Was auf dem Riensberger Friedhof unter Denkmalschutz steht, wird durch Patenschaften erhalten Grabstein zu vergeben

Die Grabsteine auf dem Riensberger Friedhof sind teilweise mehr als 150 Jahre alt und stehen unter Denkmalschutz. Seit einigen Jahren können sie übernommen werden, sollte die Grabstelle herrenlos geworden sein. Patenschaften für Grabdenkmäler – ein Projekt mit doppeltem Nutzen.
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Grabstein zu vergeben
Von Jürgen Hinrichs

Die Grabsteine auf dem Riensberger Friedhof sind teilweise mehr als 150 Jahre alt und stehen unter Denkmalschutz. Seit einigen Jahren können sie übernommen werden, sollte die Grabstelle herrenlos geworden sein. Patenschaften für Grabdenkmäler – ein Projekt mit doppeltem Nutzen.

Albert Dunkel, gelebt hat er von 1856 bis 1905, und als er tot war, haben sie ihm auf dem Riensberger Friedhof ein Grabmal gesetzt. Gedenken an einen Mann, der in der Stadt Spuren hinterlassen hat. Als Baumeister entwarf Dunkel unter anderem die Bremer Bank am Domshof. Seine Grabstätte ist heute genau genommen nur noch der alte Stein, die Einfassung hat die Friedhofsverwaltung beseitigt, nachdem die Nachkommen das Grab aufgegeben hatten. Albert Dunkel – Stein und Inschrift, die unter Denkmalschutz stehen, werden ewig an ihn erinnern. Auch dann noch, wenn das Grab von einer anderen Familie als Begräbnisstätte genutzt wird, denn das ist der Gedanke: Erhalt von Grabdenkmälern, die dafür einen neuen Besitzer bekommen. Irma Gerken nennt das Patenschaften, sie hat Erfolg damit.

Die Leiterin des Riensberger Friedhofs hat bislang annähernd 50 solcher Patenschaften vergeben. Albert Dunkel, sein Stein und die Inschrift, ist noch zu haben. „Schauen Sie“, zeigt Gerken auf die Details, „Ornamente mit Motiven aus der Natur, der Ansatz eines Freimaurer-Zeichens und dort, ein Stundenglas.“

Mehr als 150 Jahre alt

Irma Gerken ist die Verwalterin eines Friedhofs, genauso bewirtschaftet sie aber auch einen Park, denn das ist der Riensberger Friedhof, ein Park – 30 Hektar, 1500 Bäume und 12 000 Grabstellen, die viel von Kultur und Geschichte erzählen. Die ältesten Steine sind mehr als 150 Jahre alt, älter als der Friedhof selbst, der 1875 in Betrieb genommen wurde. Einige Gräber sind damals nach Riensberg umgezogen, raus aus der Stadt, weil die Friedhöfe dort geschlossen wurden.

Es sind Denkmäler und Schmuckstücke zugleich, die für die Paten zur Auswahl stehen. Ein Stein, aus dem ein großes Kreuz herauswächst, „sehr speziell“, findet Gerken, „das Glaubenssymbol ist für ein Grabmal ungewöhnlich dominant“. Der Stein ist weißer Marmor, die Ornamente zeigen Ranken vom Efeu – immer grün, ewiges Leben.

Familie Kayser hat sich vor 100 Jahren für ein Grabmal entschieden, das zu der Zeit ultramodern war. Ein Stein aus Muschelkalk, kantig und mit Durchbrüchen. Gerken: „Man schaut sozusagen auf die andere Seite.“ Bohrlöcher verraten, dass Blumenschalen angebracht waren, aus Kupfer oder Bronze, vermutet die Friedhofsleiterin. Aus Metall, Beute von Dieben.

Wer sich bei diesem Stein für eine Patenschaft entschließt, darf den Namen entfernen. Er hat anders als bei Albert Dunkel keine Bedeutung für die Stadtgeschichte und wird als Inschrift nicht geschützt. „Der Sanierungsbedarf ist in diesem Fall relativ gering“, schätzt Gerken, „und ob man wieder Schalen anbringt, liegt im Ermessen der Paten.“

Rund 30 Grabsteine sind zurzeit im Angebot. Der Entscheidung, für einen von ihnen die Patenschaft zu übernehmen, gehen in der Regel mehrere Schritte voraus. „Zunächst muss geklärt werden, welche Bestattungsform an der Stelle möglich ist“, erklärt die Friedhofsleiterin. Dann geht es um die Kosten. Wie für alle anderen Gräber auf dem Friedhof, muss eine Pacht bezahlt werden, die sich nach der Größe bemisst. Oben drauf kommt das Geld für Restauration und Pflege des denkmalgeschützten Grabsteins. Und wenn alle Daten gesammelt sind, berät meist noch einmal die gesamte Familie. „Das ist eine sehr persönliche Angelegenheit“, sagt Gerken, „das muss passen.“ Sie hat Verständnis, sollte am Ende doch ein Nein stehen. „Überhaupt kein Problem.“

Dass es 30 Grabstellen sind, für die Paten gesucht werden, ist eine Momentaufnahme. In der Tendenz werden es immer mehr, „leider“, bedauert Gerken. „Viele ältere Herrschaften geben die Grabstelle ihrer Familie zurück, weil sie befürchten, dass es später mit der Pflege nicht mehr klappt.“ Der Sohn in München, die Tochter in Dublin, wer soll sich kümmern? „Ich finde es schade, wenn so eine Entscheidung getroffen wird, ohne vorher mit uns geredet zu haben“, sagt die Friedhofsleiterin. Man könne zum Beispiel über eine Umgestaltung nachdenken, Rasen statt Rabatten, die pflegeleichte Variante. Alternativen gebe es auch bei der Finanzierung.

Ein Fall, der früher für Verdruss gesorgt hat, ist mittlerweile ausgeschlossen – dass eine Familie, die ihre denkmalgeschützte Grabstelle aufgibt, sie mitsamt des Steines beseitigen lässt. Heute gilt: Entweder das Grabmal stehen lassen und es unentgeltlich möglichen Paten überlassen – oder den Stein mit nach Hause nehmen.

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