Kritik an Vonovia

Großbaustelle belastet Mieter

An der Selsinger Straße sind etliche Vonovia-Mieter nach monatelangen Modernisierungsmaßnahmen mit ihrer Geduld am Ende. Dreck, Lärm und mangelnde Informationen machen ihnen zu schaffen.
02.02.2020, 21:58
Lesedauer: 3 Min
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Großbaustelle belastet Mieter
Von Anne Gerling
Großbaustelle belastet Mieter

Günther Piper (v.l.), Rudi Homfeldt, Mina Petersen und Sabine Zimmer sprechen sich noch kurz ab, bevor sie sich auf den Weg zum Vonovia-Büro an der Seewenjestraße machen, um ein Schreiben der Mieter zu übergeben.

Roland Scheitz

Ihrem Ärger Luft gemacht haben am Mittwoch mehrere Mieter der Vonovia. Sie seien mit ihren Nerven am Ende, heißt es in einem von 66 Anwohnern unterzeichneten Schreiben, das mehrere Mieter und Vertreter der Stadtteilgewerkschaft „Solidarisch in Gröpelingen“ im Büro des Wohnungsunternehmens an Regionalleiter Oliver Seemann übergeben haben.

Es geht dabei um eine Großbaustelle an der Selsinger Straße, wo die Vonovia seit Mai sechs Gebäudekomplexe mit 152 Wohnungen modernisiert. „In den letzten Monaten wurden wir mit einer völlig verdreckten Baustelle alleine gelassen“, heißt es dazu in dem von den Mietern verfassten Schreiben. In einem rund eineinhalbstündigen Gespräch beschrieben die Anwohner Seemann, wie sehr die Umbaumaßnahme sie belastet.

Kein Zugang zum Dachboden

„Man kommt nicht auf den Dachboden rauf“, schilderte etwa ein Anwohner aus Haus Nummer 18. Vor einigen Wochen war er von seinem Nachbarn angesprochen worden, als er etwas auf den Boden bringen wollte. „Der hat mir dann gesagt: Da kannst du nicht hoch, das ist versiegelt worden.“ Angeblich sei dort Asbest gefunden worden – offizielle Mitteilungen der Vonovia gebe es aber nicht: „Da kriegt man Angst.“

Auch Anwohner Rudi Homfeldt hat ein Beispiel zum Thema schlechte Kommunikation: „Wenn am Freitagnachmittag ein Zettel an der Tür hängt, dass der Dachboden bis Montag freizuräumen ist, dann rennt jeder fluchend durchs Treppenhaus. Passiert ist danach auf dem Dachboden aber bis heute nichts.“ Ähnliches hat eine Nachbarin erlebt, die sich für den Einbau der neuen Klingelanlage vor einigen Wochen angesichts des von den Handwerkern angekündigten Zeitfensters von 8 bis 18 Uhr eigens einen Tag Urlaub genommen hatte: „Man denkt, dass es dann auch fertig gemacht wird.“ Sechs bis sieben Wochen sei das nun her – die Klingelanlage funktioniere aber immer noch nicht. „Wir hatten Probleme mit den Elektrikern, die die Klingeln machen sollten“, bestätigt Seemann – inzwischen sei hier nachgebessert worden. Was ihm außerdem wichtig sei: „Wir wollen, dass Sie wissen, welche Firma auf dem Gelände herumläuft.“

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Die Mängelliste der Mieter ist noch länger. In einigen Hauseingängen habe es über Tage und Wochen kein Licht auf den Gängen gegeben, sodass eine Nachbarin im Dunkeln gestürzt sei, erzählen sie. Einmal wurde die Haustür aus- und erst am nächsten Tag eine neue eingebaut; einen Wachdienst gab es in dieser Nacht nicht. Nachdem wiederum die Briefkästen abmontiert worden seien, liege die Post durchnässt und verdreckt auf dem Boden, erzählt Rudi Homfeldt: „Durch so etwas ist bei den Mietern auch Vertrauen verloren gegangen.“ In ihrer Wohnung seien beim Einbau neuer Fenster und Türen erhebliche Schäden an Wänden und Fußleisten entstanden, sagt Anwohnerin Kübra Sekin, die sich außerdem über die geplanten Arbeiten im Vorfeld nicht gut informiert fühlte: „Die Fenster-Firma hat einen Brief geschickt und darin einen Termin angekündigt. Denen habe ich gesagt, dass ich erstmal mit dem Vermieter sprechen will. Eineinhalb Monate später kam dann ein Brief von Vonovia.“

Mieter verlangen finanzielle Entschädigung

Der begrünte Hinterhof sei seit Monaten mit Baustellenteilen, Verpackungen und Bauschutt-Säcken zugemüllt, schilderten die Anwohner weiter: „Die Belastungen haben ein Ausmaß erreicht, das nicht mehr zuzumuten ist.“ Nach diesen unschönen Erfahrungen fordern die Mieter nun neben verbindlichen Informationen zu den geplanten Bauschritten, einer angemessenen finanziellen Entschädigung und detaillierten Informationen zu den Gründen für etwaige Mieterhöhungen insbesondere „eine Ansprechperson, die im direkten Kontakt mit den Baufirmen, Vonovia und den Mietern steht und die Befugnis von Vonovia hat, Lösungen für bestehende Probleme zeitnah umzusetzen.“

Es gebe mit Martin Rohde eigens einen Quartiersmanager, der vor jeder Baumaßnahme Kontakt mit den Mietern aufnehme, sagt dazu Seemann: „Er hört sich Sorgen an und findet dafür Lösungen.“ Rohde hat in allen Eingängen Aushänge angebracht, die dort noch immer hängen: „Ich war erreichbar, und wir haben mit dem Bauleiter auch regelmäßig eine Mieter-Sprechstunde abgehalten. Manchmal standen wir mit einer Menschentraube am Wendehammer. Wir hatten Probleme, das ist richtig. Wir versuchen, diese Probleme anzugehen und konnten da auch Leuten gut helfen. Dafür muss man sich aber bei uns melden.“ Dann könne bei Härtefällen gezielt vorab geholfen werden.

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Ziel sei nicht, mit dem Finger auf einzelne Mitarbeiter zu zeigen, unterstreicht Sabine Zimmer von „Solidarisch in Gröpelingen“: „Es geht eher darum, mehr Geld für mehr Ansprechpartner zur Verfügung zu stellen. Für einen allein ist es überhaupt nicht möglich, sich um alles zu kümmern.“ Auch müssten die Mieter angemessen entschädigt werden: „Wir wollen für jeden Monat mit Belastungen 20 Prozent der Miete erstattet haben plus 250 Euro für die entstandenen Kosten.“

Das Treffen zeigte: Es gibt noch viel Gesprächsbedarf, auch zu Nebenkostenabrechnungen oder zur Abwicklung von Reparaturen. Seemann will den genannten Punkten nachgehen – insbesondere der Dachboden-Sperrung in Haus Nummer 18: „Wir kümmern uns. Es hat noch nicht zu 100 Prozent funktioniert, deshalb haben Sie dieses Schreiben aufgesetzt. Wir nehmen Ihr Anliegen sehr ernst.“

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