Gladbecker Geiseldrama Gladbeck-Gedenkort in Huckelriede geplant

Bremens Polizeipräsident Müller und Innensenator Mäurer (SPD) führten intensive Gespräche mit Opfern der Ereignisse während des Gladbeck-Geiseldramas – auch um die Gestaltung einer Erinnerungsstätte auszuloten.
15.08.2018, 19:45
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Gladbeck-Gedenkort in Huckelriede geplant
Von Timo Thalmann

Wenn sich das Geiseldrama von Gladbeck an diesem Donnerstag zum 30. Mal jährt, werden Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD), Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sowie die niedersächsische Landesministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten Birgit Honé auf dem Friedhof im benachbarten Heiligenrode das Grab der damals ums Leben gekommenen Silke Bischoff besuchen.

Diesem stillen Gedenken gingen zumindest in Bremen offenbar intensive Gespräche mit Opfern und ihren Angehörigen voraus, darunter auch mit Karin Remmers, der Mutter der getöteten Silke Bischoff. Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) und Bremens Polizeipräsident Lutz Müller haben dabei an insgesamt fünf Terminen jeweils mit nur einem oder zwei Betroffenen gesprochen.

„Nach ersten Kontakten erschien uns eine gemeinsame Einladung der Opfer und der Angehörigen nicht angemessen“, berichtet Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin des Innensenators. Das Geschehen vor 30 Jahren sei bei allen noch so präsent gewesen, als sei es erst gestern passiert. Sie berichtet auch von „Wut, Bitterkeit und Tränen.“

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Diese Erfahrung entspricht der Feststellung, die ein fraktionsübergreifender Antrag in der Bremer Bürgerschaft bereits im Mai gemacht hat. „Die Nachbetreuung der Opfer und Hinterbliebenen des Geiseldramas war suboptimal, improvisiert, für die Betroffenen belastend und erscheint aus heutiger Sicht hilflos“, heißt es darin.

So habe es nach Auffassung der Betroffenen keine oder eine nur unzureichende Betreuung der traumatisierten Geiseln, ihrer Angehörigen und Hinterbliebenen gegeben. Der Senat wird in dem Parlamentsbeschluss außerdem aufgefordert, einen Erinnerungsort für die Opfer des Gladbecker Geiseldramas im Bereich des Busbahnhofs Huckelriede zu schaffen.

Dort waren am 17. August 1988 etwa 30 Passagiere eines Linienbusses von den Bankräubern Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski als Geiseln genommen worden. Eine anschließende Irrfahrt durch Norddeutschland endete erst nach einigen Stunden. Der 14-Jährige Emanuele de Giorgi wurde dabei an der Autobahnraststätte Grundbergsee von Rösner erschossen, die 18-Jährige Silke Bischoff kam in Bad Honnef bei einem Befreiungsversuch durch die Polizei ebenfalls durch eine Kugel aus Rösners Waffe ums Leben.

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Die bereits in der Parlamentsdebatte im Mai von Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) angekündigten Gespräche mit den Angehörigen und Opfern dienten demnach auch dazu, die konkrete Ausgestaltung eines solchen Gedenkortes auszuloten. Es werde „puristisch und schlicht“ hieß es dazu jetzt. Unter allen Umständen wolle man dabei vermeiden, dass erneut die Täter in den Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung rückten. Auf sie werde es darum keine Hinweise geben.

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Zur Sache

Rösner in Behandlungswohngruppe

Hans-Jürgen Rösner lebt nach Angaben der JVA Aachen seit Mai in einer sogenannten Behandlungswohngruppe mit einer intensiven Betreuung. In der offenen Abteilung müssten sich die Inhaftierten mit sich und den anderen Bewohnern auseinandersetzen, wie die JVA-Leiterin Elke Krüger sagte. Es würden Konflikte und Alltagsprobleme besprochen. Das sei als Zeichen für eine positive Entwicklung Rösners zu sehen. Wann allerdings der Zeitpunkt für einen offenen Vollzug sei, könne sie nicht sagen. Rösners Anwalt Rainer Dietz hatte unlängst noch betont, dass der offene Vollzug das Ziel sei.

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