Kommt eine "Business School Bremen"? Geteiltes Echo auf Brill-Plan

Der Vorschlag für eine gemeinsame "Business School Bremen" von Uni und Hochschule Bremen am Brill stößt auf Lob, aber auch auf Skepsis in den Parteien.
04.06.2018, 17:53
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Geteiltes Echo auf Brill-Plan
Von Jürgen Hinrichs

Der Plan, die Wirtschaftswissenschaftler von Universität und Hochschule zu vereinen und in die Innenstadt zu holen, ist am Montag bei den Parteien auf ein geteiltes Echo gestoßen. Während CDU und Grüne dem Projekt mit großem Wohlwollen begegnen, überwiegen bei der SPD, den Linken und der FDP Vorsicht und Skepsis.

Initiator einer neuen "Business School Bremen" ist Jochen Zimmermann, Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften an der Universität. Er hat ein ausgefeiltes Konzept verfasst, das am Montag kommender Woche Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) vorgestellt wird und einen Tag später Grundlage einer Podiumsdiskussion ist, an der Vertreter aller Bürgerschaftsfraktionen teilnehmen. Zimmermann stellt in seinem achtseitigen Papier die Vorteile einer Fusion der Fachbereiche für Forschung und Lehre heraus, gleichzeitig betont er den Mehrwert für die Innenstadt, wenn dort ein Campus entsteht und junge Leute urbanes Leben in die City bringen. "Ich bin sehr optimistisch, dass daraus etwas wird", sagte der Dekan dem WESER-KURIER. Als Standort denkt er an das Gelände der Sparkasse am Brill, das nach dem Umzug der Bank Ende 2020 frei wird, allerdings bereits an einen Investor verkauft ist.

CDU und Grüne angetan

"Der CDU-Kreisverband Bremen-Stadt begrüßt die Planung des Bereiches Wirtschaftswissenschaften an der Universität, eine neue Heimat in der Innenstadt zu finden", erklärt Jens Eckhoff, Vorsitzender des Kreisverbandes. Seine Partei werde den Prozess gerne unterstützen, in der Hoffnung, so Eckhoff, "dass der Senat diese Anregung nicht wieder vor die Wand fährt". Der Politiker erinnert daran, dass die CDU es war, die im Sommer vergangenen Jahres den Vorschlag gemacht hat, das Sparkassen-Areal von Hochschule und Universität belegen zu lassen. Susanne Grobien, wissenschaftspolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion, findet die neue Entwicklung schlicht "großartig", wie sie mitteilt. Sie sei gemeinsam mit Eckhoff in der Angelegenheit bereits mit Zimmermann zusammengekommen, um sich von dem Dekan im Detail informieren zu lassen.

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Robert Bücking, baupolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, hat viel im Hintergrund gewirkt, um Werbung für den geplanten Campus am Brill zu machen, seine Zustimmung kommt deshalb nicht überraschend: "Die Idee ist goldrichtig, sie trifft einen Nerv", lobt der Abgeordnete. Das Projekt könne der entscheidende, noch fehlende Puzzlestein für die Zukunft der Innenstadt sein. "Gleich hinter der Sparkasse liegt übrigens das Telekom-Gelände. Die großen Häuser sind nur spärlich genutzt, es gibt Brachflächen", so Bücking. Genügend Raum, meint er, für eine neue Entwicklung im Zusammenhang mit den Plänen der Wirtschaftswissenschaftler. "Für das etwas verschlafene Faulenquartier wäre der Durchbruch geschafft." In der Vergangenheit hatte es mehrfach Diskussionen über das Telekom-Gelände gegeben. Es lagen Pläne für eine Wohnbebauung vor, die aber wieder in den Schubladen verschwanden.

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Im Prinzip alles richtig, meint Arno Gottschalk von der SPD-Fraktion: "Die Universität muss in der Innenstadt sichtbarer werden." Doch das allein reiche als Rechtfertigung für so ein großes Vorhaben nicht aus. "Mir fehlt noch das wissenschaftliche Profil, die Besonderheit so einer Business School." Auch sei es längst nicht ausgemacht, die Wirtschaftswissenschaftler in die City zu holen. "Sie haben nur als Erste ihren Hut in den Ring geworfen."

Skepsis bei SPD und Linken

Die Linken hegen Zweifel, ob den hohen Kosten ein entsprechender Nutzen gegenüberstehen würde. "Mein Eindruck ist, dass es mit den Wirtschaftswissenschaften an Hochschule und Universität gut läuft, warum sollte man das ändern?" erklärt die Linken-Abgeordnete Miriam Strunge. Zumal diese Konstruktion unterschiedliche Zugänge für die Studenten erlaube, für die Hochschule reiche das Fachabitur. Strunge hält darüber hinaus den Zeitpunkt für denkbar ungeeignet: "Das Gelände ist gerade an einen Investor verkauft worden, wenn überhaupt, hätte man vorher aktiv werden müssen. Jetzt wäre es viel zu teuer."

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Magnus Buhlert, Abgeordneter der FDP in der Bürgerschaft, sieht es ähnlich wie der SPD-Mann Gottschalk. "Eine spannende Sache", sagt er, doch gleich darauf kommt das Aber: "Es reicht nicht, eine gemeinsame Lehranstalt von Hochschule und Universität zu gründen." Notwendig sei vielmehr, durch so ein Projekt die Wissenschaft voranzubringen.

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