Sängerin Nihan Devecioglu und ihre Begleiter bescheren den Gästen ein emotionales Konzert

Grenzenlose Begeisterung

Bremen sei eine bunt gemischte, menschenfreundliche Stadt, lautete das Lob von Cemal Kocas vom Haus für unsere Freundschaft in der Godehardstraße. Mit ihm teilten alle Besucherinnen und Besucher eine nahezu grenzenlose Begeisterung für das vorausgegangene Konzert der Sängerin Nihan Devecioglu und des Gitarristen Julien Chanal.
19.10.2014, 00:00
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Von Christiane Tietjen
Grenzenlose Begeisterung

Sängerin Nihan Devecioglu aus Istanbul und Gitarrist Julien Chanal aus Barcelona (rechts) gestalteten gemeinsam mit Cemal Kocas im Haus für unsere Freundschaft ein leidenschaftliches und berührendes Konzert in der Integrationswoche.

Petra Stubbe

Bremen sei eine bunt gemischte, menschenfreundliche Stadt, lautete das Lob von Cemal Kocas vom Haus für unsere Freundschaft in der Godehardstraße. Mit ihm teilten alle Besucherinnen und Besucher eine nahezu grenzenlose Begeisterung für das vorausgegangene Konzert der Sängerin Nihan Devecioglu und des Gitarristen Julien Chanal.

Zart, groß gewachsen, ganz unglamourös in langer schwarzer Hose und weinroter Bluse, aber mit einer unglaublichen Präsenz – das ist Nihan Devecioglu. Die am Mozarteum in Salzburg ausgebildete Konzert- und Opernsängerin lebt in Istanbul. Mit ihrem Faible für orientalische und türkische Musik und ihrer inspirierenden Stimmimprovisation war sie bestens geeignet, einen türkisch-deutschen Abend zu einem musikalischen Highlight zu machen. An ihrer Seite der aus Frankreich stammende, in Barcelona lebende Gitarrist Julien Chanal.

Eingeladen hatte Helmut Hafner von der Senatskanzlei, der die junge Frau schon seit acht Jahren kennt. Er beschreibt, wie er sie das erste Mal in einem Konzert erlebt hat: So eine schöne Musik habe er noch nie gehört, sagt er, und so war es ihm zu verdanken, dass bei dem Konzert in Hemelingen noch mehr Menschen in den Genuss dieser Stimme kamen. Und beisammen saßen bei einer Musik, die wahrhaft die Grenzen der Sprache unwichtig macht.

Ganz familiär, in dem relativ kleinen Saal des Hauses für unsere Freundschaft in der Hemelinger Godehardstraße, mit einer Stärkung zuvor, bei türkischen Spezialitäten zu kleinen Preisen am Buffet des Hauses. Sängerin und Gitarrist hatten am Vormittag bereits das offizielle Kulturprogramm der vierten Bremer Integrationswoche im Rathaus eröffnet, und jetzt wartete man gespannt auf die Musik.

Woher diese Stimmgewalt Nihan Devecioglus und auch ihre ganz leisen, kaum wahrnehmbaren Töne kamen, vermochte niemand zu sagen, es war wie Zauberei und ließ keinen der Zuhörer unbeeindruckt. Manche ihrer Stücke hatten folkloristische Züge, dem Ort angemessen. Und so war es ganz selbstverständlich, dass Nihans Landsleute an manchen Stellen mitsangen. In einfache Melodien, die nicht viel Textkenntnisse erforderten, stimmten auch die deutschen Zuhörerinnen und Zuhörer mit ein.

Atemlos aber lauschte man den musikalischen Erzählungen und Chansons der Sängerin, die sie mit Zärtlichkeit, Wehmut, Leidenschaft und Hingabe interpretierte. Ein ganz gefühlvolles Gitarrenspiel beherrscht auch ihr Begleiter Julien, der zwar äußerst virtuos war, sich aber nie nach vorn drängte. Mit Blicken und einem Lächeln fanden sich die sensiblen Interpreten immer wieder nach stimmlichen Einzelausflügen zusammen, so dass das Konzert zu einem musikalischen Hochgenuss wurde.

Erweitert noch vom Vortrag des Gastgebers, Cemal Kocas, mit Gesang und Saitenspiel auf der Baglama, einem lautenähnlichen Instrument. Als Solist trug er das kurdische Lied „Mino“ vor, das Klagelied einer Schwester, die um ihren im Widerstandskampf ums Leben gekommenen Bruder trauert.

In seiner Abschiedsrede bedankte sich Cemal Kocas mit bewegenden Worten, mit denen er das Bremer Kulturleben lobte als gutes Beispiel für die ganze Welt. Der Erlös des Konzerts sei bestimmt als Spende für das Flüchtlingswohnheim in Hemelingen, in dem man mit Büchern und Spielzeug den Kindern etwas Gutes tun könne.

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