Lehrermangel an Schulen in Bremen Gewerkschaft fordert 100 Referendare mehr

Christian Gloede von der Lehrergewerkschaft fordert mehr Refendare, um in Zukunft fertig ausgebildete Lehrer einsetzen zu können - und keine Aushilfskräfte ohne vollständige Ausbildung wie derzeit.
18.09.2016, 20:59
Lesedauer: 3 Min
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Gewerkschaft fordert 100 Referendare mehr
Von Sara Sundermann

Christian Gloede von der Lehrergewerkschaft fordert mehr Refendare, um in Zukunft fertig ausgebildete Lehrer einsetzen zu können - und keine Aushilfskräfte ohne vollständige Ausbildung wie derzeit.

Mehr als 500 Vertretungslehrkräfte, die noch nicht ihre Lehrerausbildung beendet haben, unterrichten derzeit an Bremer Schulen. Etwa die Hälfte dieser Vertretungslehrkräfte, die meistens bei dem Verein Stadtteilschule und nicht direkt bei der Bildungsbehörde angestellt sind, hat einen Bachelor-Abschluss, die andere Hälfte einen Master-Abschluss. Aber alle 500 haben noch kein Referendariat absolviert. Darauf weist die Bildungsgewerkschaft GEW hin und übt Kritik.

„Wir brauchen gut ausgebildete Lehrkräfte, und nicht irgendwelche Leute, die vor den Klassen stehen, wir haben schließlich aus guten Gründen eine Lehramtsausbildung“, sagt Christian Gloede, Landesvorstandssprecher der GEW Bremen. Die Qualität des Unterrichts dürfe nicht langfristig gesenkt werden. Vertretungslehrkräfte ohne fertige Lehrerausbildung sollten zudem nicht mehr als acht Stunden pro Woche arbeiten, damit sie parallel ihr Studium weiterführen und abschließen können, so Gloede.

Zuletzt wurden für Bremens Schulen zunehmend Vertretungslehrkräfte ohne komplette Ausbildung eingestellt, weil es für viele Fächer an Fachkräften mit dem zweiten Staatsexamen fehlt. Zuletzt konnten in Bremen 38 Lehrerstellen nicht besetzt werden und in Bremerhaven 40. Auch für diese unbesetzten Stellen bietet die Bildungsbehörde den Schulen nun als Lösung an, zunächst bis zu sechs Monate lang Interimskräfte über den Verein Stadtteilschule einzustellen. Im nahen Niedersachsen ist der Lehrermangel ungleich größer, dort blieben 500 Stellen unbesetzt. Die Bundesländer konkurrieren um die fertig ausgebildeten Fachkräfte, es wandern auch Bremer Fachkräfte als Lehrer an Schulen im nahen niedersächsischen Umland ab.

Stellen waren bereits geplant, wurden 2012 aber eingespart

Die GEW verweist darauf, dass allein an der Bremer Universität in den vergangen zwei Jahren mehr als 600 Lehramtsstudenten ihren Master-Abschluss gemacht haben. Gloede zufolge bekommen aber längst nicht alle von ihnen einen Referendariatsplatz in Bremen. „Es müssen im kommenden April oder Mai mindestens 100 neue Referendariatsplätze eingerichtet werden, um den Personalmangel innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre ansatzweise zu beheben“, fordert er deshalb. Gloede erinnert auch daran, dass in Bremen zu Zeiten der früheren Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper angesichts der Pensionierungswelle 100 zusätzliche Referendariatsplätze geplant waren. Diese seien aber im Jahr 2012 Einsparungen zum Opfer gefallen. Die Quittung bekämen die Bremer Schulen jetzt, kritisiert Gloede.

Im kommenden Jahr soll die Zahl der Referendariatsplätze in Bremen der Bildungsbehörde zufolge von 450 auf 500 Plätze erhöht werden. Dazu werden ab Februar 2017 insgesamt 187 Referendariatsstellen neu vergeben. Auch in der Behörde geht man davon aus, dass die Zahl der Bewerber deutlich größer sein wird als die Zahl der Plätze. Aus dem vorherigen Jahrgang werden im Januar voraussichtlich 138 Referendarinnen und Referendare ihre Ausbildung beenden.

Um den Personalengpass der Schulen zu stopfen, will Bremen zudem den Seiteneinstieg in den Lehrerberuf vereinfachen. Zuletzt wurden dazu in der Bildungsdeputation Beschlüsse gefasst, um Erleichterungen auf den Weg zu bringen. Das dürfte interessant für viele sein, die überlegen, beruflich noch einmal umzuschwenken, um an einer Schule zu arbeiten. Wer zum Beispiel Physik studiert hat, aber zunächst nicht auf Lehramt, der soll sich seinen Abschluss nun als erstes Staatsexamen anerkennen lassen können, sagt Behördensprecherin Annette Kemp. Damit reagiere man auf das Problem der Mangelfächer, für die es besonders an Lehrkräften fehlt. Zudem soll es künftig auch Lehrer und Lehrerinnen geben dürfen, die nur ein Fach unterrichten – normalerweise braucht man zwei. Eine weitere Hilfe für Quereinsteiger soll darin bestehen, dass ein Referendariat künftig auch in Teilzeit neben einem anderen Beruf absolviert werden kann. Außerdem soll das Verfahren für die Anerkennung ausländischer Lehrerausbildungen vereinfacht werden.

Die GEW kritisiert mit Blick auf die Zukunft, dass in den vergangenen Jahren mehrere Lehramts-Fächer an der Bremer Uni geschlossen wurden, die nun für die Ausbildung des Nachwuchses dringend gebraucht würden. Spitzenforschung in drittmittelstarken maritimen Fächern sei nicht alles, es müssten auch Lehrkräfte ausgebildet werden, sagt Gloede. 2011 wurden der Uni zufolge die Lehramtsfächer Deutsch als Fremdsprache, Sport und das Fach arbeitsorientierte Bildung geschlossen. Auch der Weiterbildungsstudiengang inklusive Pädagogik stand zuletzt vor dem Aus. Das Fach soll nun aber doch erhalten bleiben. Es gilt als besonders wichtig – vor dem Hintergrund, dass die Inklusion an Bremer Schulen flächendeckend eingeführt wurde, werden Spezialisten gebraucht. Im Stadtstaat fehlte es zuletzt besonders an Sonderpädagogen für die Oberschulen und Gymnasien.

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