Tim Bengel hat Lars Oldach porträtiert: Künstler trifft Motiv auf der „Sale“ in der Berliner Freiheit

Glanzvoll in den Sand gesetzt

„Er hat einen gewissen Gesichtsausdruck, etwas Cooles.“ Tim Bengel über Lars Oldach Neue Vahr.
24.09.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Silja Weisser
Glanzvoll in den Sand gesetzt

Tim Bengel, hier vor einem seiner Werke auf der Artmuc Kunstmesse in München, hat via Internet ein neues Gesicht gesucht, dass er in Sand und Gold porträtieren kann. Lars Oldach weckte sein Interesse – in der Vahr treffen sich die beiden an diesem Donnerstag erstmals in natura.

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„Wer möchte das neue Gesicht für mein nächstes Porträt werden?“ Mit dieser Frage lockte Tim Bengel auf seiner Facebook-Seite rund 300 Interessierte aus der Reserve. Am Ende wählte der Künstler den Hobbyfotografen Lars Oldach aus. Die beiden kennen sich nicht. Sie wohnen rund 670 Kilometer voneinander entfernt. Der Buxtehuder Oldach und der bei Stuttgart lebende Porträtmaler Bengel treffen an diesem Donnerstag, 24. September, im Einkaufszentrum Berliner Freiheit erstmals aufeinander.

Doch von vorne: Alles begann mit dem Internetaufruf von Tim Bengel. Mit dem Porträt eines Unbekannten will er seine Devise bestätigen: „In jedem steckt ein Kunstwerk.“ Oldach war sofort Feuer und Flamme: „Ich wollte unbedingt von Tim Bengel porträtiert werden“, erzählt er. Denn Bengel malt nicht einfach nur Gesichter ab. Der 23-Jährige formt seine Porträts aus Sand und Blattgold. Lange habe er gebraucht, um einen speziellen Klebstoff zu finden, damit diese Materialien auf der Leinwand hafteten, berichtet Bengel. Mit der Hand verteilt er den Sand grob, mit dem Spachtel geht es an die Feinarbeit. Die speziellen Sandsorten lässt er sich aus Österreich liefern: Feinen weißen Sand und grobkörnigen schwarzen für mehr Tiefe in seinen Arbeiten.

Über einen Kunstwettbewerb in der Schule ist Tim Bengel zur Kunst gekommen. Mit einer Collage, in der er Europa aus 1000 Münzen gestaltete, ging er als Sieger aus diesem Werttstreit hervor. Vor einem Jahr fing er an, „just for fun“, wie er sagt, etwas Kreatives zu suchen, was kein anderer Künstler macht. Schließlich soll die Kunst nicht ganz brotlos sein, meint der ehemalige Wirtschaftsgymnasiast.

Die Erfolgsgeschichte nahm rasant ihren Lauf: Der Musiker Max Herre ließ sich in Sand verewigen, beim Publikumswettbewerb Artward setzte sich Tim Bengel gegen 300 Mitbewerber durch. Es folgten Ausstellungen in München und eine Messe in Stuttgart. Auch Banken und Versicherungen kaufen die glanzvoll in den Sand gesetzten Bilder. Sein Gesundheitsmanagement-Studium hat der mittlerweile zum Vollzeit-Künstler gewordene Bengel kurzerhand ab. „Die Kunst läuft rund“, begründet er diesen Schritt. Bisher gehe es nur bergauf. Und er zitiert das Credo des Popart-Künstlers Andy Warhol: „Gute Geschäfte sind die beste Kunst.“ Obwohl sich Bengel zum Ziel gesetzt hat, vorerst den süddeutschen Raum zu erobern („Nach Berlin wollen ja alle Künstler“), reist er nun mit mindestens fünf Bildern im Gepäck nach Bremen, genauer in die Vahr. Nicht ins Museum. Ihn reizt der öffentliche Raum. In einem Einkaufszentrum könne er Menschen zur Kunst bringen, die zuvor vielleicht kein Interesse an Kunst gehabt hätten, erklärt er.

In der Berliner Freiheit trifft er auch auf „sein neues Gesicht“, auf Lars Oldach, einen Hobbyfotografen, dessen Bilder er sehr schätzt. „Er hat einen gewissen Gesichtsausdruck, etwas Cooles“, sagt Bengel. Abgesehen davon sei das für die Ausschreibung eingesandte Foto mit einer guten Kamera geschossen. Die Qualität stimme.

Lars Oldach bestätigt: Er achte auf eine gute Auflösung und gutes Handwerkszeug. Der 41-Jährige hat vor drei Jahren seine Leidenschaft für die Fotografie entdeckt. Als Leiter einer Seniorenresidenz schnappt er sich die Kamera in den Mittagspausen, um Dinge des Alltags vor allem aus der nächsten Umgebung zu entdecken: ein Haufen Backsteine, eine Bordsteinkante oder eine Möwe auf einem Mast. Unspektakulär, aber dennoch faszinierend. Mehrere tausend Bilder sind auf diese Weise bereits entstanden. „Eigentlich wollte ich mal Kunst studieren“, erzählt Oldach. Doch durch einen Nebenjob im Pflegeheim kam er zu seinem jetzigen Beruf. Umso mehr freut ihn der Erfolg seiner ersten Ausstellung im vergangenen Jahr. „Ich war positiv überrascht“, sagt er. Einen Großteil der Bilder habe er verkauft. In Bremen wird Tim Bengel ihm sein in Gold und Sand gearbeitetes Portät übergeben. „Für einen Freundschaftspreis“, wie der Künstler ankündigt.

Oldach möchte sich mit einer Fotografie revanchieren. Mit einer minimalistischen Arbeit: Eine Kette in Großaufnahme. Auf seinen Künstlerkollegen ist er gespannt. „Ich finde seine Arbeiten toll und ich mag die Art von Humor in seinen Bildern.“ Auch Bengel freut sich auf Bremen. Noch überlegt er, ob er nicht auch ein Wahrzeichen der Hansestadt in einem Bild verewigen und zeigen soll. Eine Zeitfrage. Für ein großes Bild benötigt der Künstler bis zu 200 Arbeitsstunden.

Bei der „Kunst-Sale: Freiheit für die Kunst“ im Einkaufszentrum Berliner Freiheit, noch bis zum Sonnabend, 26. September, jeweils 9 bis 19 Uhr (am Sonnabend bis 18 Uhr), ist Tim Bengel vor Ort. Insgesamt 16 Künstlerinnen und Künstler zeigen dort ihre Werke.

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