Regionalausschuss Anträge Gleise sollen überprüft werden

Bremen. Der Bahnlärm-Regionalausschuss der Bremer Ortsbeiräte fordert Maßnahmen gegen laute Güterzüge.
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Von CLEMENS HAUG

Der Bahnlärm-Regionalausschuss der Bremer Ortsbeiräte fordert Maßnahmen gegen laute Güterzüge. Unter anderem soll die Landesregierung eine Lärmmessung im Stadtgebiet veranlassen und über Nacht- und Sonntagsfahrverbote für besonders laute Züge verhandeln. Bis sie sich zu konkreten Maßnahmen entschließt, könnten zwei Jahre vergehen.

Bis 2030 rechnen die Gutachter Thomas Rössler und Thomas Siefer mit einer Verdopplung des Güterverkehrs durch Bremer Stadtgebiet. Diese Prognose haben sie in der jüngsten Sitzung der Bremer Ortsbeiräte im Waller Ortsamt im Detail erklärt. Beide hatten vor kurzem bereits Berechnungen zur Leistungsfähigkeit der Bremer Eisenbahnnetzes vorgelegt (wie berichtet). Vorausgesetzt der Güterumschlag in Bremerhaven wachse jährlich weiter um etwa vier Prozent, könnten in 17 Jahren täglich 193 Güterzüge zwischen Bremen und der Seestadt unterwegs sein. Das seien etwa 97 mehr als heute, sagte Thomas Rössler. Auch für die Strecke Bremen-Hannover sehen die beiden Experten einen Anstieg von 50 auf täglich etwa 92 Güterzüge.

An Spitzentagen könnte der Schienengüterverkehr sogar noch einmal um die doppelte Menge anschwellen. Dann würden bis zu 300 Frachtzüge täglich durch Bremen rollen. Grundlagen dieser Schätzung sind die Entwicklung der Häfen in den vergangenen neun Jahren und Aussagen von Reedereien und Logistikunternehmen.

Welche Folgen das für die Anwohner an den Bremer Bahnstrecken hat, können die Experten bislang nur vermuten. Genau Erkenntnisse solle eine Verkehrssimulation auf Basis der angenommenen Zahlen liefern, schlugen die Gutachter vor. Einen entsprechenden Auftrag habe die Deutsche Bahn aber noch nicht erteilt.

Die Unternehmensvorstände wollten erst die Bildung der neuen Bundesregierung abwarten, bemerkte dazu Iven Krämer, der das Referat für Hafeninfrastruktur beim Bremer Senator für Wirtschaft und Häfen leitet. Er rechnet damit, dass eine Simulation im kommenden Jahr angegangen wird und die Ergebnisse Ende 2014 vorliegen. Danach soll in einem dritten Schritt untersucht werden, welche Lärmentwicklung steigender Güterverkehr nach sich zieht und wer davon betroffen sein wird. Das könnte ein weiteres Jahr dauern.

Solange will der Regionalausschuss Bahnlärm aber nicht warten. Deshalb wurden mehrere Anträge an die Bremer Landesregierung beschlossen. So sollen die Bahngleise in der Stadt auf Rauh- und Unebenheiten untersucht werden. Schon die Beseitigung solcher kleinen Mängel könnte die Lautstärke des Bahnverkehrs reduzieren, hoffen die Delegierten.

Zudem sollen Monitoring-Stationen die Lärmentwicklung laufend überwachen. Auch Anträge der Initiative gegen Bahnlärm von Walter Ruffler beschloss das Gremium einstimmig. Der Senat soll sich demnach dafür einsetzen, dass besonders geräuschvollen Zügen ein Nacht- und Sonntagsfahrverbot erteilt wird. Laute Züge sollen zudem nur langsam durch die Stadt rollen dürfen. „Das soll einen Anreiz für die Bahnbetreiber schaffen, ihre Waggonflotten zu modernisieren, um die Züge leiser zu machen“, erklärte Ruffler.

Die beiden Gutachter Rössler und Siefer gehen davon aus, dass die Deutsche Bahn als größter Güterverkehrsdienstleister Deutschlands ihren Fuhrpark absehbar sowieso erneuern werde. Um das zu beschleunigen, sei auch ein Verbot lauter Güterwagen im Hafengelände in Bremerhaven denkbar. „Wenn wir einen solchen Schritt beschließen, dann aber nur gemeinsam mit Hamburg, Wilhelmshaven, Rotterdam und Antwerpen“, erklärte Christoph Lankowsky, Referatsleiter für Schienenverkehr im Verkehrsressort. Eine Politik, die den Bremer Häfen Wettbewerbsnachteile beschert, hält Iven Krämer von der Hafenbehörde für schädlich: „Unsere Häfen zu entwickeln und eine wettbewerbsfähige Infrastruktur zu schaffen, ist seit Jahrzehnten Politik der Landesregierung.“

Dass der Umschlag in Bremerhaven seit 2004 von 52 auf über 84 Millionen Tonnen gewachsen ist, werten er und Lankowsky als großen Erfolg. Deutlich mehr Güterverkehr auf den Gleisen sei da nur eine logische Folge.

Den Ausbau der Häfen stellte Bahnlärm-Gegner Ruffler nicht in Frage. „Warum wurde in der Berechnung nicht untersucht, ob Güterzüge vom Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven über Cloppenburg umgeleitet werden können, anstatt durch Bremen zu fahren“, wollte er aber von den Gutachtern wissen. Für sie ist der neue Großhafen vernachlässigbar.

„An Spitzentagen werden etwa 20 Güterzüge von und nach Wilhelmshaven durch Bremen rollen. Das ist im Vergleich mit den annähernd 240 Zügen nach Bremerhaven wenig“, sagte Rössler. Als mögliche Umleitungsstrecke für Güterzüge nach und aus Bremerhaven steht ihres Wissen nach nur die Strecke von Rothenburg über Bremervörde nach Bremerhaven zur Verfügung. Die von der Eisenbahnen und den Verkehrsbetrieben Elbe-Weser (EVB) betriebene Verbindung hat jedoch nur ein Gleis und keine elektrische Oberleitung. Ein Ausbau könnte zweistellige Millionensummen kosten.

Der Regionalausschuss Bahnlärm will die Chancen einer Ortsumgehung dennoch diskutieren und zu einer Veranstaltung Vertreter der Verkehrsressorts aus Bremen und Niedersachsen einladen.

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