Vorwurf: Versuchter Mord / Ärzte holen Opfer aus dem Koma Gift in der Capri-Sonne: Ehemann gesteht Anschlag

Bremen. Unter Verdacht stand der Mann offenbar von Anfang an, jetzt hat er die Tat gestanden: Wie die Polizei gestern mitteilte, hat sie im Fall des Ehepaares, das mit Fruchtsaft der Marke Capri-Sonne vergiftet wurde, den Ehemann festgenommen. Während der Vernehmung habe er eingeräumt, den Inhalt des Getränkebehälters manipuliert zu haben.
28.07.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Gift in der Capri-Sonne: Ehemann gesteht Anschlag
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Unter Verdacht stand der Mann offenbar von Anfang an, jetzt hat er die Tat gestanden: Wie die Polizei gestern mitteilte, hat sie im Fall des Ehepaares, das mit Fruchtsaft der Marke Capri-Sonne vergiftet wurde, den Ehemann festgenommen. Während der Vernehmung habe er eingeräumt, den Inhalt des Getränkebehälters manipuliert zu haben.

Während der Mann sich nach Verzehr des Saftes im Krankenhaus schnell wieder erholen konnte, lag die Frau lange Zeit im künstlichen Koma. Mittlerweile ist sie wieder ansprechbar, wie die Staatsanwaltschaft mitteilt. Gegen den Mann werde die Behörde einen Haftbefehl wegen versuchten Mordes beantragen.

Der Fall hatte vor zwei Wochen bundesweit für Aufsehen gesorgt. Niemand konnte ausschließen, dass weitere Chargen derselben Getränkesorte vergiftet sind und den Kunden deswegen Gefahr droht. Der Hersteller des Saftes stand in engem Kontakt zur Polizei, um zur Aufklärung beizutragen. Außerdem wurde über die Medien vorsorglich um erhöhte Aufmerksamkeit gebeten. Die Kunden sollten vor dem Verzehr darauf achten, ob die wieder verschließbaren Trinkbeutel manipuliert wurden.

Zunächst war nur der Mann ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die Ärzte hatten bei ihm einen Herzinfarkt vermutet, was sich nach weiteren Untersuchungen aber nicht bestätigte. Nach einer Woche konnte der Mann die Klinik wieder verlassen. Unterdessen hatte es auch seine Frau getroffen, zwei Tage später als ihren Mann. Sie war lebensgefährlich erkrankt und musste in ein künstliches Koma versetzt werden.

Spätestens damit war klar, dass es im Haushalt oder im Umfeld des Ehepaares irgendetwas geben musste, was zu den schweren Vergiftungen geführt hatte. Die Polizei schaltete sich ein und ging nach eigenen Angaben zusammen mit dem Ehemann alle Lebensmittel durch, die von den beiden in den Tagen vor der Erkrankung verzehrt worden waren.

Die Spur führte schließlich zu dem Fruchtsaftgetränk, mehreren Beuteln der Marke Capri-Sonne, von denen einige im Haushalt des Ehepaares sichergestellt werden konnten. Im Labor kam dann die Bestätigung: Der Fruchtsaft war vergiftet, mit was genau, wollen Polizei und Staatsanwaltschaft bislang noch nicht sagen, um die Ermittlungen nicht zu gefährden, wie sie erklären. "Wir wissen aber, was es ist", sagt Frank Passade, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Bei so einem Tathergang sei klar, dass die Ermittler schnell den Ehemann in den Fokus nähmen, so Passade weiter. Bestätigen will er es nicht, der Staatsanwalt räumt aber ein, das dies ein durchaus denkbares Szenario ist: Der Ehemann vergiftet neben der Frau auch sich selbst, freilich nur ein bisschen, um gesundheitlich nicht ernsthaft Schaden zu nehmen, und zerstreut damit den Verdacht, er könnte der Täter sein.

Ob der Mann von der Polizei erst dadurch dingfest gemacht und unter Druck vernommen werden konnte, weil seine aus dem Koma zurückgeholte Frau möglicherweise gegen ihn ausgesagt hat, oder ob andere Indizien zu seiner Festnahme geführt haben, wollte die Staatsanwaltschaft nicht kommentieren. Genauso wenig lasse sich nach derzeitigem Ermittlungsstand etwas über das Motiv des Tatverdächtigen sagen.

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