Interview mit HfK-Rektor

Grüner: "Es sind neue Strategien erforderlich"

Der Wissenschaftsplan 2020 führt zu Kürzungen und Schließungen von Fachbereichen an der Bremer Universität und der Hochschule Bremen. Ebenfalls betroffen von den Sparvorgaben des rot-grünen Senats ist die Hochschule für Künste (HfK).
07.04.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Der Wissenschaftsplan 2020 führt zu Kürzungen und Schließungen von Fachbereichen an der Bremer Universität und der Hochschule Bremen. Ebenfalls betroffen von den Sparvorgaben des rot-grünen Senats ist die Hochschule für Künste (HfK). Hier ist der Studiengang Kirchenmusik bedroht. Iris Hetscher hat darüber und über das Selbstverständnis der HfK mit deren Rektor, Professor Herbert Grüner, gesprochen.

Frage: Herr Grüner, auch die HfK ist von den Sparvorgaben des Wissenschaftsplans betroffen. Zur Disposition steht der Studiengang Kirchenmusik – haben Sie da schon eine Entscheidung gefällt?

Grüner: Die Hochschule für Künste hat im Wissenschaftsplan den klaren Auftrag erhalten, sich im Bereich Musik zu konsolidieren, die Profilbereiche aber zu stärken. Gleichzeitig verlieren wir Gelder und Stellen. Diese Zielvorgabe können wir nur erreichen, wenn wir auch über Nachfrage und Angebot nachdenken. Und da ist die Kirchenmusik in der Tat ein Studienangebot, das wir bis 2020 mit großer Wahrscheinlichkeit auslaufen lassen müssen. Es ist unser kleinster und gleichzeitig teuerster Studiengang. Trotzdem ist das natürlich eine bittere Entscheidung.

Seit die Schließungspläne bekannt wurden, gibt es Proteste, vor allem von bundesweiten Organisationen wie dem Deutschen Musikrat, die sich an den Senat richteten. Ein Argument dabei ist stets, die Absolventen fänden schnell eine Stelle. Spricht das nicht für die Beibehaltung der Ausbildung?

In der Tat hat das eher bundesweit Aufgeregtheit produziert denn in Bremen, und die angeblich guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt wurden neben dem kulturellen Stellenwert stets betont. Doch in den Briefen an die Bildungssenatorin Eva Quante-Brandt wurde gleichzeitig gefordert, sie solle mehr Geld locker machen. Das macht sie nicht, daher bleibt das ursprüngliche Problem bei uns bestehen.

Sie haben den Schwarzen Peter.

So ist es. Wir werden daher ein kirchenmusikalisches Angebot aufrecht erhalten als Teil des Profilbereichs Alte Musik, aber wir werden dann keine Kirchenmusiker mehr ausbilden. Der Studiengang mit drei Studienplätzen für Bachelor- und drei für Master-Studenten pro Jahr kostet uns ungefähr 18 0 000 Euro. Mit dem Geld für einen Kirchenmusiker kann ich sechs Designer ausbilden. Es ist ja auch nicht so, als könnte man in Norddeutschland dann nicht mehr Kirchenmusik studieren: Das geht in Hamburg, Lübeck und Hannover. Man muss aber auch sagen: Die Bewerberzahlen waren seit Jahren bei uns rückläufig. Das Interesse, Kirchenmusiker zu werden, nimmt offenbar ab.

Wenn dieses Studium so teuer, so aufwändig und so unbeliebt bei den Bewerbern ist, stellt sich die Frage, warum Sie den Studiengang nicht schon vor Jahren eingestellt haben.

Die Diskussion führen wir tatsächlich schon seit längerer Zeit, auch mit der katholischen und der evangelischen Kirche. Aber auch diese beiden Partner sehen sich nicht mehr in der Lage, dauerhaft die erforderlichen Gelder zur Verfügung zu stellen. Außerdem verlieren wir durch den neuen Wissenschaftsplan 2,3 Stellen. Das ist für eine Hochschule unserer Größe mit dann noch 59 Professuren ein drastischer Einschnitt. Da sind jetzt neue Strategien erforderlich.

Sie haben gesagt, mit dem Geld, das Sie bei der Kirchenmusik sparen, können Sie sechs Designer ausbilden. Haben diese Absolventen gute Berufschancen in Bremen, bleiben die in der Stadt?

Wenn man sich die Bremer Design-Agenturen anschaut, dann sehen wir, wo unsere Absolventen bleiben. Es gibt hier durchaus einen differenzierten Arbeitsmarkt. Das kann man für den Bereich der Freien Kunst nicht sagen, dort sind andere Beschäftigungsmodelle gefragt, die aber auch mehr und mehr entwickelt werden.

Welche?

Ein Beispiel ist das Thema Kochen – darüber kann man durchaus kulturelle Werte vermitteln, und das im Zusammenhang mit freier Kunst. Das geht von Kochevents bis zu einem Café, das einer unserer Absolventen aufgemacht hat. In dem bietet er seinen Besuchern an, kreativ zu werden.

Ist Bremen stolz genug auf seine junge Designer- und Künstlerszene, gibt es genug Unterstützung beispielsweise auch von der Wirtschaftsförderung?

Ich erkenne schon, dass es in Bremen eine Wertschätzung gibt. Ich sehe uns als Hochschule für Künste aber auch in der Rolle, immer wieder darauf hinzuweisen: Was machen wir? Warum machen wir es? Wo sind die Mehrwerte? Ich werbe daher bei Gesprächspartnern immer dafür, Kunst nicht als Umsonst-Kultur wahrzunehmen. Kunst entsteht in einem anspruchsvollen kreativen Prozess – da fallen außerdem beispielsweise Herstellungs- oder Transportkosten an und da arbeiten Profis, die hoch qualifiziert sind und angemessen bezahlt werden müssen. An der Einsicht mangelt es manchmal. In Bremen kommt man darüber aber recht gut und schnell ins Gespräch. Man muss beharrlich sein.

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