„Miniverse“

Große Wunder in der Welt der kleinen Leute

Die Fotoausstellung „Miniverse“ von Ulrich Graf-Nottrodt ist im Atelierhaus Roter Hahn in Gröpelingen zu sehen.
01.12.2017, 19:41
Lesedauer: 2 Min
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Von Matthias Holthaus
Große Wunder in der Welt der kleinen Leute

Ein weiteres Bild des Künstlers zeigt ein süßes Abtauchen im Schokokuss.

Ulrich Graf-Nottrodt

Wer auch immer die Schokolade gegessen hat, man ist ihm auf der Spur, denn drei Männer in weißen Overalls sichern bereits die Beweise in Form von riesigen Fingerabdrücken. Oder besser gesagt: Männchen, denn die eifrigen Kriminologen sind im Idealfall 19 Millimeter groß und verschönern im Maßstab 1:87 eigentlich Eisenbahnanlagen der Spur H0.

In diesem Falle sind sie aber Teil einer Fotografie des Waller Bildhauers, Malers und hauptberuflichen Grafikdesigners Ulrich Graf-Nottrodt, der sich auch fotografisch betätigt und damit die kleinen Dinge des Lebens ganz groß rausbringt. Zu sehen sind seine Werke im Atelierhaus Roter Hahn in der Gröpelinger Heerstraße 226, wo unter dem Titel „Miniverse – große Abenteuer klitzekleiner Leute“ noch bis zum 31. Januar Spurensicherer Schokoladendieben auf die Schliche kommen, Taucher im Schokokuss verschwinden und Männer Hanteln stemmen, die eigentlich Wattestäbchen sind. Und auch das Rätsel, wie das weiße „m“ auf die Schokolinsen kommt, ist nun ebenfalls gelöst – ein kleiner Mann malt es drauf.

„Die Ideen sind ziemlich spontan, und durch die Spontaneität sind es tolle Ergebnisse geworden“, sagt Ulrich Graf-Nottrodt. Zwei Herangehensweisen gebe es: „Entweder, ich habe die Figur und überlege, was ich damit mache, oder aber ich finde eine Situation und denke darüber nach, welche Figur da stimmen könnte.“ Das kann eben ein angebissener Schokokuss sein oder die Flamme eines Gasherds, worum Graf-Nottrodt dann kleine Feuerwehrmänner gruppiert, um das Feuer zu löschen. „Eine Zeitlang habe ich jeden Tag ein Bild gemacht, und durch die ständige Auseinandersetzung mit dem Thema bin ich nun in der Lage, eine Ausstellung zu machen“, sagt er. Die Kamera habe er immer dabei, und die Arbeit mit den Bewohnern des „Miniverse“, der kleinen Version des „Universe“ , verändere den Blick auf die Welt: „Man schaut mit anderen Augen darauf, was man beispielsweise mit der Blume am Wegesrand machen könnte. Ich achte mehr auf die Details.“

Die Figuren kosten auch mal sieben Euro das Stück und sind dann sehr aufwendig bemalt, ein Bild dauert zwischen zehn Minuten und zwei Stunden, im Schnitt aber eher eine Stunde. Für Firmen hat er bereits Aufträge angenommen, für Süßwarenhersteller, Zahnärzte oder Ökostrombetreiber. „Oder es heißt `Mach mir was, finde eine Idee für mich'“, erzählt er über seine Fotos, die auf Anfrage entstehen oder auch über seine Website in unterschiedlichen Größen erworben werden können. „Die Bilder sind sehr nahe an den Menschen, jeder kann etwas damit anfangen, jeder sieht etwas.“ Denn Graf-Nottrodt versucht stets, eine kleine Geschichte zu erzählen, damit man auf den Bildern mehr entdecken kann. Diese kleinen Geschichten gibt es mittlerweile auch als Buch mit dem Namen „Miniverse“ und auch als Fotokalender.

Kerstin Graf, seine Frau, ist noch immer überrascht über den Erfolg der abgelichteten Miniaturwelten: „Dass das daraus geworden ist, war gar nicht geplant. Das ging erst nur über die Fotoplattform `flickr´, doch dann haben immer mehr Leute gefragt, wann denn das nächste Bild kommen würde. Die Menschen sehen sich selbst darin und sehen die Geschichten.“ Dann kam die erste Ausstellung, weitere folgten.

Doch sich ganz auf die Fotografie festzulegen, wäre Ulrich Graf-Nottrodt zu einseitig: „Das würde mich nicht ausfüllen. Die Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksweise ist eher was für mich.“ Davon zeugen auch die Malereien in Acryl oder die Holzskulpturen, die er neben der Fotografie bereits erschaffen hat. Auch dieses Mal stehen die kleinen Leute im Vordergrund und sie sind Teil des Projekts, das Graf-Nottrodt verfolgt hat: An 365 Tagen ebenso viele Fotos aus der geheimnisvollen Welt der Miniaturen zu schießen. 40 dieser kleinen Wunder sind nun im Roten Hahn zu sehen.

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