Neue Pläne der Bildungsbehörde Größere Gruppen für Bremer Kitas

Zum Sommer werden nicht genügend neue Kitas rechtzeitig fertig, um alle Kinder aufzunehmen. Die Behörde will nun die Kindergartengruppen vergrößern, die maximale Gruppengröße soll auf 21 steigen.
10.05.2017, 19:01
Lesedauer: 3 Min
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Größere Gruppen für Bremer Kitas
Von Sara Sundermann

Die Bildungsbehörde will die Kita-Gruppen in Bremen vergrößern. In den Gruppen der Drei- bis Sechsjährigen soll die Zahl der Kinder um bis zu fünf Prozent steigen. Das geht aus einem Papier der Bildungsbehörde hervor, das dem WESER-KURIER vorliegt. Das bedeutet konkret: In Gruppen mit 20 Kindern soll ein 21. Kind hinzukommen.

Damit erfüllt sich eine Befürchtung von Eltern und Erzieherinnen, die bereits im Juni vergangenen Jahres vehement gegen größere Gruppen protestiert hatten. Schon jetzt seien die Kindergruppen in Kitas im Grunde zu groß, kritisieren Erzieherinnen insbesondere in Gebieten, wo viele Kinder Sprachförderbedarf haben.

Vor knapp einem Jahr hatten Vertreter des Bildungsressorts bereits angekündigt, Bremen werde eventuell auch auf größere Gruppen zu setzen, um alle Kinder unterzubringen. Damals hieß es noch, man wolle darauf nur im Notfall zurückgreifen. Nun zieht man in der Bildungsbehörde nach eigenen Angaben diese letzte Karte.

Bis zu 600 zusätzliche Plätze sollen entstehen

Durch größere Kindergruppen sollen in der Stadt bis zu 600 zusätzliche Kita-Plätze geschaffen werden, die sonst fehlen würden. Vor allem die Kinder, die noch nach dem Start des Kindergartenjahrs angemeldet werden, könne man ohne größere Gruppen nicht unterbringen, so die Befürchtung im Bildungsressort. Eine Alternative dazu gebe es nicht, heißt es in dem Behördenpapier: Wenn Bremen die benötigten Kita-Plätze nicht vorhalte, drohten unter Umständen Schadensersatzforderungen von Eltern. Es gibt einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, der zuletzt im vergangenen Oktober von Gerichten gestärkt wurde.

Programm soll auf drei Jahre begrenzt sein

Die Vergrößerung der Kindergartengruppen soll auf drei Jahre befristet sein. Damit will man die Zeit überbrücken, bis genug Kita-Neubauten fertig sind. Klar ist: Bremen hinkt beim Kita-Ausbau immer noch der Realität hinterher. Es ist jetzt schon absehbar, dass zum Start des kommenden Kindergartenjahrs im Sommer nicht ausreichend neue Kitas fertig werden.

Zuletzt wurde bekannt, dass auch manche der Containerkitas, die selbst schon ein Notprogramm sind, nicht rechtzeitig fertig werden. Die Kita-Krise im kleinsten Bundesland dauert schon lange an. Sie spitzte sich im Sommer vergangenen Jahres zu, als klar wurde, dass in Bremen Hunderte Kita-Plätze fehlen.

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Für die bis zu fünf Prozent größeren Gruppen sollen entsprechend bis zu fünf Prozent mehr Mittel für Personal an alle Kitas fließen. Darüber hinaus soll es einen Ausgleich für Kitas in benachteiligten Stadtteilen geben, weil diese vor allem bei der Sprachförderung und in der Elternarbeit vor besonders großen Herausforderungen stehen. Kriterium dafür, ob ein Gebiet als benachteiligt gilt, soll der Sozialindex sein, in den unter anderem einfließt, wie viel Arbeitslosigkeit, Migration, niedrige Einkommen und geringe Bildungsabschlüsse es gibt.

Der Ausgleich soll darin bestehen, dass Kitas in benachteiligten Gebieten eine zusätzliche halbe Stelle bekommen: Größere Einrichtungen sollen einen Sozialpädagogen einstellen können, kleinere sich im Verbund einen Sozialpädagogen teilen. Die Sozialpädagogen sollen die Erzieherinnen bei der Elternarbeit unterstützen. Zudem ist geplant, dass Einrichtungen in benachteiligten Gebieten einmalig 10 000 Euro pro Kita für Sachmittel bekommen. Mittel, die laut Bildungsbehörde zum Beispiel in die Vernetzung im Stadtteil, in Elterncafés oder die Übersetzung von Info-Material in verschiedene Sprachen fließen könnten.

Der Ausgleich für Kitas in benachteiligten Gebieten soll dem Papier zufolge insgesamt rund 2,3 Millionen Euro kosten. Das Geld dafür ist noch nicht vom Senat beschlossen. „Wir wollen die benachteiligten Stadtteile mitnehmen, deshalb kämpfen wir für die zusätzlichen Gelder für Sozialpädagogen und Sachmittel“, sagt Annette Kemp, Sprecherin der Bildungsbehörde.

Allerdings: Als benachteiligt eingestuft und gefördert werden sollen nur 56 Kitas in ganz Bremen. Insgesamt gibt es rund 400 Einrichtungen in der Stadt, davon etwa 320 Einrichtungen der Stadt und 80 Betreuungsangebote von Elternvereinen. Zusätzlich gefördert würde also etwa jede 6. bis 7. Kita. Zum Vergleich: Laut dem Nationalen Bildungsbericht sind bei fast jedem zweiten Kind in Bremen die Eltern entweder arbeitslos, von Armut betroffen oder haben einen niedrigen Bildungsstand.

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