Nach Auflösung im November

Gewaltbereite Rocker formieren sich neu

Bremen. Als sich die Bremer "Mongols" nach wenigen Monaten wieder aufgelöst hatten, war die Erleichterung bei Ermittlern und konkurrierenden Motorradgangs groß. Ein drohender Konflikt zwischen den Gruppen schien abgewendet. Doch die Mongols sind wieder aktiv.
22.01.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Rose Gerdts-Schiffler

Bremen. Sie waren nicht mehr als eine Handvoll junger, krimineller Männer, aber beschäftigten von Anfang an Polizei, Medien und diverse Internetforen: Als sich die Bremer "Mongols" Ende November nach nur wenigen Monaten wieder auflösten, atmeten Ermittler und konkurrierende Motorradgangs auf. Ein drohender Konflikt zwischen den Rockergruppen in Bremen schien abgewendet. Doch, wie jetzt bekannt wurde, sind die Mongols wieder aktiv. In voller Kluft treten sie in der Bremer Innenstadt oder auf der Diskomeile auf - zu Fuß oder im Auto. Denn ein Motorrad besitzt keiner von ihnen.

Der einzige Motorradfahrer unter ihnen war Mustafa B. Doch im September 2010 verunglückte der Bremer Mongol tödlich. Wenige Wochen später löste sich die Gruppe auf. Es war wohl nur ein kurzes Atemholen. Nach Recherchen unserer Zeitung geht die Polizei derzeit von fünf Klubmitgliedern aus. Jeder der fünf Männer ist der Polizei bestens bekannt. "Das sind allesamt Schwerkriminelle", so ein Ermittler gegenüber unserer Zeitung.

Vier von ihnen sollen zum Kreis der arabisch sprechenden Mhallamiye gehören, einer ist Kurde. Ethno-Rocker titulierte ein überregionales Magazin die Gruppe. Der Kurde ist der Bruder einer SPD-Bürgerschaftsabgeordneten. Da die Abgeordnete weiter mit ihrem mehrfach vorbestraften Bruder unter einem Dach wohnt, wurde auch ihr Zimmer vor einiger Zeit bei einer Hausdurchsuchung der Polizei auf den Kopf gestellt. Prozessbeobachter kennen zwei andere Männer aus den Verfahren um die Schießerei auf der Diskomeile und einem Tötungsdelikt in der Gaststätte Born Eck, bei dem ein 18-Jähriger starb.

Vor Gericht zeichnete sich einer der Männer, den die Polizei heute erneut unter Beobachtung hat, durch hohe Aggressivität aus. Hinzu kommt, dass die fünf Bremer Mongols schnell eine größere Schar von gewaltbereiten Verwandten mobilisieren könnten. Grund genug für die Bremer Ermittler, die neuesten Entwicklungen genau zu beobachten. So sollen die Mongols in der Zwischenzeit in Hannover bei den Hell's Angels vorgesprochen haben. Wenn es stimmt, was die Ermittler in Erfahrung gebracht haben wollen, dann soll ihnen der Boss der Hell's Angels in Hannover, Frank Hanebuth, eine Abfuhr erteilt haben.

Für Außenstehende mag das Interesse von fünf Männern, Mitglied in einer Motorradgang zu werden, ohne selbst Biker zu sein, kurios anmuten. Für die Polizei passt so ein Ansinnen durchaus ins Bild. "Es geht nicht um irgendwelche ,Easy-Rider-Gefühle', sondern um knallharte Geschäfte", heißt es aus Ermittlerkreisen. So waren die fünf Klubmitglieder ebenso wie viele Hell's Angels schon in Drogen- und Waffengeschäfte oder im Rotlichtmilieu aktiv. Doch die Hell's Angels in Hannover waren offenbar nicht interessiert. Unverrichteter Dinge kehrten die Bremer Mongols in die Hansestadt zurück. Auf ihrer Internetseite bekommen sie nun Zuspruch von Interessierten aus ganz Deutschland. Martialisches Auftreten gehört dazu. So werben die Ethno-Rocker mit einem T-Shirt, auf dem ein Maskierter mit zwei Revolvern in der Hand auf den Betrachter zielt. "1%er MFFM" ist an anderer Stelle zu lesen. "Die Prozentzahl steht für den Anteil der Bevölkerung, der sich bewusst nicht an gesetzliche Regeln hält",

erklärt ein Beamter auf Nachfrage. Die vier Buchstaben stünden für das Motto: Mongols Forever - Forever Mongols.

Der "Mongols M.C." entstand Ende der 60er-Jahre in Kalifornien. Innerhalb der nächsten Jahre bildeten sich weitere Gruppen in den USA. "Immer schon umgab den Club eine gewisse Mystik", heißt es auf der Homepage der Bremer Rocker ohne Motorrad. Respekt, Kameradschaft und Verschwiegenheit seien Kennzeichen der Mongols M.C. , die sich nach dem kriegerischen Reitervolk der Mongolen benannten. "Im Lauf der Zeit verstand und akzeptierte die Öffentlichkeit den kulturell eigenwilligen Lebensstil und nahm ihn als solchen an", fabulieren die Macher der Homepage weiter. Wer die Debatten im Internet zu den Mongols verfolgt, stößt auf Kommentare, in denen die Verfasser darauf hinweisen, dass die Zeit in Bremen günstig sei für einen neuen, kriminellen Motorradclub. Schließlich seien die Hell's Angels wegen der schärferen Gangart von Polizei und Justiz dazu gezwungen "die Füße stillzuhalten".

Als "Outlaw Motorcycle Gang (Motorradbande außerhalb des Gesetzes) werden die Mongols international verdächtigt, Teil der organisierten Kriminalität zu sein. Dabei stellen die Rockerbanden innerhalb der Szene Gebietsansprüche, die sie notfalls auch mit Gewalt durchsetzen. Am Dienstag wird sich der Senat mit den Mongols beschäftigen. Den Anstoß dazu hatte eine Anfrage des Abgeordneten Jan Timke (Bürger in Wut) gegeben. Nach Aussage der Polizei befinden sich die Rocker gerade auf der Suche nach einem Vereinsheim.

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