Vorstandschef bestreitet Desinteresse an Hochhauskomplex / Bausenator will Dialog mit neuen Eigentümern Grohner Düne: Gewoba hat mitgeboten

Nach eigener Darstellung hat sich das städtische Wohnungsunternehmen Gewoba sehr wohl um den Kauf eines großen Teils der Grohner Düne bemüht, der kürzlich von dem Immobilienkonzern Grand City Property erworben worden war. Der bisherige Eigentümer habe sich in dem Bieterverfahren jedoch gegen die Gewoba entschieden. Bausenator Joachim Lohse (Grüne) sucht nun den Dialog mit den neuen Eigentümern.
20.03.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von JÜRGEN THEINERUND CHARLOTTE SCHUMACHER

Nach eigener Darstellung hat sich das städtische Wohnungsunternehmen Gewoba sehr wohl um den Kauf eines großen Teils der Grohner Düne bemüht, der kürzlich von dem Immobilienkonzern Grand City Property erworben worden war. Der bisherige Eigentümer habe sich in dem Bieterverfahren jedoch gegen die Gewoba entschieden. Bausenator Joachim Lohse (Grüne) sucht nun den Dialog mit den neuen Eigentümern.

Der Verkauf von 422 Wohnungen in der Grohner Düne steht seit gestern in einem neuen Licht da. Wie berichtet, hatte der bisherige Eigentümer Deutsche Wohnen AG das Immobilienpaket vor wenigen Wochen an Grand City Property weitergereicht. Nach Darstellung eines Brancheninsiders waren die Wohnungen auch der Gewoba angeboten worden, die jedoch nicht zugegriffen habe.

Die Gewoba hatte diese Darstellung am Dienstag noch unkommentiert gelassen. Gestern nun meldeten sich der Vorstandschef des Unternehmens, Peter Stubbe, und Senator Lohse als Aufsichtsratsvorsitzender in einer gemeinsamen Erklärung zu Wort. Kernaussage: Die Gewoba habe sehr wohl ihr Interesse am Kauf der 422 Wohnungen bekundet „und im Verfahren wiederholt mitgeboten“. Die Deutsche Wohnen AG habe parallel mit anderen Interessenten verhandelt. „Noch während der laufenden Ankaufsprüfung“, heißt es bei Stubbe und Lohse, habe sich die Deutsche Wohnen aber „überraschend für einen anderen Anbieter entschieden“. Lohse kündigte an: „Wir werden uns jetzt mit den Akteuren zusammensetzen, um über die weitere Entwicklung und die dafür notwendigen Schritte zu sprechen.“

Für die Linke in der Bremischen Bürgerschaft sind die Umstände des Eigentümerwechsels allemal erklärungsbedürftig. Sie hat für die nächste Sitzungswoche des Stadtparlaments eine aktuelle Stunde beantragt. Nach Ansicht der wohnungspolitischen Sprecherin der Linken, Claudia Bernhard, hat der Senat „die Chance verpasst, durch eine Rekommunalisierung die Voraussetzungen für ein neues Kapitel in der Quartiersentwicklung zu schaffen“. Bernhard sieht den Eigentümerwechsel in der Grohner Düne als Teil eines „Verkaufskarussells am Immobilienmarkt“, das in jüngster Zeit Fahrt aufgenommen habe. Bernhard: „Die großen Immobilienkonzerne müssen noch aufgenommene Kredite für Wohnbestände refinanzieren, die inzwischen deutlich an Wert verloren haben.“ Dieser Druck beschleunige die Geschäfte.

Vegesacks Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt hätte es begrüßt, wenn es zu einem Kauf der Grohner Düne durch die Gewoba gekommen wäre. Angesichts des häufigen Besitzerwechsels in den vergangenen Jahren sei aber nicht auszuschließen, dass sich schon bald eine neue Chance bietet. Wenn die Düne erneut am Immobilienmarkt auftauche, sei die bremische Politik gefordert, über den Aufsichtsrat Einfluss auf die Gewoba zu nehmen. Ziel müsse es bleiben, für die Stadtgemeinde Einfluss auf die Zukunft des Hochhauskomplexes zu gewinnen. Und das gehe am besten durch indirektes städtisches Eigentum.

Auch bei den Nordbremern in der Fußgängerzone war die Zukunft der Grohner Düne gestern Gesprächsthema. Ewald Fehlert, 67 Jahre, aus Vegesack: „ Die Grohner Düne gehört abgerissen, das ist ein Schandfleck, der überhaupt nicht ins Stadtbild passt. Ungepflegt und dreckig, überall Schimmel – so ein Zustand darf einfach nicht sein. Man könnte aus dem Platz einen Treffpunkt für die Gesellschaft machen.“

Petra Bogenschneider, 56 Jahre, hat 13 Jahre lang in der Kita Grohn gearbeitet. Sie sagt: „Die Grohner Düne schadet dem Ruf von Vegesack, weil man beides sofort miteinander verbindet. Es ist ein Getto, in dem verschiedene Kulturen aufeinandertreffen, und selbst bei den kleinen Kindern gibt es schon Feindschaft. Die Gewalt dort macht mir Angst, aber es wird sich sowieso nichts ändern, egal wer der Besitzer ist. Vielleicht gibt es unter staatlicher Hand aber mehr Kontrolle.“

Maria Hartmann, 20 Jahre, aus Vegesack: „Ich habe noch nie schlechte Erfahrungen mit den Menschen aus der Grohner Düne gemacht, alle die ich kenne, sind sehr nett. Eine Sanierung ist unnötig, was bringt es schon, wenn die Fassade wieder schön aussieht. Wenn man Geld investiert, sollte man damit lieber soziale Projekte fördern und die Bewohner stärker in die Gesellschaft integrieren.

Roswitha Boeck, 65 Jahre, wohnt in direkter Nachbarschaft zur Grohner Düne: „Die Grohner Düne ist zu groß und anonym. Ich liebe die kulturelle Vielfalt dort, aber viele Bewohner sind – glaube ich – selbst überfordert. Man müsste den Häuserblock vielleicht kleiner machen, denn viele Wohnungen stehen leer. Dann sollte man die Grohner Düne komplett sanieren.“

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