50 junge Erwachsene vom Schulzentrum Alwin-Lonke-Straße erarbeiten ein Konzept für die Zukunft des Internets

Goldene Regeln für die digitale Welt

Wie soll das Internet 2020 aussehen? Rund 50 Berufsschüler in Grambke entwickeln in einem Workshop goldene Regeln für eine couragierte digitale Welt.
11.02.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Iris Messerschmidt
Goldene Regeln für die digitale Welt

Johannes Müller (19) nutzt zur Sicherheit falsche Angaben. MES

Iris Messerschmidt

Wie soll das Internet 2020 aussehen? Rund 50 Berufsschüler in Grambke entwickeln in einem Workshop goldene Regeln für eine couragierte digitale Welt.

„Das Internet ist viel gefährlicher, als man glaubt.“

Grace Musema (20), Michelle Käting (18), Lamia Ramadan (19) und Kimberly Grimm (18) sitzen in einem kleinen Raum am Alwin-Lonke-Schulzentrum und arbeiten an ihrer Aufgabe: „Welche Spielregeln müssen wir heute für das Internet von morgen entwickeln?“ Die jungen Frauen sind nur vier von insgesamt rund 50 jungen Erwachsenen, die an diesem Kooperations-Workshop der Bremischen Landesmedienanstalt, dem Sercivebureau Jugendinformation und der Initiative „Zeig Zivilcourage“ im Rahmen des „Safer Internet Day“ teilnehmen.

„Wir haben früher schon mit jüngeren Schülern Projekte erarbeitet. Dieses Mal wollten wir junge Leute fragen, die schon mehr im Leben stehen“, schildert Sven Petersen von der Bremischen Landesmedienanstalt. Die Berufsschüler ab 16 Jahren sollten erarbeiten, wie sie sich die digitale Welt im Jahr 2020 vorstellen.

„Wenn wir das Internet sicherer gestalten wollen, dann müssen wir uns an die Personen wenden, die wie selbstverständlich damit umgehen“, ist sich auch Markus Gerstmann vom Service Bureau Jugendinformation sicher. „Wir betreiben mit diesem Tag Aufklärung über die Gefahren des Internets, bieten aber gleichzeitig die Chance, bei der Entwicklung der sichereren Nutzung auch erste berufliche Chancen zu entdecken“, blickt Markus Gerstmann voraus.

Die jungen Menschen sollten – nach dem Modell „Zeig Zivilcourage“ – sechs goldene Regeln für den Umgang mit dem Internet erstellen. „Mir erscheint das absolut sinnvoll“, macht die 25-jährige Janina Thölken deutlich. Ihr Hinweis auf Werbe-Aktionen im Radio oder im Fernsehen, in denen eine Mutter ihrer Tochter über Twitter Nachrichten zukommen lässt, oder der liebe Onkel an der Haustür klingelt und dem kleinen Mädchen mal einen Hasen zeigen möchte, „sind doch die Aktionen, die den Menschen im Gedächtnis bleiben“.

Entwicklung eingängiger Slogans

Bevor sich die Schüler in kleinen Gruppen an die Entwicklung eingängiger Slogans machten, gab es zunächst etwas zum Nachdenken für alle. Wie gläsern der Mensch schon längst geworden ist, zeigte sich nicht nur anhand entsprechender Suchseiten: einfach den Namen eingeben und schon werden persönliche Daten, Fotos, Verhaltensmuster, Freunde, Familie und sogar genutzte Internet-Anbieter mit entsprechender IP-Adresse angezeigt. Damit nicht genug.

Markus Gerstmann setzte nach. Technische Visionen, die schon längst vorhanden sind: „Beispielsweise Boxen, die zu Hause aufgestellt werden und über die Sprache meine Wünsche erkennen sollen“, macht er deutlich. Doch was dem Krimifan etwa auf der Basis seiner Lesegewohnheiten die neue Erscheinungen präsentiert, könnte laut Gerstmann Folgen haben: „Wird mir dann nach einem Streit mit meiner Frau als nächstes ein Buch für den harmonischeren Umgang in einer Partnerschaft präsentiert?“, lautete seine provokante Frage.

Für die Teilnehmer durchaus ein Grund, das eigene Verhalten im Internet genauer zu beleuchten. „Ich habe mir nie große Gedanken gemacht, habe sogar hobbymäßig gemodelt. Früher haben die Fotografen meine Fotos verlinkt, das erlaube ich jetzt nicht mehr“, erzählt die 22-jährige Sophia Ikpoh. Johannes Müller (19) nutzt schon lange das Internet für sich. Er weiß, „es ist schwierig, Regeln für das Internet aufzustellen. Was einmal im Netz ist, das bleibt.“ Da hat er sich schon angepasst, gibt beispielsweise keine genauen Daten oder einen geänderten Namen in seiner Mail-Adresse an.

„Was wir auf keinen Fall verlieren dürfen, sind unsere handwerklichen Fähigkeiten und unsere Kompetenzen“, blickt Sophia Ikpoh in die Zukunft. Zwar könne man viel über das Internet erledigen, aber Wissen stehe so auch jedem zur Verfügung. „Wir dürfen uns darauf aber nicht ausruhen. Nicht, dass wir eines Tages wie im Film „Wall-E“ nur im Stuhl sitzen und alles über Computer abwickeln.“

Auch für die 17-jährige Jacqueline Ebner ist die Kontrolle der eigenen Verhaltensweisen im Umgang mit dem Internet wichtig. „Gerade mit Blick auf den Arbeitsmarkt. Als Deutsche haben wir auch im Ausland einen guten Ruf, was unsere Arbeit angeht. Das möchte sich durch falsche Handhabung im Internet sicher niemand kaputt machen“, sagt Sophia Ikpoh.

Die Ideen-Sammlung der jungen Erwachsenen wurde im Übrigen durch Norbert Kunze (Zeig Zivilcourage), Markus Gerstmann, Katrin Prüser, Jugendschutzbeauftragte bei der Senatorin für Bildung, Kommunikationsdesignerin Judith Hagedorn sowie Edina Medra von der Bremischen Landesmedienanstalt bewertet. Die besten Ideen werden prämiert, weiter konkretisiert, Logos und Plakate werden entwickelt.

Infos und Ergebnisse unter www.zeig-courage.de, www.bremische-landesmedienanstalt.de und www.servicebureau.de.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+