Berliner Freiheit

Glückliche Vahrmilie im Bürgerzentrum

Zum sonntäglichen Spieletreff im Bürgerzentrum Neue Vahr kommen auch Gäste aus anderen Stadtteilen – separate Fläche für die Kleinen bis drei Jahre bietet noch mehr Möglichkeiten.
10.01.2018, 22:29
Lesedauer: 3 Min
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Von EDWIN PLATT
Glückliche Vahrmilie im Bürgerzentrum

Das Team, das die sonntäglichen Spieletreffs Vahrmilie im Bürgerzentrum Neue Vahr organisiert und gestaltet, freut sich über den guten Zuspruch. Über hundert Gäste zählen Greta (von links), Erkan, Joana, Gülsün, Fatima und Anne regelmäßig, einmal waren es sogar 280 Besucher.

PETRA STUBBE

Angelina, erst ein Jahr alt, freut sich über die vielen bunten Bälle um sie herum. Angelina sitzt nicht allein im Bälle-Bad, zwei weitere Kinder ihres Alters werfen mit den leichten, runden Kugeln. Um sie herum werden Kinder geschminkt, wird gemalt, fahren Kids mit Spielzeugtreckern oder imitieren lautstark Blaulicht eines Polizeiautos. Auf Sofas und Stühlen drumherum beobachten Eltern ihre Kleinen. Unten im Saal wird Tischtennis und Balancieren, Tischkicker und Rutschen über Rollen angeboten, ebenso das Play-Mais-Formen, Zeichnen und Schminken oder Fahren mit dem Bobbycar und Toben in der Hüpfburg.

Das Spielangebot drinnen, Vahrmilie, läuft in dieser Saison seit Anfang November und noch bis zum 25. Februar jeden Sonntag von 14.30 bis 17.30 Uhr im großen Saal des Bürgerzentrums Neue Vahr. Die Idee ist, in der nassen und kalten Jahreszeit einen Spielplatz für die ganze Familie zu bieten, auf dem Eltern und Kinder gemeinsam aktiv sein können, wo nicht jedes Stolpern im Matsch endet, wo nicht Kälte nach kurzer Zeit in die Wohnung treibt, wo Nässe nicht von oben kommt, wo aber Kaffee und Kuchen für die Eltern bereit stehen, um Gespräche mit den Nachbarn gemütlich zu gestalten. Neu seit dieser Saison ist: Die Kleinsten bis drei Jahre, wie Angelina, finden ihren separaten Platz auf der Theaterbühne, wo sie toben können, aber nicht von etwas größeren wilden Kerlen und flotten Bienen überrannt werden.

Eine Mutter gönnt sich das günstige Gedeck, bestehend aus einem Stück Kuchen und einem Kaffee für 2,50 Euro, während ihre Tochter im Vorschulalter nicht weit entfernt über die Rollenrutsche hinab rattert, von der Galerie auf eine weiche Matte. Schon hat die Kleine ihre Mutter wieder im Blick und fühlt sich sicher. Die Mutter lässt ihren Blick über den Tresen schweifen, sie sucht eine Spendendose: „Ich komme aus Schwachhausen. Mir geht es gut, aber bei uns im reichen Stadtteil gibt es so etwas nicht. Für solche Angebote müssen wir sonntags in die Vahr. Ich würde gerne etwas spenden.“ Mit ihrem Wunsch ist sie nicht alleine, sagt Anne vom Betreuungsteam, die weiß, dass die Werkstatt eine „Spendendose“ in Auftrag hat.

Das Betreuungsteam, das sind Greta, Erkan, Joana, Gülsün, Fatima und Anne – es bleibt bei den Vornamen, die können sich auch die Kinder merken. Anne ist die Hauptamtliche, sie zählt per Strichliste die Erwachsenen und die kindlichen Besucherinnen und Besucher und ist für alle Probleme ansprechbar. Vier auf Honorarbasis oder gegen Aufwandpauschale Beschäftigte betreuen die Spielangebote an den Tischen oder initiieren auch mal eine Polonaise durch den Saal, wenn die Stimmung abebbt. Einer der Sechs hat immer Tresendienst. Und dann gibt es ein siebtes Teammitglied, das nie zu sehen ist. Ein Mitarbeiter der Bürgerzentrums-Werkstatt baut vorher alles auf, von Hüpfburg bis Tischtennis, von Kicker bis Bälle-Bad, von Schminkstation bis Niedrigseil, und nachher wieder ab.

Sutheepan steht mit seinem Sohn Aarush am Kicker. „Es steht fünf zu...“, sagt der Vater, doch Aarush ergänzt den Satz nicht, sondern sprintet dem Ball hinter, der jetzt gerade aus dem Tisch gehüpft ist. Draußen würden sie kaum so ausdauernd miteinander spielen. Es scheint zwar die Sonne, aber die Hände wären klamm, und der Ball längst dreckig.

Die beiden sind – wie viele andere – Stammgäste in der Vahrmilie. Laut der Strichliste sind bis jetzt, also in den ersten eineinhalb Stunden dieses Termins, bereits deutlich über hundert Besucherinnen und Besucher gekommen. Das ist eine durchschnittliche Zahl, mit der das Team zufrieden ist. Angefangen hat die Vahrmilie einmal im Foyer des Bürgerzentrums, wo es Kaffee vom kleinen Tresen gab und beengten Platz zum Spielen.

Bald kam der Sportraum des Bürgerzentrums zum Spielen mit dazu. Das trennte Kinder und Eltern, und die Besucherzahlen gingen zurück. Seit der Saal genutzt wird, steigen die Besucherzahlen, und über den Andrang an einem Novembersonntag, als 280 Besucher gezählt wurden, sagt das Team, das sei an der Grenze gewesen.

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