Vegesacker Hafen: Planer wollen massive Eingriffe vermeiden Gratwanderung beim Hochwasserschutz

Bremen-Nord. Die Verbesserung des Hochwasserschutzes für Bremen ist in vollem Gang. Seit dem vergangenen Jahr wird die Deichlinie von Rekum aus weseraufwärts erhöht. Für einige neuralgische Punkte wie den Vegesacker Hafen gab es bisher keine technischen Lösungen.
04.05.2010, 05:24
Lesedauer: 3 Min
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Gratwanderung beim Hochwasserschutz
Von Jürgen Theiner

Bremen-Nord. Die Verbesserung des Hochwasserschutzes für Bremen ist in vollem Gang. Seit dem vergangenen Jahr wird die Deichlinie von Rekum aus weseraufwärts erhöht. Für einige neuralgische Punkte wie den Vegesacker Hafen gab es bisher keine technischen Lösungen. Das ändert sich gerade, ein Stader Ingenieurbüro hat entsprechende Vorschläge unterbreitet.

Auftraggeber der Studie ist die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB), denn bei den zehn problematischen Zonen innerhalb des Stadtgebiets handelt es sich ganz überwiegend um außendeichs gelegene Gewerbegebiete. Und dieser Umstand birgt neben der technischen Herausforderung auch finanzielle Unwägbarkeiten. Der Bund beschränkt seine Zahlmeisterrolle grundsätzlich auf die 'normalen' Deichabschnitte. Bei den Außendeichsflächen sind zunächst die privaten Inhaber gefragt. Ob sich der Bund im Zuge von Verhandlungen doch zu einem anderen finanziellen Arrangement bereit findet, ist nach Angaben von WFB-Abteilungsleiter Hans-Peter Czellnik noch völlig offen.

Unter den technischen Lösungen, die für problematische Punkte in Bremen-Nord gefunden werden müssen, ragt der Bereich des Vegesacker Hafens heraus. 'Das Einfachste wäre es, eine drei Meter hohe Mauer drum herum zu ziehen. Aber das will natürlich keiner', weiß Czellnik. Denn dann wäre das touristische Herzstück des Mittelzentrums verschandelt.

Die Pläne des Ingenieurbüros Grontmij IHP sehen nun vor, auf die Flutschutzanlagen entlang der vorhandenen Deichlinie fast durchgängig einen Meter 'draufzupacken'. Das heißt: Vom Fähranleger her, hinterm Kito entlang und weiter Richtung Norden sind die Spundwände und Rolltore entsprechend zu erhöhen. Bei der Treppenanlage am Kopf des Hafens halten die Fachleute eine weitere Stufe von 50 Zentimetern für ausreichend. Entlang des Haven Höövt müssten die vorhandenen Treppendurchgänge verschlossen werden. Südlich des Einkaufszentrums bis hinunter zur Wohnanlage 'Vier Deichgrafen' würde die Treppenanlage durch unterspülungsgesicherte Fundamente zur Deichlinie ausgebaut (siehe Grafik).

Der Vorschlag der Stader Ingenieure hat den Charme, dass das Ortsbild nicht gravierend verändert würde. Der Bereich der Gastro-Meile zwischen 'Goden Wind' und 'Grauer Esel' bliebe allerdings außerhalb der Deichlinie. Die dortigen Häuser verfügen zum Teil über eigene Objektschutzvorrichtungen. Ist es sinnvoll, auch diese Anlagen auszubauen? Die technische Machbarkeit wird zurzeit geprüft, aber Hans-Peter Czellnik hat seine Zweifel, und auch die Gastronomen sind offenbar eher skeptisch. So hat beispielsweise der Eigentümer des 'Goden Wind' laut Czellnik bereits abgewinkt.

Weniger kompliziert gestaltet sich die Planung bei den übrigen von der WFB erfassten Punkten, etwa beim früheren Spinnbau-Gelände in Farge. Dort gibt es zurzeit überhaupt keine Hochwasserschutzvorrichtungen. Nach Angaben des Ingenieurs und früheren Hafenamtsleiters Wolfgang Meyer, der für die WFB die Planungen betreut, ist dort eine Spundwand vorgesehen, die einen halben Meter über Geländehöhe verlaufen soll. Das benachbarte Areal des Wasser- und Schifffahrtsamtes bleibt außen vor. Ein weiteres Planungsobjekt von WFB und Grontmij IHP ist das Gewerbegebiet westlich des Rönnebecker Hafens. Dort müssten die vorhandenen, privaten Deichanlagen auf 3,50 Meter über Geländeoberkante erhöht werden. Auf Höhe des Vulkan-Geländes kann man die vorhandene Deichlinie nach Meyers Einschätzung praktisch übernehmen und auf ganzer Länge um einen Meter aufstocken.

Die vorliegenden Pläne sollen nun in den kommenden Monaten weiter verfeinert und bis ins vierte Quartal behördenintern abgestimmt werden. Auf ihrer Grundlage muss der Senat Anfang 2011 entscheiden, wie weiter verfahren werden soll. Als Zielmarke für einen durchgängig verbesserten Hochwasserschutz in Bremen gilt das Jahr 2025. Er ist Teil des 'Generalplans Küstenschutz', mit dem Bund und Länder die Folgen des Meerespiegelanstiegs in den Griff bekommen wollen.

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