Bauarbeiter bessern beschädigte Stahlträger im Nordturm aus Glockenstuhl im Bremer St.-Petri-Dom wird saniert

Bremen. Der Glockenturm im Nordturm des St.-Petri-Doms wird saniert, weil die Stahlträger schwerwiegende Roststellen aufweisen. Die Sanierungsarbeiten dauern voraussichtlich bis Pfingsten. Bis die Glocken wieder klingen, gibt es aber Ersatz.
18.05.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karina Skwirblies

Bremen. Es ist still über dem Marktplatz. Wo sonst die drei Domturmglocken Maria Gloriosa, Hansa und Felicitas die Stunden, den Mittag und den Abend sowie den Gottesdienst am Sonntag einläuten, herrscht Schweigen. Grund ist die Sanierung des Glockenstuhls im Nordturm des St.-Petri-Doms, dessen Stahlträger schwerwiegende Roststellen aufweisen.

Die Sanierungsarbeiten dauern voraussichtlich bis Pfingsten. Als Ersatz haben sich die ehrenamtlichen Domturmbläser bereit erklärt, jeden Sonntag musikalisch auf den Gottesdienst einzustimmen.

Bereits vor drei Jahren hat die St.-Petri-Domgemeinde den Glockenstuhl im Südturm für rund 90000 Euro saniert. Seine Eisenträger waren deutlich stärker verfallen als bei dem Glockenstuhl im Nordturm. Der Rost musste mit einem Sandstrahler beseitigt, einzelne Streben ausgetauscht werden, erläuterte Thilo Wichmann, Bauleiter der Bremischen Evangelischen Kirche, bei einer Besichtigung der Baustelle.

Im Südturm hängt die größte der vier Domglocken: die Brema, Jahrgang 1962. Sie ist die jüngste und wiegt sieben Tonnen. Ein Jahr lang musste die Brema wegen des maroden Glockenstuhls schweigen. Die Hemelinger Glockengießerei Otto hat die größte Glocke Bremens gegossen, sie läutet nun wieder an besonderen Feiertagen sowie vor großen Konzerten. Sie wird zu diesen Anlässen auch in den kommenden Wochen erklingen.

Im Nordturm befindet sich die Maria Gloriosa, 1433 von dem bekannten Glockengießer Ghert Klinghe gefertigt. Nur diese, 4800 Kilogramm schwere Glocke blieb im Zweiten Weltkrieg im Turm zurück, als man alle anderen herunterholte und für die Waffenschmiede einschmolz. Auf einem Schrottplatz in Hamburg wurde sie wiedergefunden, erklärte der Bauherr der Domgemeinde Herrmann Eibach. Eingerahmt wird die Maria Gloriosa heute von der Hansa und der Felicitas, die 1951 gegossen wurden.

"Der Glockenstuhl ist 1897 entstanden", berichtete Thilo Wichmann. "Die Schäden sind hier geringer als im Südturm. Doch auf der Wetterseite, der Westfassade, drang der Regen und Schnee in den Glockenstuhl. Hier waren nur offene Fensterklappen. Diese Schallklappen standen meistens offen. Bei der Sanierung des Turm haben wir Luken eingebaut, damit der Regen nicht wieder reinkommt." 40000 Euro sind für die Sanierung der Metallkonstruktion vorgesehen. Deutlich weniger als für den Glockenstuhl des Südturms. Die Sanierungskosten trägt die Bremische Evangelische Kirche.

"Der Glockenstuhl lagert in 31 Metern Höhe auf dem Turmgemäuer" führte Wichmann aus. "In dieser Höhe befindet sich das Querdach, dort ist deutlich mehr Stabilität als an anderen Stellen des Doms. Der Glockenstuhl ist zehn Meter hoch und steht quasi frei. Die Schwingungen der Glocken übertragen sich nicht auf das Mauerwerk. Dieses könnte die Schwingungen gar nicht ohne Schäden verkraften. Es ist das gleiche Prinzip wie in allen Kirchen."

Es ist eine gewaltige Konstruktion, die die drei riesigen Glocken trägt. Der Glockenturm muss extremen Belastungen und Schwingungen standhalten. Massive Eisenträger sind diagonal miteinander verstrebt und mit Nieten verbunden. Die ein oder andere Schweißstelle ist zu sehen, einige Nieten sind durch Schrauben ersetzt, doch ansonsten ist der über 100 Jahre alte Stahl im Originalzustand.

Das Projekt wird vom Architekturbüro Ruwe betreut. Mitarbeiter Uwe Wiechmann ist für die Bauüberwachung verantwortlich. "Im Vergleich zum Südturm kann man hier partiell arbeiten", erläutert er die Vorgehensweise. "Die rostigen Stellen werden bis auf den Stahl runtergeschliffen und neu aufgebaut. Es werden Stücke angeschweißt oder neue Ecken eingefügt."

Die Schwierigkeit liege darin, dass neues und altes Material zusammengebracht werden müsse. Das Eisen des Glockenstuhls ist 114 Jahre alt. Es hat mehr Kohlenstoff und ist darum härter als Eisen, das heute verwendet wird, erklärte Hartmut von Oehsen, Geschäftsführer von StahlTec, Stahl- & Anlagenbau GmbH. Die Bremer Firma hat bereits den Glockenstuhl im Südturm saniert.

Für das Schweißen verwenden die Metallarbeiter ganz besondere Elektroden, die vorgewärmt werden müssen. Ein komplizierter Vorgang, der viel Fachkenntnisse voraussetzt. Der ganze Glockenstuhl muss innerhalb des Nordturms eingerüstet werden, damit die Arbeiter an die Streben heranreichen. Fünf Mitarbeiter von StahlTec und ein Maler sind in den kommenden Wochen hier beschäftigt.

Bis die Glocken wieder klingen dürfen, springen die Domturmbläser ein. Sie musizieren sonntags vor dem Gottesdienst anstelle der Glocken vom Südturm aus. Neben einem "Morgenruf" wird in der Zeit zwischen 9.45 und 10 Uhr ein Morgenchoral, das Wochenlied sowie eine Turm-Intrade von Pezelius erklingen. Der sonst übliche Aufritt der Turmbläser nach dem Gottesdienst am ersten Sonntag des Monats und am Pfingstsonntag entfällt.

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