Rekordüberschuss in 2016

Gewoba erzielt Millionengewinn

Die Bremer Wohnungsgesellschaft Gewoba hat im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis erzielt. Allerdings kam dies vor allem durch einmalige Effekte zustande.
02.05.2017, 12:09
Lesedauer: 3 Min
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Gewoba erzielt Millionengewinn
Von Jürgen Hinrichs
Gewoba erzielt Millionengewinn

Der Sitz der Gewoba am Rembertiring.

Christina Kuhaupt

Die Bremer Wohnungsgesellschaft Gewoba hat im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis erzielt. Allerdings kam dies vor allem durch einmalige Effekte zustande.

"Alles ist relativ", antwortet Gewoba-Chef Peter Stubbe, als ihn am Dienstag bei der Vorstellung der Bilanz seines Unternehmens ein Journalist nach der Auslastung eines Mietobjekts fragt. Relativ ist auch das Ergebnis der Bremer Wohnungsgesellschaft für das Jahr 2016. Auf der einen Seite wurde mit einem Betrag von 42,6 Millionen Euro ein Rekordüberschuss erwirtschaftet, gut 16 Prozent mehr als im Vorjahr und so viel wie noch nie in der Unternehmensgeschichte. Auf der anderen Seite ist dieser Rekord vor allem einem Sondereffekt geschuldet, der sich vorerst nicht wieder einstellen wird. Die Gewoba hat im vergangenen Jahr auf hohem Preisniveau 332 Wohnungen verkauft und dabei 13,4 Millionen Euro erlöst, doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Ein Geschäft, das jetzt aufgegeben wird. "Aus dem Immobilienvertrieb zieht sich die Gewoba zurück", kündigte Unternehmensvorstand Manfred Sydow an.

Hintergrund ist, dass die Wohnungsgesellschaft vor 25 Jahren von ihren Eigentümern, zu denen mit einer Mehrheit von knapp 75 Prozent die Stadtgemeinde Bremen gehört, den Auftrag bekam, 10.000 Wohnungen aus dem Bestand zu privatisieren. Das ist vor allem in jüngerer Zeit massiv geschehen. Übrig geblieben ist von dieser Marge nach Angaben von Stubbe so gut wie nichts. Die Gewoba gibt in Zukunft keine Wohnungen mehr ab, sondern baut den Bestand wieder auf. Sydow: "Unser Ziel ist es, die Zahl der Mietwohnungen durch Neubau zu erhöhen."

Aus dem Jahresüberschuss schüttet das Unternehmen nach eigenen Angaben 15,8 Millionen Euro an die Aktionäre aus. Neben der Stadt sind das ausnahmslos Banken, sie halten mit etwas mehr als 25 Prozent eine Sperrminorität, die ihnen einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Geschäftspolitik garantiert. Spannend für die Zukunft ist, was mit diesen Anteilen passiert. Bleibt der Bankenpool erhalten, nachdem Bremen durch den Rückzug aus der Bremer Landesbank (BLB), die jetzt komplett der Nord LB in Hannover gehört, über die Anteile der BLB an der Gewoba verfügt? Daran knüpfen sich komplizierte rechtliche Fragen, die in diesem Jahr geklärt sein sollen. Bis dahin sind die Anteile in einer eigens gegründeten Gesellschaft zwischengeparkt, in die auch die Sparkasse ihr Eigentum an der Gewoba eingebracht hat.

Die Gewoba hatte Ende 2016 rund 42.000 eigene Mietwohnungen im Bestand. Verwaltet werden von ihr fast 15.000 Eigentumswohnungen. Die Umsatzerlöse betrugen im vergangenen Jahr 264,7 Millionen Euro, bei einer Bilanzsumme von 1,174 Milliarden Euro. Als Eigenkapitalquote gibt das Unternehmen in seinem Jahresbericht 35,5 Prozent an, was einen Anstieg von 1,3 Prozentpunkten bedeutet.

Die Investitionen belaufen sich auf 116,2 Millionen Euro. Das meiste davon entfällt auf Instandhaltung und Modernisierung. 31,7 Millionen Euro wurden für Neubau ausgegeben, deutlich weniger als im Vorjahr (57,7 Millionen Euro), was in Zukunft anders wird, wenn die Gewoba ihre Ankündigung wahr macht und verstärkt ins Neubaugeschäft einsteigt. "Nach langer Zeit haben wir jetzt wieder eine Neubauabteilung im Haus", erklärte Stubbe. Das drückt sich in Zahlen aus: Waren es in den Jahren 2012 bis 2016 rund 600 Wohnungen, die von der Gewoba fertiggestellt wurden, sind allein für das laufende Jahr 737 Einheiten geplant.

Die Mieten im gesamten Gewoba-Bestand, der sich auf Bremen (31 794 Wohnungen), Bremerhaven (8546 Wohnungen) und Oldenburg (1307 Wohnungen) verteilt, sind um vier Prozent gestiegen. In Bremen sind es durchschnittlich 5,91 Euro Kaltmiete je Quadratmeter, in Bremerhaven 4,53 Euro. Beides Werte, die nach Darstellung des Unternehmens deutlich unter den Angebotsmieten der großen Onlinebörsen liegen.

"In unserer Mietstatistik schlagen sich auch die Neubauwohnungen nieder", erläuterte Unternehmensvorstand Sydow, "selbst öffentlich geförderte Wohnungen sind 50 bis 80 Cent je Quadratmeter teurer als unsere vermieteten Bestandswohnungen." Für bezahlbares Wohnen in Bremen und Bremerhaven bleibe die Gewoba die erste Adresse. Das Unternehmen habe sich selbst verpflichtet, ein Viertel des Bestandes an den Kostenvorgaben der Jobcenter zu orientieren, um Hartz-IV-Empfängern eine Bleibe zu sichern.

Leerstand gibt es sehr wohl in den Wohnungen der Gewoba, doch er ist mittlerweile so gering – in Bremen beträgt die Quote 0,65 Prozent –, dass dies auch die Folge normaler Fluktuation der Mieter sein kann. "Im Grunde können wir von Vollvermietung sprechen", sagte Stubbe.

Als besonders positiv vermerkt der Gewoba-Chef das für Bremerhaven. "Vor zehn Jahren hatten wir dort einen Leerstand von mehr als zehn Prozent." Beispielhaft für den Wandel sei der Stadtumbau in Leherheide. Auf den Abriss leer stehender Hochhäuser vor 15 Jahren sei die Umgestaltung des Marktplatzes gefolgt, der "neuen Mitte" mit Kultur- und Gewerbeeinrichtungen. Stubbe: "Bremerhaven macht uns Freude."

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