Bremer Innenstadtumbau mit Kurt Zech

Große Pläne, große Zustimmung

Der Senat begrüßt die Pläne des Unternehmers Kurt Zech und will die Initiative konstruktiv begleiten. Das sagt Brügermeister Carsten Sieling (SPD).
06.07.2017, 17:06
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Große Pläne, große Zustimmung
Von Lisa Boekhoff
Große Pläne, große Zustimmung

Hier könnte bald gebaut werden: Das Parkhaus Mitte will der Unternehmer Kurt Zech abreißen.

Christina Kuhaupt

Die Pläne sind groß, die Zustimmung ebenfalls. Durchbruch, Impuls, Chance – mit diesen Worten reagiert die Bremer Politik auf die Initiative des Unternehmers Kurt Zech. Der Bremer Investor will wie berichtet das Parkhaus Mitte kaufen und abreißen lassen. Neue Passagen und Flächen für den Einzelhandel sollen an der Stelle entstehen.

Fast ausnahmslos positiv ist das Echo auf diese Pläne. Der Senat sieht darin eine große Chance für die Entwicklung der Innenstadt. Die Stadt wolle sie „konstruktiv begleiten“, sagt Bürgermeister Carsten Sieling (SPD). Ein erstes Gespräch zwischen Sieling und Zech hat es bereits gegeben. Auch Wirtschaftssenator Martin Günthner traf sich mit ihm.

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Die große Lösung, die der Unternehmer nun angehen will, sei lange nicht denkbar gewesen, sagt Tim Cordßen, Sprecher des Wirtschaftssenators. Zwischen Karstadt, Kaufhof und Parkhaus gebe es erhebliche Verflechtungen. „Dass nun in alle Richtungen gedacht werden kann, macht den Charme des Ansatzes aus.“ Noch sei man ganz am Anfang, es gelte viele Fragen zu klären.

„Wir führen die Gespräche aber mit großer Zuversicht. Klar ist, dass wir mit großer Entschlossenheit ans Werk gehen wollen.“ Für einen Zeitplan sei es derzeit noch zu früh. Cordßen geht aber von einer „zügigen Entwicklung“ aus. Denn um die Innenstadt stehe es in Zukunft besser ohne das Parkhaus mitten im Zentrum.

Ein wichtiger Impuls

„Das gehört hier einfach nicht hin“, drückt Heiko Strohmann, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, sich deutlicher aus. Das Parkhaus sei seit Jahren ein Störfaktor. „In eine Mitte der Stadt gehören Shopping, Dienstleistung, Wohnen und keine Parkhäuser.“

Der Vorschlag von Kurt Zech sei deshalb ein wichtiger Impuls für eine zukunftsfähige Entwicklung der Innenstadt, um sie modern und attraktiv zu gestalten. Der Investor sei ein erfahrener, kreativer Unternehmer. „Er ist Bremer und weiß, was dieInnenstadt bedeutet.“ Er hoffe, dass Zech seitens der Politik nun genügend Freiraum gelassen werde.

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Strohmann wirft dem Senat derweil vor, kein stimmiges Konzept für die Innenstadt zu haben. Dabei gehe es nun darum, um Projekte wie den Lloydhof, der gerade zu Verkauf steht, den Jacobshof oder das frei werdende Sparkassengebäude eine Klammer zu bilden. Darin liege eine Chance. Er wirft dem Senat Tatenlosigkeit in Bezug auf das Parkhaus vor.

Seine Partei habe den Abriss schon in ihrem Innenstadtkonzept von 2012 gefordert. Fehlende Rundläufe seien in der Innenstadt schon seit Jahren ein Problem. Neue Laufwege könnten dabei auch die Carl-Ronning-Straße und die Knochenhauerstraße wachküssen, diederweil noch ein Schattendasein führten, sagt Jan-Peter Halves, Geschäftsführer der City-Initiative.

Viele kleine Baustellen

„Die Einzelhändler könnten extrem profitieren.“ Die aufgeworfenen Ideen machten Sinn und seien ein wichtiger Schritt für Bremen. „In einer Innenstadt gibt es viele kleine Baustellen. Manchmal braucht es aber einen großen Schluck aus der Pulle.“ Die Pläne seien ihm noch nicht genau bekannt, aber die Laufwege in der Fußgängerzone zu vervollständigen, das sei der richtige Weg und ein Ziel der City-Initiative.

Zech sei ein professioneller Projektentwickler, der bereits in anderen Städte wie Hamburg oder Düsseldorf erfolgreich geplant habe – und zeitgemäß. „In Bremen soll ja auch kein Ufo landen, sondern ein Netzwerk entstehen.“ Jedoch müsse gleichzeitig der Parkraum neu überdacht werden, wenn 1000 Stellplätze dann wegfielen. Das alte Parkkonzept der Stadt sei überholt, so Halves.

Bausenator Joachim Lohse (Grüne) kündigt bereits an, dass an diesem Punkt noch gearbeitet werden müsse. Die Frage sei, wie die womöglich wegfallenden Parkplätze nach dem Abriss des Parkhauses ersetzt oder durch den Umweltverbund aufgefangen werden könnten. Damit gemeint ist das Ziel, Menschen zum Umstieg auf Bahn, Bus oder das Fahrrad zu bewegen oder dazu, zu Fuß zu gehen.

Städtebaulich kann es den Durchbruch bedeuten

Es sind laut Lohse überhaupt noch zahlreiche Aspekte zu prüfen – etwa auch die Auswirkung auf den Verkehr. Die Initiative des Unternehmers begrüßt der Bau- und Verkehrssenator ausdrücklich: „Städtebaulich kann das den Durchbruch für die Bremer Innenstadt bedeuten.“

Die Bürgerschaftsfraktionen von SPD und Grünen äußern sich ebenfalls positiv. Die Innenstadt zu entwickeln sei wichtig, um der Konkurrenz im Umland etwas entgegenzusetzen, sagt Dieter Reinken, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD. Seine Fraktion werde die Pläne politisch unterstützen.

Robert Bücking, wirtschafts- und stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Grünen, sieht den Abriss ebenfalls als Chance, um bisherige Schattenlagen durch Rundlagen zu erschließen. „Zu lange hat die Entwicklung in unserer Bremer Innenstadt stagniert“, sagt FDP-Fraktionschefin Lencke Steiner.

Wert der Immobilie muss noch errechnet werden

„Jetzt könnte endlich die Trendwende gelingen und der Innenstadt das längst überfällige Update verpasst werden.“ Der Senat sei nun gefordert, Investoren keine Steine in den Weg zu legen, sondern sie wegzuräumen. Steiner: „Unsere Innenstadt kann mehr.“ Die Stadt brauche mehr Aufenthaltsqualität durch eine Mischung aus Einkaufen, Wohnen, Kultur und Gastronomie.

Die Linke stimmen die Pläne dagegen skeptisch. „Umkrempeln ist kein Wert an sich“, sagt Claudia Bernhard, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft. „Was wir für dieInnenstadtentwicklung brauchen, sind Augenmaß und vor allem auch bezahlbare Einzelhandelsmieten. Genau diewerden so nicht entstehen. Denn am Ende sind es die Läden, die einen Monsterumbau mit ihren Mieten bezahlen würden.“

Moderne Innenstädte sollten Vielfalt, Charakter und Aufenthaltsqualität bieten. Davon sei in Bremen kaum noch die Rede. „Man träumt von der Verwandlung der Innenstadt in eine Super-Mall. Das wird in Bremen nicht funktionieren.“ Zunehmend verschwänden in Bremen derweil kleine inhabergeführte Geschäfte.
Für den Verkauf des Parkhauses Mitte, das der Brepark und damit Bremen gehört, steht ein Vergabeverfahren aus. Bis dieses Verfahren beginnt, muss aber noch der Wert der Immobilie errechnet werden.

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