Drehbeginn in Bremen im Mai Großes Casting für "Neue Vahr Süd"

Bremen. Sven Regners Roman "Neue Vahr Süd" soll verfilmt werden. Dazu benötigt die Produktionsfirma noch Komparsen. Gestern war das Casting im Weserhaus. Hunderte Menschen folgten dem Aufruf.
12.04.2010, 06:53
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Großes Casting für
Von Frauke Fischer

Bremen. Wer ins Fernsehen will, braucht vor allem eines: Geduld. Viele Menschen, etliche mit Halstüchern und Lederjacken, langen Pullovern und Turnschuhen, Vollbärten, karierten Hemden und Boots, trotzten deshalb gestern gelassen dem Nieselregen. Die Warteschlange ringelte sich ums Weserhaus von Radio Bremen. Ihr Ziel: eine Rolle in 'Neue Vahr Süd'.

Zwischen den Leuten und dem Kurzauftritt im geplanten Film nach dem gleichnamigen Roman von Sven Regener stand das erste Casting der Produktionsfirma Studio Hamburg/ Hannover GmbH. Regieleute, Producerin, Maskenbildnerinnen und viele Helfer standen und saßen bereit, in der Masse von Gesichtern jene zu sichten, die dem Film glaubwürdig die Atmosphäre der achtziger Jahre verleihen. Als Komparsen und Statisten sollen 500 bis 700 die von Regener geschilderte Welt von Hauptfigur Frank Lehmann zwischen Vahr und Viertel, 'Römer' und Rekrutenvereidigung, zwischen Wohngemeinschaft und Wehrdienst lebendig machen.

Das war genau mein Leben', erzählte Christian Lohfeld. 1958 geboren, wuchs er in Bremen auf, bewegte sich in den gleichen Ostertorkneipen wie Regeners Held Frank Lehmann und wie der Autor selbst. Heute wohnt er mit Familie in Osterholz-Scharmbeck und ist zum Casting auch eher gekommen, um Sohn Max ein bisschen Einblick zu bieten. 'Er interessiert sich sehr für die Regiearbeit.' Max, 13 Jahre alt, kennt den Roman, in dem sein Vater sich wiederfindet, als Hörbuch. Eine Lederjacke aus der Zeit und eine Zündapp C50, Baujahr 1974, wie der Vater hat er natürlich nicht zu bieten. Doch mit der Casting-Nummer 83 ist die Familie samt Hund Cindy auf Fotos und Formular festgehalten worden. Helmut Fulss, erster Regieassistent, hat sie befragt, nach Interessen, Talenten und Beweggründen, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. 'Ich habe mein Moped als Requisite angeboten. Nun wird man sehen', sagt Christian Lohfeld.

Witzige Familie

Auch bei Franziska von den Driesch und Anselm Hötte könnte sich die Produktionsfirma in nächster Zeit melden. Das Paar aus der Neustadt mit den Söhnchen Theodor, sechs Monate alt, und Johann, zweieinhalb Jahre, hat Eindruck gemacht. Diese echten roten Haare der Fotografie-Studentin, dann der dichte Vollbart bei ihm, die kräftigen Jungs auf dem Arm... 'Ihr seid ?ne witzige Familie. für euch finden wir etwas', sagt Hellmut Fulss und schickt Anselm Hötte noch zu Maskenbildnerin Manuela Franke. 'Die Haare so lassen und den Bart unbedingt wachsen lassen', bittet sie. So kommt der Bremer dem Bild des Achtziger-Jahre-Mannes noch näher. Altersmäßig ist der 35-Jährige indes kein Kind der Zeit. 'Wir sind von unseren Nachbarn überredet worden herzukommen. Wir haben auch das Buch nicht gelesen', sagt Franziska von den Driesch. Falls es mit der Rolle etwas wird, könnte es in den nächsten Wochen dann doch mal aufgeblättert werden.

Marius Hinte und Lina Jurga haben damit schon begonnen. 'Wir haben ,Herr Lehmann? in der Schule gelesen. Und sind so auf den Autoren gekommen', erzählen die 19-Jährigen. Eine Stunde haben sie in der Schlange auf die Registrierung im zweiten Stock gewartet. 'Wir spielen Theater, aber ein professionelles Filmcasting haben wir noch nie mitgemacht.'

Jeans, Lederjacke, Turnschuhe und Halstuch - das passt offenbar heute wie damals. Tattoos und Piercings sind eigentlich tabu, hatte es schon im Aufruf von Radio Bremen geheißen. In den achtziger Jahren trug man so etwas nicht. Aber vielleicht bringt René Marechal die 'Jugendsünde mit 15' doch noch eine Komparsenrolle ein. Die Tätowierung auf seinem linken Unterarm ist immerhin selbstgestochen. 'Wie das damals eben so war', sagt der Nordenhamer.

Den ganzen Mann mit dem leicht angegrauten Lockenkopf und Bart könnte man sich ohne weiteres beim Bier im 'Römer' oder inmitten der Demo vorstellen. Wenn es mit den Rollen etwas wird, gibt?s für die Komparsen eine Komplettverwandlung. 'Schließlich drehen wir einen historischen Film. Jeder Kleindarsteller ist handverlesen. Aussehen, Kleidung, Körperhaltung, sogar die Lebenseinstellung müssen stimmig sein', sagt Producerin Annett Neukirchen. Ab Mai soll in Bremen gedreht werden, an Originalschauplätzen am Sielwall, am Weserstadion, wo anlässlich der Rekrutenvereidigung damals die Friedensdemo zur Schlacht zwischen Polizei und Demonstranten eskalierte. 'Innenaufnahmen werden in Köln gedreht', sagt Annett Neukirchen. Im Herbst soll die Produktion für die ARD abgeschlossen sein. Eine Preview in einem hiesigen Kino könnte es geben. Die Producerin schwärmt: 'Das sind wir den Bremern schuldig. Wir sind alle begeistert, wie gut das hier läuft.'

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