Umweltbetrieb-Personalrat skizziert düsteres Bild Grünpflege scheitert an Finanzlage

Bremen geht mit den Beschäftigen des Umweltbetriebs geradezu feindlich um. Diese Auffassung vertritt der Personalratsvorsitzende Bernhard Esters. Der Personalrat war jetzt in Farge Gast einer SPD-Diskussionsrunde, bei der es um die Rahmenbedingungen der Grünpflege ging. Der Zustand der Grünanlagen im Stadtgebiet ist nach Esters’ Ansicht dramatisch.
20.01.2015, 00:00
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Von Ulf Buschmann

Bremen geht mit den Beschäftigen des Umweltbetriebs geradezu feindlich um. Diese Auffassung vertritt der Personalratsvorsitzende Bernhard Esters. Der Personalrat war jetzt in Farge Gast einer SPD-Diskussionsrunde, bei der es um die Rahmenbedingungen der Grünpflege ging. Der Zustand der Grünanlagen im Stadtgebiet ist nach Esters’ Ansicht dramatisch.

Es müsse endlich eine offene politische Diskussion darüber geführt werden, was der Stadtgemeinde Bremen ihre Grünflächen wert sind, welche Leistungen der Umweltbetrieb erbringen soll und wie die Lage der Beschäftigten ist. Diese Forderungen stellte Bernhard Esters in den Raum.

Der Personalratsvorsitzende des Umweltbetriebs Bremen (UBB) und seine Stellvertreterin Gabi Schmidt waren am Wochenende zu Gast bei der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen. Die Sozialdemokraten hatten sich zum Dialog in Farge getroffen. Bernhard Esters und Gabi Schmidt widmeten sich dem Thema „Arbeiten am Limit – die Erfüllung öffentlicher Aufgaben mit knappen finanziellen und personellen Ressourcen“.

Gartenbauamt, Stadtgrün, Umweltbetrieb, Eigenbetrieb oder Anstalt öffentlichen Rechts: Aufgaben, Zuschnitte und Namen des heutigen Umweltbetriebs haben sich in den vergangenen Jahren häufig geändert. Nur eines ist aus Sicht des Personalrats geblieben: Das Personal schrumpfe und Geld gebe es immer weniger. Wobei Bremen-Nord noch recht gut aufgestellt sei, machten Esters und Schmidt deutlich. Dafür sei die Lage der Grünflächen im Rest der Stadt umso dramatischer.

Die Folge: Wie berichtet, können die Mitarbeiter, die für die kommunalen Grünflächen zuständig sind, in den meisten Fällen nur dafür sorgen, dass in Parks oder bei einzelnen Bäumen die Verkehrssicherheit gewährleistet ist. Alles anderes muss hintenan stehen. Allein für die Verkehrssicherung gingen nach Angaben von Esters 80 Prozent des Budgets drauf.

Gabi Schmidt schilderte zudem, dass dem Umweltbetrieb der Arbeitnehmer-Mittelbau zwischen 30 Jahren und Mitte 40 fehle. Die Ursache: „Wir haben jahrelang keine Leute eingestellt.“ Die Folgen seien jetzt spürbar. Die älteren Mitarbeiter hätten kaputte Knochen und fielen länger aus, die Kolonnenstrukturen würden dadurch auseinanderbrechen.

Im Gegensatz zur Wirklichkeit beim Umweltbetrieb stünden immer neue Wünsche der Politik, wie die groß angekündigte Neupflanzung von Bäumen. Sie sei inzwischen wegen fehlender Mitarbeiter ausgesetzt, verdeutlichten Esters und Schmidt. Dabei sei die Übernahme von Baumpatenschaften – wie vom zuständigen Bau- und Umweltsenator Joachim Lohse propagiert – nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Esters sagte: „So was geht wohl auf dem Dorf, aber nicht in einer 500 000-Einwohner-Stadt.“

Der Betrag Geld, den die einzelnen Senatsressorts für die Leistungen in Sachen Grünflächen an den Umweltbetrieb zahlten, sei sehr gering. „Wir liegen da im Vergleich zu anderen Städten am unteren Ende der Skala“, betonte der Personalratsvorsitzende. Der seit dem Jahr 1999 freigestellte Arbeitnehmervertreter zog denn auch eine vernichtende Bilanz: „Es ist ausgeprägt feindlich, wie Politik und Verwaltung mit den Beschäftigten des Umweltbetriebs Bremen umgehen. So etwas habe ich aus keiner anderen Stadt gehört.“

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