Besichtigung des Bauplatzes für die "Oldenburger Kurve" / Lokalpolitiker entwickeln Vorschläge für die Fläche

Grüne sehen Bahnbrache als Trumpf

Mitte·Findorff. Mitten in der Stadt hat sich völlig ungestört über Jahrzehnte die Natur ihren Raum erobert. Ein erstaunter Wildcamper grüßt die seltenen Besucher. Das einsame Gelände dient manchen mutigen Findorffern unerlaubterweise als Schleichweg in Richtung Hauptbahnhof oder in die Innenstadt, weiß jemand aus der Gruppe. Dass an dieser Stelle einst Gleise lagen, davon zeugt noch das alte Schotterbett.
06.10.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

Mitte·Findorff. Mitten in der Stadt hat sich völlig ungestört über Jahrzehnte die Natur ihren Raum erobert. Ein erstaunter Wildcamper grüßt die seltenen Besucher. Das einsame Gelände dient manchen mutigen Findorffern unerlaubterweise als Schleichweg in Richtung Hauptbahnhof oder in die Innenstadt, weiß jemand aus der Gruppe. Dass an dieser Stelle einst Gleise lagen, davon zeugt noch das alte Schotterbett.

Die Findorffer Grünen nahmen in der vergangenen Woche den Ort in Augenschein, auf dem die "Oldenburger Kurve" ausgebaut werden soll. Mit dabei waren der grüne Bürgerschaftsabgeordnete Ralph Saxe aus Schwachhausen und Michael Rüppel, der Sprecher des Beirates Mitte. Die Ortsbesichtigung bestätigte, wie unmittelbar das Thema den Stadtteil Findorff betrifft. Und sie diente dazu, ein lange vergessenes städtisches Kernstück ganz neu zu betrachten. Findorff, Utbremen und die Innenstadt sind in Sichtweite.

Wie nahe der Lärm der zusätzlichen Güterzüge den umliegenden Wohnstraßen und der Plantage kommen wird, ist augenfällig. Etwa in Höhe der Herbststraße würde das neue Gleis in Richtung Weser abbiegen, sagteMichael Rüppel. Ein zweites Gleis soll den zusätzlichen Güterverkehr aufnehmen können, der nach der Fertigstellung des Jade-Weser-Ports in Wilhelmshaven zu erwarten ist. Nach Prognosen der Bahn werden ab 2012 doppelt so viele Güterzüge wie heute zwischen Bremen und Wilhelmshaven verkehren, insgesamt rund 140, tagsüber und nachts - unsere Zeitung berichtete.

Mit der Zahl der Züge wird auch die Zumutung für die Menschen größer, die in den angrenzenden Gebieten leben und arbeiten - wenn die Bahn nicht umfassende Maßnahmen zum Lärmschutz vornimmt. Diese Sorge hat den Beirat Mitte auf den Plan gerufen, auf dessen Gebiet sich das Gelände befindet. Mittlerweile haben sich auch andere Stadtteilparlamente, darunter der Findorffer und der Waller Beirat, dem Appell angeschlossen.

"Die Leute ziehen doch jetzt schon weg, weil es ihnen zu laut ist", erzählte ein Findorffer. Schon heute habe die Lärmbelastung der Anwohner vor allem in der Kastanienstraße, Würzburger Straße, Tarmstedter Straße und Andreestraße "die Grenze des Zumutbaren" erreicht, sagen die Findorffer Grünen. Die Lärmwerte in diesen Straßenzügen lägen schon heute im gesundheitsschädlichen Bereich zwischen 65 und 75 Dezibel, heißt es in ihrem "Positionspapier Bahnlärm". Dass sich irgendwann die Plantage zu einem Mischgebiet entwickeln könnte, in dem man auch gut und gerne leben kann, wäre durch die zusätzliche Belastung ausgeschlossen, fürchten die Grünen. Die bisher von der Bahn vorgesehenen Lärmschutzmaßnahmen seien "völlig unzureichend", heißt es in dem Papier weiter.

Mit den Plänen tun sich aber auch Visionen auf. Das Brachland zwischen Gleisanlagen und Hemmstraße, das nicht von dem Bauvorhaben betroffen ist, befindet sich seit Jahrzehnten in einem Dornröschenschlaf. Nachdem die Bahn die alte Trasse vor Jahren aufgegeben hatte, sollte hier einmal ein "Promotionpark" entstehen. Mangels Investoren seien diese Pläne allerdings ad acta gelegt worden, sagte Michael Pelster aus dem Grünen-Landesvorstand. Die Entwicklungen rund um die Universität und in der Überseestadt waren vorrangig behandelt worden.

Wenn das neue Gleis kommt, könnte aber auch das Stück Land mitten in der Stadt wieder ins Blickfeld rücken. "In Stuttgart wollen sie wegen einer solchen Fläche den ganzen Bahnhof tiefer legen - und wir haben sie schon", sagte Ulf Jacob von den Findorffer Grünen.

Die Grünen könnten sich das Gelände als grüne Lunge vorstellen, die auch gleichzeitig als Lärmpuffer dienen würde, sie wünschen sich einen innerstädtischen Park mit Erdwällen und Bäumen. Denkbar wären für sie auch temporäre Nutzungen wie ein Freiflächensolarpark, Flächen für gärtnerische Projekte oder Hundeauslaufzonen. Außerdem könnten dort richtige Verbindungen zwischen den Stadtteilen Walle und Findorff und der Innenstadt entstehen.

Ihre Hoffnung gründet sich auf die Tatsache, dass sich das Gelände in städtischem Besitz befindet. Die Grünen fordern die Stadt auf, den Verkauf an die Bahn an Bedingungen zu knüpfen. Dazu gehört, dass außerstädtische Umgehungstrassen geprüft werden, dass den betroffenen Gebieten vollständiger Lärmschutz garantiert wird, und dass die Entwicklungsperspektiven der angrenzenden Gelände nicht beeinträchtigt werden.

Die Fläche sei ein "Trumpf, den man nutzen muss", bestätigte auch Bürgerschaftsmitglied Ralph Saxe bei der Ortsbegehung. "Es gibt eine Reihe von Leuten, die die Planungen als großes Problem betrachten", betonte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen. "Und die sind durchaus krawallig drauf."

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