Bewegendes Thema Gottesbilder in der Egestorff-Stiftung

Malgruppe der Senioren-Werkstatt in Bremen-Tenever präsentiert neue Werke
01.07.2018, 08:04
Lesedauer: 3 Min
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Von EDWIN PLATT

Es ist ein bewegendes Thema. Michelangelo hat den Gottvater an die Decke der Sixtinischen Kapelle gemalt, und 500 Jahre später sind in der Weserburg neue christliche Vorstellungen von Gott auf Leinwand fixiert. Die Bibel sagt bei Mose und im ersten Gebot, dass der Mensch sich kein Bild von Gott machen solle. Sowohl die Ausstellung in der Weserburg „Was Bilder erzählen“ um göttliche und christliche Vorstellungen, an der sich die Malgruppe der Seniorenwerkstatt beteiligte, wie Darstellungen Michelangelos waren für die Osterholzer Malerinnen und Malern Inspiration zu eigenen Gottesbildern.

Die freie Künstlerin Ulrike Schulte, die die Gruppe seit vielen Jahren anleitet, hatte Vorgaben wie Blindzeichnen, Malen mit der linken Hand, ein quadratisches Format von 60 mal 60 Zentimetern, mit einem Rahmen innerhalb des Formats, und Acrylfarben gemacht.

„Wie kann ich das darstellen“, war vielleicht die vordergründige Frage während der ersten Arbeitsstunden der Gruppe, denn ein Gottesbild auf Leinwand zu bringen heißt, sich seiner persönlichen Position zu Gott bewusst zu sein oder zu werden. Zentrales Darstellungsthema einiger Akteure wurde denn auch der Schöpfungsakt. Zudem fällt auf, dass der überwiegende Teil der Bilder große Anteile Blau, ja Himmelblau, enthält, wenn auch zwei Bilder sonnengelb strahlen.

Viel Himmelblau

Hlrike Schulte hatte den Malerinnen und Malern den Spruch „Wenn Dreiecke einen Gott hätten, würden sie ihn mit drei Ecken ausstatten“ von Charles-Lois Baron de Montesquieu, französischer Philosoph (1689-1755), mit auf den Weg gegeben und Michelangelos Darstellungen, die zu zeichnen waren. Es heißt, Gott habe den Menschen nach seinem Vorbild geschaffen. Aber entspricht meine Gottesvorstellung diesem alten Mann mit Rauschebart, wie er häufig dargestellt ist, oder ist Gott doch eher eine Frau oder hat sich Gott mir in unvergessenen Situationen einmal gezeigt oder war er mir durch den Tod eines nahen Angehörigen nahe, und wie banne ich das auf Leinwand?

Zur Melodie von „Freude schöner Götterfunken“ sangen die Malerinnen und Maler anlässlich ihrer Ausstellungseröffnung: „Freude an der Schöpfung haben – Freude am Lebendigsein. An Naturen vielgestaltig – Tiere, Pflanzen und Gestein. Was auch immer das geschaffen – staunend stehen wir davor und sind Teil davon und machen – Bilder uns und sing’n im Chor“.

Das erste Bild dieses Projekts, eine Gemeinschaftsarbeit der elf Malenden, zeigt auf himmelblauem Grund Menschliches in Teilen. Ein Ohr, eine Wirbelsäule, eine Hand, einen Fuß, zerlegt in Segmente, auch eine Hand mit Pinsel, ein weiblicher Torso finden sich da. Eva Bechert zeigt einen melancholischen Gott, freischwebend über dunklem Grund, aber von Eva gehalten, angesichts menschlicher Zerstörung seiner Schöpfung. Hinter Vorhängen verborgen hat Bechert ihren Rahmen im Format gefüllt. Versöhnung könnte man es nennen, was unter anderem die Umarmung eines Juden mit einem Muslim darstellt. Die Dreifaltigkeit wird zum Thema und stellt einen indischen Buddha ins Zentrum. Naturgewalten des Meeres, von Gott im Himmel beschworen, lassen den Menschen staunen. Eher eine Collage als ein Bild trägt den Text „Ich bin vom selben Stern wie du“ und lässt einen Gott von hinten erkennen, der auf Wattewolken durchs Universum schwebt.

Ein Bild mit Grabsteinen kündet von Geburt und Tod des Lazarus. Ein kreisender Kosmos mit weißem Zentrum reißt Federn, Hände, Symbole wie Puzzleteile mit sich. „Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde“, ein kleiner Bibeltext der Genesis ergänzt den Kopf, der zwei Gesichter trägt.

Zwischen den farbigen Bildern finden sich immer wieder Zeichnungen die blind oder mit links gezeichnet nach 500 Jahre alten Vorgaben von Michelangelo-Darstellungen entstanden sind. Viel Anregendes zeigt die neue Ausstellung im Glasgang der Egestorff-Stiftung, zu der noch vieles gesagt werden könnte.

Die Malgruppe wird sich auch am kommenden Projekt „Mensch Cindy“ von Quartier gGmbH, zu Fotos von Cindy Sherman, beteiligen. Die nächste Ausstellung der Malgruppe in der Egestorff-Stiftung wird im Herbst, am 8. Oktober, eröffnet und hat die Darstellung von heimischen Tieren zum Inhalt.

Weitere Informationen

Kontakt zur Seniorenwerkstatt in der Egestorff-Stiftung über Sozialpädagogin Veronika Wehr, Stiftungsweg 2, Telefon: 42 72 114, E-Mail: wehr@egestorff.de, Kursleitung der Malgruppe: Ulrike Schulte.

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