Gemüse soll Aufschluss über Schadstoffbelastung liefern Grünkohl an Start-und Landebahn

Am Bremer Flughafen wird Grünkohl angebaut: Das Wintergemüse soll Klarheit über die Luftverschmutzung bringen. Die Daten des Experiments sollen einem holländischen Flughafen zum Vergleich dienen.
17.09.2014, 01:00
Lesedauer: 2 Min
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Von ANNA-FRANZISKA KAUFMANN

Am Flughafen wird Grünkohl angebaut: Das Wintergemüse soll Klarheit über die Luftverschmutzung bringen. Die Daten des Experiments sollen einem holländischen Flughafen zum Vergleich dienen.

Es sind zwei Mini-Gärten, die an einem ungewöhnlichen Ort angelegt worden sind: an der Start- und Landebahn. Betreut werden sie von Dietmar Dencker, Leiter des Umweltmanagements am Flughafen. Warum er ausgerechnet hier die Gärten angelegt hat? Mithilfe der Pflanzen soll nach seinen Angaben die Schwermetallbelastung in der Luft ermittelt werden, die von den Flugzeugen verursacht wird.

Auftraggeber des Projekts ist der niederländische Flughafen Lelystad in der Nähe von Amsterdam. Lelystad ist bekannt für seine Landwirtschaft. Die in der Nähe des Flugplatzes angebauten Nahrungsmittel werden unter anderem auch zur Herstellung von Babynahrung verwendet. Wegen des zunehmenden Misstrauens der Bauern in die tatsächliche Schadstoffbelastung interessierte man sich in Lelystad für Vergleichsdaten aus Bremen. Die beiden Flughäfen haben eine ähnliche Größe.

Deshalb wurden im April Spinat- und im September Grünkohlpflanzen gepflanzt: Eine im Sommer und eine im Winter wachsende Pflanze – so sind ganzjährige Messungen möglich. Die Pflanzenarten seien ganz gezielt ausgesucht worden. Dietmar Dencker: „Beide Gemüsesorten eignen sich wegen ihrer Großblättrigkeit gut für dieses Pflanzenmonitoring.“ Wissenschaftler schätzen ihre Eigenschaft als sogenannte Bio-Indikatoren auch deshalb, weil sie bestimmte Luftschadstoffe anreichern – wie eben auch Schwermetalle.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Methode im Gegensatz zu technischen Messungen billiger und gut vorstellbar ist. „Jeder weiß, was ein Grünkohl ist. Das macht die Methode sehr transparent“, so der Leiter des Umweltmanagements.

Ende Januar soll der an der Startbahn angebaute Grünkohl geerntet und zur Untersuchung nach Holland geschickt werden. „Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse, eine Untersuchung in dieser Art ist die erste am Bremer Flughafen“, erzählt Dietmar Dencker.

Erste Erfahrungen mit Grünkohl an Flughäfen gibt es bereits. Unter anderem in Berlin, Frankfurt, Dresden und München kam der Grünkohl an den Start- und Landebahnen zum Einsatz. Die Ergebnisse fielen unterschiedlich aus. „Selbst, wenn man eine Schwermetallbelastung bei den Pflanzen feststellt, ist nicht gesichert, ob diese tatsächlich vom Flughafen stammen“, sagt Dietmar Dencker.

Um die möglichen Schadstoff-Urheber auf ein bestimmtes Gebiet einschränken zu können, wurde ein dritter Mess-Punkt in Stuhr aufgestellt. Die Pflanzen stehen an allen Standorten in Kunststoff-Kübeln mit der gleichen unbelasteten Erde. „Es geht bei dieser Messung darum, die Menge der in der Luft befindlichen Schwermetalle, wie Quecksilber, Kadmium, Chrom und Blei, zu ermitteln.“

Dass womöglich niedrige Schadstoff-Messwerte in Bremen Anlass sein könnten, in der unmittelbaren Umgebung des Flughafens künftig Nahrungsmittel anzubauen, schließt Dencker jedoch aus. Er stellt klar: „Wir machen diese Studie aus reinem Interesse und um dem Flugplatz in Lelystad einen Vergleich zu liefern.“

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