Baubeginn am Werdersee im Mai möglich

Gewoba stellt Gartenstadt-Pläne vor

In der Gartenstadt Werdersee werden mindestens 25 Prozent der 590 Wohneinheiten offentlich gefördert sein. Die Gewoba hat nun vorgestellt, wie die ersten Gebäude mit Sozialwohnungen aussehen könnten.
22.02.2019, 20:02
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Karin Mörtel
Gewoba stellt Gartenstadt-Pläne vor

So soll das Gebäude der Gewoba mit Einzelhandel im westlich gelegenen Eingangsbereich der Gartenstadt Werdersee an der Habenhauser Landstraße aussehen.

Gewoba / Entwurf: De Zwarte Hond

Die teilstädtische Wohnungsbaugesellschaft Gewoba wird voraussichtlich im Mai mit dem Bau des ersten von insgesamt neun barrierefreien und energiesparenden Mehrfamilienhäusern in der Gartenstadt Werdersee beginnen. Die Pläne für das 57 Meter lange Gebäude an der Habenhauser Landstraße hat Architektin Corinna Bühring jetzt dem Neustädter Beirat präsentiert.

Boulevard mit Supermarkt

Wenn alles nach Plan läuft, könnte außerdem direkt daneben im Herbst des laufenden Jahres auch der Bau zweier weiterer Häuser an der westlichen Zufahrt des Neubaugebietes starten. Dort ist direkt am Boulevard genannten Eingangsbereich im Erdgeschoss Platz für einen Supermarkt eingeplant. Insgesamt wird die Gewoba etwa 250 Wohnungen in der Gartenstadt Werdersee errichten. Die meisten davon sind öffentlich gefördert und damit auch für Menschen erschwinglich, die teure Mieten nicht bezahlen können (siehe Infokasten).

Für den ersten Bau wartet die Gewoba derzeit nur noch auf die Baugenehmigung, dann kann es losgehen: Das Mehrfamilienhaus wird 31 öffentlich geförderte Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen beherbergen. Im Erdgeschoss gibt es neben einem Hauswartbüro auch bis zu sechs Gewerbeeinheiten, die je nach Nachfrage in der Größe bis maximal 230 Quadratmeter variabel sind. An der höchsten Stelle ist das Haus fünf Stockwerke und damit 16 Meter hoch. Nach Osten hin ist es gestaffelt über vier bis zu drei Stockwerken hoch. „Damit wirkt es eigentlich wie drei Häuser, die auch alle eigene Eingänge haben“, betonte Bühring.

Kritische Nachfrage zum Lärmschutz

Kritische Anmerkungen zu dem Bau kamen vom parteilosen Wolfgang Meyer, der für die Linksfraktion im Beirat sitzt. „Ich entnehme dem Entwurf, dass dort trotz starkem Flug- und Straßenlärm Balkone vorgesehen sind. Das verwundert mich, weil bei Ihrem Bauprojekt am Hohentorsplatz Balkone aus Lärmschutzgründen ausgeschlossen wurden.“ Aus seiner Sicht würden das Haus und seine Bewohner als „Lärmschutzwall“ für die teureren Wohnlagen Richtung Werdersee missbraucht. Die Architektin bestätigte den vorhandenen Lärm. Doch genau deshalb sei gezielt das Architekturbüro Florian Krieger aus Darmstadt mit der Planung beauftragt worden, das sehr erfahren mit Mehrfamilienhäusern an lärmbelasteten Standorten sei.

„Wir haben zusätzlich einen Gutachter eingeschaltet, um alle Richtlinien zum Schutz der Bewohner einhalten zu können“, so Bühring. Das Ergebnis: Zur Habenhauser Landstraße hin wird es Loggien geben, die mit beweglichem Lärmschutzglas ausgestattet sind, das je nach Wetterlage und Ruhebedürfnis auch komplett geöffnet werden kann. An der hinteren Gebäudeseite seien hingegen nach Norden ausgerichtete Balkone vorgesehen, „dort ist es deutlich ruhiger“, erklärte die Fachfrau der Gewoba.

Die beiden Häuser am westlichen Eingang zum Neubaugebiet haben ebenfalls gestaffelte Gebäudehöhen, die zwischen drei und fünf Geschossen variieren. Neben weiteren 75 geförderten Wohnungen gibt es dort gleich mehrere Besonderheiten in der Nutzung: „Wir bemühen uns, dort einen Vollsortimenter zur Nahversorgung der Bewohner anzusiedeln“, erklärte Bühring. Außerdem wird Platz für ein Café sowie eine Pflege-Wohngemeinschaft und eine Tagespflegeeinrichtung für Senioren vorhanden sein.

Platz auch für mehrköpfige Familien

Nördlich daran anschließend plant die Gewoba, etwa Mitte des Jahres 2020 mit dem Bau von zwei weiteren Gebäuden am Boulevard zu beginnen. Dort sind 36 frei finanzierte sowie neun öffentlich geförderte Wohnungen vorgesehen, von denen die meisten so groß sind, dass auch mehrköpfige Familien darin Platz finden. In einem der Häuser ist außerdem ein Kindergarten für 90 bis 120 Jungen und Mädchen untergebracht sowie eine betreute Wohngemeinschaft des SOS-Kinderdorfzentrums für unterstützungsbedürftige Mädchen ab 14 Jahren.

Auf verschiedene Wohnhäuser verteilt baut die Gewoba zudem Blockheizkraftwerke sowie kleine Nahwärmenetze zur lokalen Energieversorgung der Gartenstadt Werdersee ein. Insgesamt stehen der Gewoba für diese und die restlichen Bauvorhaben, die voraussichtlich bis 2021 begonnen werden, 22 000 Quadratmeter Gesamtfläche zur Verfügung.

Für Erstaunen sorgte bei Besuchern der Beiratssitzung besonders im Umfeld der Sozialwohnungen die Anzahl der Stellplätze für Autos, die die Gewoba überwiegend in Tiefgaragen realisieren wird. „Wir gehen davon aus, dass unsere Mieter diese nicht voll ausnutzen werden, aber leider hat Bremen noch eine Stellplatzverordnung, die vorschreibt, dass wir in jedem Fall diese Parkplätze bauen müssen“, entgegnete Bühring.

Uwe Schierloh von der Projektgesellschaft Gartenstadt Werdersee kündigte an, die neuen Eigentümer der künftigen Reihenhäuser hinter den Gewoba-Häusern hätten sicherlich Interesse an freien Stellplätzen.

Info

Zur Sache: Öffentlich geförderte Wohnungen

Für den Bezug einer geförderten Wohnung ist immer ein Wohnberechtigungsschein – bekannt als B-Schein – notwendig. Wer hierfür berechtigt ist, hängt vom Einkommen ab. Die Grenzen liegen bei Neubauwohnungen wesentlich höher als bei bestehenden Wohnungen. Dort dürfen die geltenden Einkommensgrenzen um bis zu 60 Prozent überschritten werden. So hat beispielsweise ein Sozialhilfeempfänger ebenso Anspruch auf den B-Schein für eine Neubauwohnung wie eine fünfköpfige Familie mit einem jährlichen Brutto-Einkommen von bis zu 73 686 Euro. Das Beispiel zeigt, dass der Anspruch auf eine geförderte Wohnung häufiger als vielfach angenommen besteht. Nähere Infos und Antragsformulare für den B-Schein sind im Internet zu finden unter www.bauumweltbremen.de in der Rubrik „Bau“ -> „Wohnen und Fördern“.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+