Aktionstag in der Kunsthalle

Grenzenlose Kunst

Freier Eintritt und Führungen in mehreren Sprachen - mit dem Aktionstag „Kunst Unlimited“ will sich die Kunsthalle für jedermann öffnen. Auch und gerade für Flüchtlinge, die in Bremen leben.
18.03.2017, 18:39
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Grenzenlose Kunst
Von Ralf Michel
Grenzenlose Kunst

Diskussion über den "Mandolinenspieler" von Anselm Feuerbach: Senaa Al-Khaffaji (links), Bea Rademacher und eine Gruppe syrischer Flüchtlinge.

Frank Thomas Koch

Freier Eintritt und Führungen in mehreren Sprachen - mit dem Aktionstag „Kunst Unlimited“ will sich die Kunsthalle für jedermann öffnen. Auch und gerade für Flüchtlinge, die in Bremen leben.

„Kunst Unlimited“ ist dieser Tag in der Kunsthalle überschrieben und die unbegrenzte Kunst beginnt schon draußen vor der Tür. Auf der Treppe zum Eingang stehen zwei Kästen mit bunter Kreide. Gedacht wohl vor allem für die jüngeren Besucher des Hauses. Doch neben kindlichen Zeichnungen zeigt die eine oder andere Botschaft, dass mit Kreide auf Treppen zu malen oder zu schreiben durchaus auch was für Größere ist: „Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit“ ist dort zu lesen.

Und ein in Richtung Weserstadion vorbeiziehender Leipzig-Fan nutzte die Gelegenheit, den Namen seines mit Herzchen versehenen Lieblingsvereins zumindest bis zum nächsten Regen mitten in Bremen zu verewigen.

Führungen in mehreren Sprachen

„Wir wollen unser Haus für alle öffnen, Schwellenängste abbauen und möglichst viele Menschen ans Museum heranführen“, erklärt der Direktor der Kunsthalle, Christoph Grunenberg, die Idee hinter dem Aktionstag, der am Sonnabend bereits zum dritten Mal angeboten wurde.

Kunst Unlimted Aktion in der Bremer Kunsthalle -

Auch am Sonnabend wieder ein Besucher-Magnet: die dritte Auflage von "Kunst Unlimted" in der Kunsthalle.

Foto: Frank Thomas Koch

Um sprachliche, finanzielle und gesellschaftliche Grenzen zu überwinden, ist der Eintritt frei und es werden Führungen in mehreren Sprachen angeboten. Zum Beispiel auf Syrisch. Bea Rademacher steht vor einem Bild von Anselm Feuerbach.

Ein Mann musiziert, vor ihm eine Frau mit einem Kind auf dem Arm – „Der Mandolinenspieler“. Die Kunstführerin erzählt die Geschichte des Bildes. Dass der Mann mit der Mandoline Feuerbach selbst ist und die Frau seine Geliebte, die Gattin eines Schusters aus einem Armenviertel Roms.

"Wir wollen unser Haus für alle öffnen und Schwellenängste abbauen“

Immer wieder unterbricht Bea Rademacher ihre Erklärungen. Sie gibt damit der Syrerin Senaa Al-Khaffaji Gelegenheit, die Erläuterungen zu übersetzen. Zu der 16-köpfigen Gruppe, die an dieser Führung teilnehmen, gehören vier Flüchtlinge aus Syrien.

Seit gut einem Jahr leben die vier jungen Männer in Bremen, für drei von ihnen ist es der erste Besuch in der Kunsthalle, der vierte ist bereits zum zweiten Mal da. „Wir möchten die deutsche Kultur gerne kennenlernen“, sagt einer von ihnen. Und dass er auf jeden Fall wiederkommen wird.

Genau das ist es, was Christoph Grunenberg mit diesem Aktionstag erreichen will. Ein möglichst gemischtes Publikum ansprechen, langjährige Freunde der Kunsthalle ebenso wie neue Besucher. Und Flüchtlinge sind dabei ein Schwerpunkt.

Die Kunsthalle arbeite schon seit längerem mit Flüchtlingsorganisationen zusammen, erklärt er. Biete auch an anderen Tagen kostenlose Führungen für Gruppen an.

Kunst Unlimted Aktion in der Bremer Kunsthalle -

Eine Mischung, die bestens funktioniert: Acoustic-Soul aus Afrika und Bilder von Max Liebermann.

Foto: Frank Thomas Koch

Elombo Bolayela, SPD-Bürgerschaftsabgeordneter und am Sonnabend einer der Besucher, freut sich über dieses Engagement der Kunsthalle. „Kunst ist eine Brücke zwischen den Kulturen, sie kann dazu dienen, dass die Menschen einander näher kommen und die unterschiedlichsten Kulturkreise verbinden.“ Er hofft, dass viele andere Einrichtungen diesem Beispiel folgen.

„Wir wollen ein Willkommen schaffen“, sagt Kunsthallendirektor Grunenberg. „Und hoffen, dass diese Besucher später noch einmal kommen.“ Zumindest der erste Teil dieser Rechnung ging auf. Die Kunsthalle war am Sonnabend den gesamten Tag über gut besucht.

Im vergangenen Jahr zählten die Organisatoren fast 2000 Besucher. „Das ist für einen einzelnen Tag eine unglaubliche Zahl“, ordnet Grunenberg dies ein. Vergleichbar allenfalls mit dem Andrang in der „Langen Nacht der Museen“.

Regenschirm, Pinsel und vergoldete Klobürste

Dafür hatten die Organisatoren der Kunsthalle auf drei Etagen ein ebenso vielseitiges wie kreatives Programm auf die Beine gestellt. Wer wollte, konnte sich zum Beispiel wie der Sonnenkönig Ludwig XIV in Positur werfen und fotografieren lassen.

Wobei als Ersatz für Hermelin-Mantel, Krone, Schwert und Zepter freilich ein brauner Umhang, Regenschirm, Pinsel und vergoldete Klobürste herhalten mussten.

Außerdem im Angebot: zahlreichen Kurzführungen, Puppenspiel und Mitmachaktionen. Und nicht zuletzt auch jede Menge Musik. Und selbst dass direkt vor Max Liebermanns Bild „Papageienallee“ Pärchen zu den Takten von „Stand by me“ der Gruppe „Bakotessa Unplugged“ tanzen, ist an diesem Tag in der Bremer Kunsthalle möglich – „Kunst Unlimited“ eben.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+