menge: "Kommt Ihr im nächsten Jahr alle wieder?" Ein vielstimmiges "Jaaa!" schallt dem Bürgerschaftspräsidenten entgegen. Gemeinsam stimmen alle zum Abschluss "Das neue Weserlied" an. Die Schulkinder, die gerade eben noch eifrig singend vor der Bühne saßen, umlagern nun Marco Bode und Sara Jehn, um von ihnen ein Autogramm für ihre Liederhefte zu ergattern.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+