Abschluss mit dem Golfclub

Geteilte Reaktionen auf Galopprennbahn-Deal

Der Abschluss der Wirtschaftsbehörde um die Bremer Galopprennbahn sorgt in der Bremer Politik für geteilte Reaktionen. Auf dem 30 Hektar großen Areal sollen etwa 1000 Wohnungen entstehen.
05.10.2017, 18:44
Lesedauer: 2 Min
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Geteilte Reaktionen auf Galopprennbahn-Deal
Von Kristin Hermann
Geteilte Reaktionen auf Galopprennbahn-Deal

Eigentlich wäre der Vertrag der Golf-Range noch bis 2034 gelaufen. Für knapp vier Millionen Euro Entschädigung verlässt der Golfclub die Anlage in der Vahr nun ­früher.

Christian Walter

Der Abschluss der Wirtschaftsbehörde um die Bremer Galopprennbahn sorgt in der Bremer Politik für geteilte Reaktionen. Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass sein Ressort sich mit dem Golfclub darauf geeinigt habe, den Pachtvertrag zum Ende des Jahres aufzuheben. Als Entschädigung dafür erhält der Golfclub knapp vier Millionen Euro. Bremen will auf dem 30 Hektar großen Areal etwa 1000 Wohnungen bauen lassen.

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„Ob der Preis von knapp vier Millionen Euro zu hoch ist, mag dahin gestellt sein. Jetzt gilt es für den Senat, seine bisher eher dilettantische Vorgehensweise ad acta zu legen und ein abgestimmtes Nutzungskonzept für die Gesamtfläche vorzulegen“, kommentiert die baupolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Silvia Neumeyer.

Der Bau- und Wirtschaftssenator müsse eine genaue Linie für das Wohnquartier erarbeiten. „Bis heute ist dies leider noch nicht geschehen und keiner kann sagen, welcher Wohnungsmix überhaupt angestrebt wird. All das muss nun endlich geklärt werden und zwar unter Einbeziehung der Menschen vor Ort, besonders zusammen mit den Beiräten Hemelingen und Vahr“, so Neumeyer weiter.

Ein Dorf oder ein neues Stück Stadt?

Ähnlich wünscht sich das auch die Bremer Architektenkammer. Präsident Oliver Platz kann nicht ganz nachvollziehen, warum die Stadt jetzt schon eine Zielzahl für die geplanten Wohnungen vorgegeben habe. „Man muss sich überlegen, ob man auf dem Gelände ein Dorf oder ein neues Stück Stadt bauen möchte“, sagt er. Platz wünsche sich zwischen den verschiedenen Bremer Behörden eine Kooperation, bei der auch die Infrastruktur sowie Kita- und Bildungseinrichtungen für ein neues Quartier mitgedacht werden. Die SPD-Fraktion hält den Abschluss mit dem Golfclub indes für einen wichtigen Schritt in der Entwicklung des Rennbahnquartiers.

„Hier ist eine gute Lösung gefunden worden“, sagt Jürgen Pohlmann. Der baupolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion betont die Bedeutung des Rennbahnquartiers: „Bremen ist eine wachsende Stadt und braucht dringend Wohnraum in allen Segmenten. Das Rennbahnquartier ist hier eines der Pilotprojekte mit zentraler Bedeutung für die weitere Entwicklung in Bremen.“ Das sieht die Bürgerinitiative Rennbahngelände anders. Für sie ist klar: Rund um die Galopprennbahn in der Vahr werden keine Sozialwohnungen entstehen.

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Initiative für den Erhalt des Geländes

„Das sind Filetstücke, das wissen doch alle“, sagt ihr Sprecher Andreas Sponbiel. Die Initiative setzt sich für den Erhalt des Geländes ein und hat bisher nach eigenen Angaben mehr als 5000 Unterschriften gesammelt, die bald als Petition eingereicht werden sollen. Langfristig streben Sponbiel und seine Mitstreiter ein Volksbegehren gegen die geplante Bebauung an. „Der Entschluss der Stadt spornt uns nur an, unsere Pläne schneller in die Tat umzusetzen“, sagt Sponbiel.

Die Bremer Linken sehen das Vorgehen der Stadt ebenfalls skeptisch. „Mit dieser Entscheidung stellt der Senat die Weichen für eine investorengetriebene Entwicklung des Rennbahngeländes, mit einer vollständigen Bebauung der gesamten Fläche und teuren Verkaufspreisen“, sagt Claudia Bernhard, bau- und stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion. „Während ohne die Beendigung des Galopp-Betriebs keine Entwicklung des Geländes möglich ist, bestand zur Ablöse des Golfrange-Pachtvertrags keine Eile“, so Bernhard weiter. „Die Entwicklung hätte ohne weiteres vom Rest der Fläche aus begonnen werden können.“

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