Kot, Urin und Kondome auf dem Kita-Gelände Grenzen der Belastbarkeit sind erreicht

Die Grenze der Belastbarkeit ist auf dem Gelände des Kinder- und Familienzentrums „Im Viertel“ erreicht, nun soll Abhilfe geschaffen werden.
10.05.2019, 17:52
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Grenzen der Belastbarkeit sind erreicht
Von Sigrid Schuer

Muss das wirklich sein? Kerstin Buricke, Leiterin des Spielhauses auf dem Gelände des Kinder- und Familienzentrums Im Viertel an der Gleimstraße/Ecke Friesenstraße ist schon seit Langem frustriert. Regelmäßig „darf“ sie die Hinterlassenschaften der Jugendlichen beseitigen, die abends und am Wochenende auf der Steintreppe abhängen, die als Außen- und Flucht-Treppe zum Spielhaus führt. Und die Hinterlassenschaften sind ziemlich ekelerregend: Urin, Kot, Kondome, Drogenspritzen und zerschlagene Glasflaschen. Whisky- und Wodka-Flaschen werden kurzerhand in den liebevoll angepflanzten Beeten entsorgt.

Notbremse gezogen

Doch damit nicht genug: Wenn sie die Jugendlichen bitte, ihren Graskonsum zu reduzieren, werde sie auch noch angepöbelt. „Das sind Begegnungen, die wirklich nicht schön sind“, seufzt Kerstin Buricke resigniert. Die Nachbarschaft, die sonst wirklich sehr nett und wohlgesonnen sei, fühle sich außerdem durch die Beschallung mit lauter Musik und Randale gestört. Und Birgit Heise, die das Kinder- und Familienzentrum Im Viertel gemeinsam mit Kristine Rott-Lichtenstein leitet, unterstreicht: „Wenn man noch dazu bedenkt, dass die Kindergartenkinder die Treppen und das Treppengeländer anfassen. Das ist besonders peinlich, wenn hier Kinder in der Eingewöhnung sind.“ Da die Tore zum Spielplatz an der Friesenstraße und Gleimstraße abends abgeschlossen werden, würden die Jugendlichen einfach über die Mauer klettern. Der Vorschlag, auf die Mauer noch einen Zaun zu setzen, sei bereits vor mehr als sieben Jahren von Wolfgang Bulling, dem damaligen Initiativberater des Amtes für soziale Dienste, abschlägig beschieden worden.

Die Leiterinnen des Kinder- und Familienzentrums Im Viertel und des Spielhauses schilderten diese Zustände in der letzten Sitzung vor der Bürgerschaftswahl des Fachausschusses Bildung, Kinder und Jugend des Beirates Östliche Vorstadt bei einem Ortstermin in den Räumlichkeiten des Kinder- und Familienzentrums. Jetzt haben sie die Notbremse gezogen: Die besagte Treppe wird von Immobilien Bremen mit einer Stahlkäfig-Konstruktion eingezäunt und abgeschlossen. Die Grünen-Politikerin Alexandra Werwath unterstrich denn auch: „Wenn die Freiheit missbraucht wird, dann muss da schon gegengesteuert werden.“

Lesen Sie auch

Die Mitglieder des Ausschusses wunderten sich auch, weshalb angesichts der begrenzten Platzverhältnisse auf dem Spielplatz, auf dem es immer wieder zu Interessenkonflikten kommt, der Spielplatz am Mecklenburger Platz so verwaist ist. Auch darauf hatte Kerstin Buricke eine Antwort: Obdachlose, Alkohol, Zigaretten und Kinder, das würde eben nicht zueinander passen. Die SPD-Politikerin Bianca Wenke schlug als Ausweichmöglichkeit für die Jugendlichen die Post vor, die am 25. Juni in der Brunnenstraße schließen wird. Das traf auf allgemeine Zustimmung. Denn auch das Jugendfreizeitzentrum Friese würde sich nicht für alle Jugendlichen eignen. Ins Spiel für eine Begegnungszone für die Jugendlichen wurde aber auch der Ziegenmarkt gebracht, den allerdings die Drogendealer-Szene inzwischen für sich erobert hat. Alexandra Werwath merkte an, dass in Bremen einfach Bolz- und Basketballplätze fehlen würden. Kristine Rott-Lichtenstein plädierte dafür, die Jugendlichen an dem Findungsprozess zu beteiligen.

Im Sommer überfüllt

Eigentlicher Anlass für den Ortstermin war jedoch die Besichtigung des relativ kleinen Areals des Spielplatzes, der besonders in der warmen Jahreszeit förmlich überfüllt ist. „Das ist in den Sommermonaten schon sehr herausfordernd. Oft sind hier mehr Erwachsene als Kinder auf dem Platz. Wir möchten auch einmal für uns sein, um hier ein Planschbecken aufzubauen oder zu grillen, ohne dass gleich der ganze Stadtteil dabei ist und teilhaben will. Aus diesem Grund hätten wir hier gerne eine grüne Hecke als visuelle Abgrenzung. Denn ein geschützter Rahmen ist hier nicht mehr vorhanden“, betonte Rott-Lichtenstein. „Denn gerade die ganz kleinen der rund 200 Kinder, die wir hier betreuen, sind hier oft auf der Suche nach ihren Bezugspersonen.“ 160 von ihnen besuchen alleine das Kinder- und Familienzentrum Im Viertel, dazu kommen dann noch die Kinder der Hortgruppe der Grundschule an der Schmidtstraße.

Lesen Sie auch

Nun haben die Leiterinnen des Kinder- und Familienzentrums bei den Umweltbetrieben Bremen einen Antrag auf einen Kostenvoranschlag gestellt, der jetzt vorliegt und sich auf 4904 Euro beläuft. „Das können wir aus unseren Mitteln unmöglich alleine stemmen“, so ihr Fazit. Doch genau das hatte Kita Bremen gefordert. Denn über die Baustelle hinaus, die durch das Anpflanzen der Hecke entstünde, müsse sie ja auch noch gepflegt werden. Deshalb plädieren die Mitglieder des Bauausschusses für ein „Allemann-Manöver“. So schlugen sie vor, verschiedene Töpfe anzuzapfen. Geklärt werden müsse, ob es eher sinnvoll sei, Gelder aus dem Globalmittel- oder aus dem Stadtteilbudget-Topf zu beantragen. Und Armin Willkomm vom Ortsamt Mitte hat bereits die Spielraum-Planung kontaktiert und versprach, auch noch einmal mit dem Bauausschuss zu sprechen. Bis sich die neugewählten politischen Gremien konstituiert haben, über die Vergabe der finanziellen Mittel entschieden ist und die Hecke dann angepflanzt werden kann, wird es ohnehin Herbst werden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+