Grosse-Herzen-Gala Große Bühne für Lebensretter

Bei der festlichen Spenden-Gala der Stiftung Bremer Herzen steht der Einsatz für die Herzgesundheit im Mittelpunkt. Noch immer erleiden in Bremen mehr Menschen einen Herzinfarkt als in anderen Bundesländern.
23.03.2019, 22:30
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Von Kornelia Hattermann

Der rote Teppich war ausgerollt für die 530 Gäste aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport – und für das Herz, das bei der zweiten großen Spenden-Gala der Stiftung Bremer Herzen im Mittelpunkt stand. Genauer: Der Einsatz für die Herzgesundheit, denn noch immer „steht Bremen nicht gut da“, sagte Rainer Hambrecht, Vorstandsvorsitzender der Stiftung und Chefarzt der Kardiologie am Klinikum Links der Weser.

Noch immer erleiden in Bremen deutlich mehr Menschen einen Herzinfarkt als in anderen Bundesländern. Dem will die Stiftung Bremer Herzen etwas entgegensetzen und vor allem auch junge Menschen sensibilisieren, wie Hambrecht betonte. Aufklärung, Prävention, die eine harte, langfristige Arbeit und ein mühsamer Prozess sei, und Forschung betreibt die Stiftung.

"Wir haben das Schlimmste befürchtet"

Bei der festlichen Gala gab es im Show-Programm auch eine große Bühne für diejenigen, die als Lebensretter und für Patienten im Einsatz sind. Annika Hoffmann (31) und Aline Krause (38) haben ihrem Kollegen Uwe Karassek das Leben gerettet, der mit einem Herzstillstand zusammengebrochen war. Dafür überreichte ihnen David Safier den Bremer Herz-Preis. Der Bremer Autor ist Botschafter der Stiftung, ebenso wie Marco Bode von Werder Bremen Botschafter der Veranstaltung.

Uwe Karassek ist nach seiner Reanimation einfach nur froh, dass alles auch für seine Retterinnen gut ausgegangen ist, dass es die Gala gibt und dass „meine Lieblingsdamen alle hier sind“. Dabei strahlte er Annika Hoffmann und Aline Krause an, die sich noch gut an die Situation erinnern. „Wir haben das Schlimmste befürchtet.“

Annika Hoffmann hat Uwe ­Karassek am 12. Juli gefunden, nachdem er in der Küche zusammengebrochen war, er habe am Kopf geblutet und das Gesicht sei schon blau angelaufen gewesen. Die ausgebildete Ersthelferin handelte sofort, alarmierte den Notruf unter 112 und rief eine Kollegin zur Hilfe. Annika Hoffmann und Aline Krause rissen Uwe Karassek das Hemd von der Brust und begannen sofort mit der Herzdruckmassage.

Sven Schneider in der Feuerwehr-Leitstelle hat den Notruf entgegengenommen und die Rettungskräfte alarmiert. Der Disponent begann mit der sogenannten Telefon-Reanimation: Er leitete die beiden Helferinnen bei der Wiederbelebung an, wie oft und in welchem Takt sie auf den Brustkorb drücken sollten. „Es war jemand da, der einen am Telefon beruhigt und informiert, wie lange man noch durchhalten muss“, schildert Annika Hoffmann die Situation.

Der Antrieb für die Arbeit

Für diese Arbeit des Rettungsdienstes nahm Michael Richartz, der Leiter der Feuerwehr-Leitstelle Bremen, bei der Große-Herzen-Gala eine Auszeichnung entgegen. Stellvertretend für die Kollegen, wie er betonte, die eine psychisch anstrengende Aufgabe haben. „Wir sehen keine Patienten, wir reden mit den Angehörigen in einer Ausnahmesituation.“ 250 Mal durchschnittlich im Jahr leite man eine Telefon-Reanimation, 600 bis 800 Fälle von Reanimation erfolgten auf der Straße.

Die Grünen Damen am Klinikum Links der Weser, die sich ehrenamtlich für die Patienten einsetzen, sie besuchen oder ihnen bei Besorgungen helfen, erhielten als dritte eine Auszeichnung. Bärbel Müller (71), die die Einsätze der 21 Frauen und einem Mann leitet, nahm sie aus den Händen von Schlagerstar Dorthe Kollo entgegen – stellvertretend für ihre Kolleginnen und alle grünen Damen auch an anderen Kliniken. Anderen Menschen helfen zu können sei der Antrieb für ihre Arbeit, sagte die frühere Arzthelferin.

Ein Höhepunkt des Show-Programms mit vielen Akteuren aus der Hansestadt war der Auftritt von Sänger Michael Schulte, der mit seinem Lied „You let me walk alone“ Deutschland im vergangenen Jahr beim Eurovision Song Contest vertreten hat. An diesem Abend war niemand allein, gemeinsam feierten die Gäste für ein „herzgesundes Bremen“. Die Erlöse gehen in den Ausbau und die Ausstattung des Bremer Herzmobils. Mit diesem umgebauten Transporter wird die Stiftung zukünftig Gesundheitskampagnen in den Stadtteilen unternehmen.

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