Investoren haben Gebäude erworben Große Pläne für Neustädter Bahnhof

Von einer Schmuddelecke zum Aushängeschild – kürzlich haben zwei junge Investoren den Neustädter Bahnhof gekauft. Sie wollen das Gebäude sanieren und in weiten Teilen an einen Großgastronomen vermieten.
03.03.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Karin Mörtel

Von einer Schmuddelecke zum Aushängeschild – kürzlich haben zwei junge Investoren den Neustädter Bahnhof gekauft. Sie wollen das Gebäude sanieren und in weiten Teilen an einen Großgastronomen vermieten.

Basem Khan, der eine Autowerkstatt in der Neustadt betreibt, und Architekt Oliver Thiedmann aus Hannover haben große Pläne: Sie wollen das heruntergewirtschaftete Gebäude sanieren und in weiten Teilen an einen Großgastronomen vermieten. Ginge es nach den beiden langjährigen Freunden, könnte alles ganz schnell passieren. Doch der etwa 2500 Quadratmeter umfassende Bahnhof hat für die neuen Besitzer so manche Tücke parat.

Basem Khan, der eine Autowerkstatt in der Neustadt betreibt, und Architekt Oliver Thiedmann aus Hannover haben große Pläne.„Wir wollen den Charme des Gebäudes unbedingt erhalten und wieder sichtbar machen“, versichert Thiedmann bei einem Gang durch das bisherige Sorgenkind der Neustädter Ortspolitik. Verlottert, verbarrikadiert und unfreundlich – so hat sich das Gebäude in den vergangenen Jahren den Fahrgästen präsentiert, die zwangsläufig den häufig nach Urin stinkenden Gang zum Bahnsteig passieren mussten. Das soll sich nun ändern.

Oberstes Ziel: Seiteneingang schaffen

Oberstes Ziel ist für die beiden Investoren, dass für die Bahnreisenden so schnell wie möglich der ohnehin bereits angedachte Seiteneingang zwischen Bahndamm und dem Weinhändler im Nordflügel geschaffen wird. „Dann können wir den heutigen Haupteingang schließen und den großzügigen Charakter der historischen Empfangshalle wieder zum Leben erwecken“, skizziert Thiedmann die Zukunftspläne. Bereits drei Großgastronomen hätten ihr prinzipielles Interesse an dem Standort bekundet, teilt Khan mit. Aus seiner Sicht könnten die Gastronomen auch die historischen Mauern abseits der Halle nutzen.

Denn direkt dahinter verbirgt sich ein heller Raum, der bereits viele Jahre leer steht und derzeit einen kaputten Roller sowie Brennholz beherbergt. Eine Reihe hohe Fenster gibt den Blick auf einen kleinen Innenhof frei, der auch Spielort einer Dornröschen-Verfilmung sein könnte: Efeu rankt ungehindert vor den Fenstern, Bäume und Sträucher haben vollständig den Hof überwuchert, und zerschlagene Scheiben sind auf der gegenüberliegenden Hofseite zu sehen. „Das Gebäude ist zwar in Teilen sehr verwahrlost, aber wir sehen gerade an dieser Stelle auch großes Potenzial“, schwärmt Thiedmann und sieht dort vor seinem inneren Auge bereits Gäste in gemütlicher Atmosphäre speisen.

Ein Zufall hat zu der Kaufentscheidung Ende 2015 geführt. „Ich habe von der Hochstraße aus ein Plakat gesehen, worauf der Bahnhof zum Verkauf angeboten wurde“, berichtet Khan. Da die beiden ohnehin gemeinsam eine Immobilie kaufen wollten, ergriffen sie die Gelegenheit. „Auch wenn wir dabei ursprünglich nicht an einen Bahnhof gedacht hatten“, sagt Thiedmann.

Genau dieser Umstand macht einige Dinge nun auch kompliziert, weil sie viele Dinge mit der Deutschen Bahn abstimmen müssen. Zum Beispiel die Frage, wie schnell der neue Seiteneingang realisiert werden kann und wer die Kosten dafür trägt. Denn erst danach kann die Halle als Ganzes genutzt werden.

Auf Nachfrage erklärt Hermann Bollmann von der Deutschen Bahn, dass außerdem ab 2018 die Bahnsteige und deren Zugang unter anderem mit einem neuen Aufzug barrierefrei gestaltet werden sollen. „Ich erwarte, dass danach die Fahrgastzahlen von heute täglich etwa 320 deutlich steigen werden“, so der Bahnhofsmanager. Bereits der Rückbau des Bunkers habe viel zum Positiven verändert. Der von der Stadt geplante gepflasterte Vorplatz zwischen Pusdorfer Tunnel und neuem Seiteneingang soll zudem nach Auskunft von Umweltbetrieb Bremen im Jahr 2017 bereits fertig sein. Dass die Stadt in enger Abstimmung mit dem Beirat ohnehin bereits dabei ist, das direkte Umfeld des Bahnhofs sowie den Grünzug bis zur Weser aufzuwerten, freut die Investoren. „Wir haben mit den Baumfällungen vor dem Gebäude allerdings nichts zu tun“, betont Basem Khan.

Kaufpreis geheim

Gemeinsam mit Thiedmann hat er bereits den Teil der Sanierung angestoßen, den sie alleine in der Hand haben. Neun Wohnungen unterschiedlicher Größe gibt es in den beiden Seitenflügeln des Bahnhofs. „Einige davon machen wir gerade wieder bewohnbar, nachdem sie jahrzehntelang leer standen“, erklärt Khan. Außerdem sind neue wärme- und schallisolierende Fenster bestellt, das Dach musste abgedichtet, Klingeln und Haustüren der Treppenaufgänge repariert werden. Auch die bewohnten Wohnungen sind danach an der Reihe, und noch ist offen, ob sie sich mit allen Mietern über eine angemessene Mieterhöhung einigen können. „Für uns ist die Sanierung nicht umsetzbar mit den bisher weit unter dem Durchschnitt liegenden Mieten“, erklärt Thiedmann und noch das: „Wir wollen hier niemanden rausschmeißen.“ Etwa 7,50 Euro für Bestandsmieter stellen die beiden sich vor. Erste Gespräche mit den Mietern zeigen offenbar, dass das Echo geteilt ausfällt. Als Neumieter setzen die Investoren auf Studierende, die sowohl die Nähe zur Hochschule als auch die direkte Bahnanbindung zu schätzen wissen.

Wie viel Geld sie für das Bahnhofsgebäude an das Luxemburger Unternehmen Patron Capital bezahlen mussten, halten die Käufer geheim. „Doch es war definitiv deutlich mehr als ein symbolischer Euro, es gab mehrere Interessenten, und wir mussten hart verhandeln“, so Thiedmann.

Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner ist er davon überzeugt, dass sich die Investition lohnen wird. „Die Neustadt lebt zurzeit auf, und wir betrachten die Lage als Geheimtipp zwischen Woltmershausen, Weser, Schlachte, Hohentorshafen und der Hochschule, wo städtebaulich in Zukunft noch viel passieren wird.“

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