Erster städtebaulicher Vertrag

Große Ziele für neues Quartier auf Kellogg-Gelände

Das neue Quartier auf dem ehemaligen Bremer Kellogg-Gelände soll in jeder Hinsicht Vorbild sein. Über die Ziele der Stadt und des Investors haben Politiker in einer Sondersitzung abgestimmt.
29.05.2018, 19:21
Lesedauer: 2 Min
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Große Ziele für neues Quartier auf Kellogg-Gelände
Von Antje Stürmann
Große Ziele für neues Quartier auf Kellogg-Gelände

Auf dem ehemaligen Kellogg-Gelände direkt an der Weser soll in ein paar Jahren ein neues Quartier mit bezahlbaren Wohnungen entstehen, vielen Grünflächen, Schulen und Gewerbe.

Karsten Klama

In groben Zügen steht fest, wie das neue Quartier auf dem ehemaligen Kellogg-Gelände aussehen soll: Es wird zwei Schulen geben, Kitas, und viele Grünflächen. Wohnen soll auch für den kleinen Geldbeutel möglich sein; alte Gebäude, wie das Silo, bleiben erhalten, neue Firmen siedeln sich an. Die Menschen sollen sich fortbewegen können, ohne die Umwelt zu belasten und im Alltag saubere Energien nutzen. Diese und andere Ziele stehen im ersten städtebaulichen Vertrag, den die Mitglieder der Wirtschafts- und der Baudeputation am Dienstag in einer gemeinsamen Sondersitzung fast einhellig verabschiedet haben. Dieser Beschluss macht den Weg frei für die Planung und ist Grundlage für die Bereitstellung finanzieller Mittel durch den Senat.

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Wie berichtet, sollen auf dem 15 Hektar großen Areal bis zu 1250 Wohnungen entstehen – mindestens ein Viertel davon für Menschen mit kleinem Budget. Die Hälfte der Fläche ist für Gemeinschaftseinrichtungen und Gewerbe reserviert. Wann gebaut wird, steht laut Vertrag noch nicht fest.

Die Fraktion der Linken lehnt die Planung der Stadt gemeinsam mit dem Investor WPD ab. "Wir halten diesen städtebaulichen Vertrag für falsch", sagte die bau- und stadtentwicklungspolitische Sprecherin, Claudia Bernhard. Die Linken protestieren damit nach eigenen Worten gegen den Ausverkauf kommunaler Flächen an Privatbesitzer. "Beim Kellogg-Quartier wäre die Alternative, jetzt die Kauf-Option zu ziehen", so Bernhard.

Allein könnte die Stadt das Gebiet so planen und bebauen, dass optimale soziale, städtebauliche und verkehrspolitische Ergebnisse erreicht werden. Die Beteiligung eines Investors blockiert nach Ansicht Bernhards mögliche Entscheidungen über eine Weserbrücke in Verlängerung des Hansators und über die Vergabe der Grundstücke vorrangig in Erbpacht.

Kritik übte auch Lencke Steiner von der FDP. Zwar sei der städtebauliche Vertrag grundsätzlich ein Schritt in die richtige Richtung. Nicht ausgereift sei jedoch das Mobilitätskonzept. "Die Realität zeigt, dass gerade in der Überseestadt viele Menschen nicht auf ein Auto verzichten wollen oder können", so Steiner. "Die Bebauung des Kellogg-Geländes wird die Verkehrssituation in der Überseestadt weiter verschärfen."

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Wie Steiner drängte auch der stadtentwicklungspolitische Sprecher der Grünen, Robert Bücking, auf eine zukunftsfähige Verkehrsanbindung: „Die kluge Organisation des Verkehrs ist ein absolutes Muss, wenn dort nicht alles im Stau versinken soll." Mit der Entstehung des neuen Quartiers müsse die Straßenbahn in der Überseestadt bis zum Waller Sand verlängert werden. Ebenso gelte es, eine Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Weser nach Woltmershausen zu bauen und die Stadt so weiter zu verbinden, so Bücking.

Dieter Reinken (SPD) erwartet eine "intensive Diskussion über die Verkehrserschließung und die Einbeziehung der alten Überseestadt". Reinken: "Ich finde sehr positiv, was sich hier entwickelt hat. Sowohl das Ergebnis als auch der Prozess zeigt, dass in Bremen eine ganze Menge geht." Nach Ansicht Jörg Kastendieks (CDU) ist es den Beteiligten gelungen, wirtschaftliche, städtebauliche und gesellschaftliche Interessen in Einklang zu bringen. Nun müsse der Senat ausreichend Planungskapazitäten und die notwendigen Haushaltsmittel bereitstellen, fordert die CDU.

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Noch zu Beginn dieses Jahres hatte es Unstimmigkeiten zwischen den Ressorts Bau und Wirtschaft darüber gegeben, wer das neue Quartier entwickeln darf. Bis Jahresende soll unter Beteiligung der breiten Öffentlichkeit weiter geplant werden. Die Ergebnisse sollen im Sommer 2019 vorliegen. Klaus Meier von der WPD-Tochterfirma Europa Immobilien kündigte an, zuerst Schulen und Kitas einrichten zu wollen. "Wir sollten zügig mit zwei, drei Bestandsimmobilien starten."

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