So teuer ist das Überziehen des Kontos Große Unterschiede beim Dispokredit

Es macht schon ganz schön was aus, bei welchem Geldinstitut in Bremen und umzu der Kunde sein Girokonto überzieht. Welche Kunden dabei am günstigsten wegkommen.
24.02.2019, 22:11
Lesedauer: 2 Min
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Von Nico Brunetti

Bei Banken und Sparkassen in Bremen und umzu gibt es große Unterschiede bei den Kosten, wenn Kunden ihre Girokonten überziehen. Der Dispozins kann einen Unterschied von etwa fünf Prozentpunkten ausmachen. Das hat ein Vergleich des WESER-KURIER ergeben. Dabei hängt die Höhe des Dispozinses auch mit verschiedenen Kontotypen zusammen, die die Geldinstitute anbieten. Den niedrigsten Dispozins bietet die Bremische Volksbank an. Dort kann er bei nur 7,18 Prozent liegen. Weiter oben befindet sich die Sparkasse Bremen mit 11,69 Prozent. Spitzenreiter ist die Targobank mit einem ihrer Kontenmodelle, das im Falle der Überziehung 12,43 Prozent verlangt.

Gerade zum Jahreswechsel nehmen die Deutschen den Dispokredit in Anspruch. Das hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov ergeben. Auf die Bundesbürger hochgerechnet haben demnach mehr als 10,4 Millionen Bankkunden ihren Dispositionskredit beansprucht. Bei weiteren 7,6 Millionen gelte es entsprechend der Antworten immer noch als wahrscheinlich, dass sie ihr Konto überziehen. Damit könnten es in Deutschland knapp 18 Millionen Bankkunden sein, die den Dispo nutzen und ihn zur attraktiven Kreditform machen.

Auch bei der NordLB ist diese Art des kurzfristigen Kredits den Kunden bekannt. Sprecherin Ina Elbin sagt: „Hier in der Region, in Bremen und Oldenburg führen wir gut 12 700 Privatgirokonten – etwa die Hälfte davon mit einem Dispolimit.“ Allerdings, sagt sie weiter, nehme derzeit nur ein geringer Teil ihrer Kunden das Limit ganz oder teilweise in Anspruch. Der Durchschnittswert der Inanspruchnahme beträgt zurzeit etwa 2200 Euro.

Mit günstigen Ratenkrediten erfolgreich umschulden

Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen ist über die vielfache Nutzung wenig überrascht: „Der Dispokredit ist vorübergehend sinnvoll und praktisch. Für eine Überbrückung oder bei einem Liquiditätsengpass ist es ganz gut, ihn mal für einen Monat oder zwei, drei Monate zu nutzen“, sagt der Finanzexperte. „Grundsätzlich raten wir unseren Verbrauchern, den Dispo zu vermeiden.“

Dabei bezieht er auch die Menschen mit ein, die die eingeräumte Kontoüberziehung für einen Urlaub oder den Komfort benutzen. So kann er aus dem Beratungsalltag berichten, wie es ihm schon häufig begegnet ist: „Es kann eine Spirale einsetzen, aus der man nicht mehr rauskommt“, berichtet Mai. Dies sei ihm schon häufiger begegnet. „Sehr viele sind in diese Dispofalle gekommen. Es folgen Kettenkredite, die Schulden steigen auf fünf- bis sechsstellige Beträge. Der Dispokredit ist oft nur die Einstiegsdroge“, so der Finanzexperte.

Aus seiner Sicht sei es durchaus der richtige Ansatz, mit günstigen Ratenkrediten erfolgreich umschulden zu wollen. Dafür spreche unter anderem der geringere Zinssatz. Der liegt meist zwischen drei und vier Prozent. Banken zeigten sich hierfür auch gesprächsbereit. Die Sparkasse Bremen sucht laut Sprecherin Nicola Oppermann den Kontakt zum Kunden, sollte dieser längerfristig den Dispokredit in Anspruch nehmen.

Wie von Mai angesprochen, sei es möglich, dass hieraus eine Schuldenproblematik entstehe. Die Überschuldung führe Privatpersonen nicht selten zur Beratung. Letzte aktuelle Zahlen für Niedersachsen stammen dazu aus dem Jahr 2017 vom Landesamt für Statistik. Demnach gab es damals 85 058 Personen, die wegen ihrer finanziellen Situation Hilfe bei einem Berater suchten: Davon meldeten sich mehr als 27 Prozent wegen Schwierigkeiten mit dem Dispokredit. Die Mehrzahl von ihnen waren übrigens Männer. Oftmals sei die Beanspruchung des Dispos mit Ereignissen wie einer Trennung, Erkrankung, Sucht oder einem Unfall zu begründen. Weitere Gründe sind laut Statistik auch eine gescheiterte Immobilienfinanzierung oder aber eine unwirtschaftliche Haushaltsführung.

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