Immobilienpreise Grundstückspreise steigen sprunghaft

Der Bremer Gutachterausschuss für Grundstückswerte hat jetzt neue Bodenrichtwerte für das Stadtgebiet festgelegt. Nur in ganz wenigen Wohnquartieren ist der Quadratmeter noch unter 100 Euro zu haben.
11.03.2019, 18:25
Lesedauer: 6 Min
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Grundstückspreise steigen sprunghaft
Von Detlev Scheil

Bremen. Die starke Nachfrage nach Baugrundstücken und Immobilien lässt deren Preise bremenweit sprunghaft steigen. Das zeigen die jüngsten Auswertungen des unabhängigen Gutachterausschusses für Grundstückswerte, die zu neuen, höheren Bodenrichtwerten geführt haben. In Teilen des Bremer Westens beispielsweise könne man von einer preislichen Aufholjagd sprechen, sagt Ernst Dautert, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte und stellvertretender Leiter von Geoinformation Bremen.

In Gebieten mit weit überdurchschnittlich hohen Bodenrichtwerten wie Schwachhausen und Östliche Vorstadt sei offenbar die Preisspitze allmählich erreicht, sodass die Richtwerte nur um fünf oder zehn Euro pro Quadratmeter erhöht worden seien, erläutert Dautert. „Viele andere Stadtteile haben Nachholbedarf. Das Preisniveau zog dort bei Verkäufen deutlich an und führte zu Aufschlägen von jeweils zehn bis 20 Euro.“

425 Angaben für Bremen

Für das Bremer Stadtgebiet sind zum Stichtag 31. Dezember 2018 insgesamt 425 Richtwerte neu bestimmt worden. Acht Richtwerte sind neu hinzugekommen, weil sich die Preise in den entsprechenden Zonen unterschiedlich entwickelt haben. Die Bodenrichtwerte sind nicht nur wichtige Orientierungswerte für Verkäufer und Kaufinteressenten, sondern auch für das Finanzamt unter anderem bei Erbfällen interessant. Künftig werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch eine Grundlage für die Berechnung der Grundsteuer sein. Die Richtwerte sind – wie der Name schon sagt – zwar nicht bindend, doch Käufer und Verkäufer bekommen mit diesen Werten gute Anhaltspunkte für die Festlegung des Kaufpreises eines unbebauten oder auch bebauten Grundstücks. Alle zwei Jahre wird die Bodenrichtwertkarte aktualisiert. Dafür wertet der Gutachterausschuss, dem neben Mitarbeiter von Geoinformation unter anderem Architekten, Makler sowie Vertreter von Bauträgern und der Finanzbehörde angehören, die aktuelle Kaufpreissammlung aus. Basis dieser Sammlung sind die notariell beglaubigten Käufe und Verkäufe von Grundstücken.

Nach der jüngsten Festsetzung reicht die Preisspanne bei Wohnbaugrundstücken von 30 Euro in Seehausen bis 1200 Euro pro Quadratmeter im Schwachhauser Ortsteil Barkhof sowie auf dem Stadtwerder nahe der umgedrehten Kommode und in der Spitze 1600 Euro an der Contrescarpe. Wegen der ungebrochen starken Immobiliennachfrage sind die Bremer Werte fast durchweg heraufgesetzt worden. Preisstillstand gibt es lediglich im dörflichen Strom und Seehausen.

Die höchsten Steigerungen bei Grundstücken für Reihen- und Einfamilienhäuser betreffen Huchting (plus 24 Prozent), Vegesack (plus 18 Prozent), die Vahr (plus 18 Prozent) sowie Osterholz und Blumenthal (jeweils plus 17 Prozent). Geht es um Bauland für Mehrfamilienhäuser, beträgt die Preissteigerung in den Stadtteilen Burglesum, Huchting, Osterholz, Vahr und Walle sogar mehr als 20 Prozent. „Das liegt daran, dass besonders in diesen Stadtteilen Eigentumswohnungen in Wohnanlagen zu stattlichen Preisen verkauft werden konnten“, erläutert Ernst Dautert. Dies sei auf die Bodenrichtwerte durchgeschlagen. Gerade die ältere Generation sucht derzeit verstärkt Wohnungen mit Fahrstuhl, die zu gehobenen Preisen angeboten werden. Neben Seehausen ist nur noch im Blockland sowie in den Blumenthaler Ortsteilen Rekum, Farge, Lüssum-Bockhorn und Rönnebeck sowie in Teilen von Oslebshausen der Quadratmeter Grund und Boden für weniger als 100 Euro zu haben.

Die Auswertungen im Einzelnen

Bremer Westen: Im Stadtteil Findorff, dessen Bodenrichtwerte seit Langem weit über dem Durchschnitt des Bremer Westens liegen, kostet ein Quadratmeter Boden mindestens 390 Euro. Der Höchstpreis liegt laut Richtwert derzeit bei 650 Euro im Bereich Regensburger Straße.

„Auch Lagen, die früher nicht so begehrt waren, haben inzwischen aufgrund der Immobilien-Knappheit gute Chancen“, stellt Ernst Dautert fest. Von dieser Entwicklung profitiert eindeutig Walle, das enorm aufgeholt hat und nun Richtwerte zwischen 310 Euro im Steffensweg und 450 Euro für Mehrfamilienhaus-Baugrundstücke in der Überseestadt aufweist. In Gröpelingen (ohne Oslebshausen) pendeln die Richtwerte zwischen 195 und 270 Euro.

Im Ortsteil Oslebshausen gibt es noch Teilbereiche, wo 90 Euro gezahlt werden, die Höchstmarke liegt in anderen Oslebshauser Quartieren bei 190 Euro. Der Burglesumer Ortsteil Grambke verzeichnet Bodenrichtwerte zwischen 130 und 180 Euro.

Links der Weser: In der Neustadt verläuft die Entwicklung schon seit einigen Jahren dynamisch. Bauplätze für Mehrfamilienhäuser in der Alten Neustadt, insbesondere auf dem Stadtwerder nahe der umgedrehten Kommode, sind nun mit einem Richtwert von 1200 Euro veranschlagt. Die übrigen Neustädter Ortsteile haben eine Bandbreite von 170 bis 480 Euro in Huckelriede, 430 bis 640 Euro im Buntentor, 430 bis 550 Euro in der Gartenstadt Süd, 500 bis 520 Euro im Hohentor, 480 bis 700 Euro im Zentrum Neustadt und 750 Euro in der Alten Neustadt.

Die Huchtinger Bodenrichtwerte pendeln zwischen 115 Euro in Mittelshuchting und bis zu 190 Euro in Grolland. Manche Teile Grollands sind aber auch mit 145 Euro veranschlagt. In Obervieland (ohne Habenhausen) sind 140 bis 250 Euro pro Quadratmeter zu berappen. Habenhausen ist mit Werten zwischen 200 und 330 Euro vertreten. Für den Stadtteil Woltmershausen ergibt sich ein Preisanstieg um 15 Prozent. Im Ortsteil Rablinghausen gelten Bodenrichtwerte zwischen 135 und 200 Euro, in Woltmershausen zwischen 225 und 270 Euro.

Der Bremer Osten: In Hemelingen, Osterholz und der Vahr werden Steigerungen um 16 bis 18 Prozent verzeichnet, im Geschosswohnungsbau in Osterholz sogar um 28 Prozent. Osterholz hat damit jetzt Bodenrichtwerte zwischen 145 und 300 Euro. Letzterer Wert wird erstmals in Alt-Osterholz erreicht.

Für den Stadtteil Hemelingen insgesamt ergibt sich ein Preisanstieg um 16 Prozent. Im Ortsteil Hemelingen gelten Bodenwerte zwischen 130 und 250 Euro, in Sebaldsbrück 155 bis 210 Euro, in Arbergen 150 bis 180 Euro und in Mahndorf 180 bis 220 Euro. Noch spürbar kostspieliger ist der Ortsteil Hastedt mit 320 bis 370 Euro.

In der Vahr betragen die Richtwerte 175 bis 230 Euro. Das vordere Schwachhausen ist abgesehen vom Spitzenwert 1200 Euro im Barkhof-Viertel mit Bodenpreisen zwischen 385 und 820 Euro verzeichnet. In Neu-Schwachhausen gelten 385 bis 620 Euro. In Horn-Lehe kletterten die Preise um 14 Prozent auf 240 bis 490 Euro. Oberneuland erlebte ebenfalls einen Preisanstieg um 14 Prozent auf 210 bis 300 Euro, und in Borgfeld stiegen die Preise um zwölf Prozent auf 230 bis 320 Euro.

Bremen Mitte: Im Ortsteil Hastedt liegt das Preisniveau zwischen 320 und 370 Euro. Fast gleich nebenan, in Hulsberg und Peterswerder, kletterten die mPreise auf 520 bis 725 Euro. Noch darüber liegen Fesenfeld mit 830 und das Steintor mit 1050 Euro pro Quadratmeter.

Info

Zur Sache

Neuer Überblick im Internet

Die Bremer Bodenrichtwerte können im Internet auf einer Plattform der niedersächsischen Gutachterausschüsse unter www.gag.niedersachsen.de gegen eine Gebühr abgerufen werden. Eine Nutzung für 15 Minuten, bei der auch Ausdrucke erstellt werden können, kostet fünf Euro. Abgerechnet wird über Giropay oder Paypal. Vielnutzer können ein Jahresabonnement abschließen. Die neuesten Bremer Bodenwerte sind momentan dort noch nicht online, in nächster Zeit sollen sie nach Auskunft von Geoinformation Bremen jedoch hinzugefügt werden.

Ab Dienstag, 12. März, geht außerdem der neue Internetauftritt „Boris-D“ mit der Adresse www.bodenrichtwerte-boris.de online. Dazu wird es auch eine App „Boris-D“ geben. Es handelt sich um ein kostenloses Bodenrichtwertinformationssystem für (fast) ganz Deutschland. Beteiligt sind beim Start zwölf Bundesländer, darunter auch Bremen und Niedersachsen. Baden-Württemberg, das Saarland und Sachsen-Anhalt sind noch nicht dabei, wollen sich aber mittelfristig anschließen. Ob auch Sachsen mitmacht, ist noch unklar. Die Bodenrichtwerte können in der Regel bis in das Wohnquartier hinein angeschaut werden, Ausdrucke sind aber in Bremen und Niedersachsen nicht zugelassen. Während Niedersachsen zum großen Teil bereits die topaktuellen Werte in „Boris-D“ zeigt, folgen die jüngsten Bremer Richtwerte erst in den nächsten Wochen, ältere Bremer Werte gehen jedoch sofort online.

Wer Bremer Kartenauszüge mit den Richtwerten wünscht, kann sie über das Service-Center Bau, Contrescarpe 72, Telefon 361 46 53, E-Mail Geodatenservice@geo.bremen.de bestellen. Ein Auszug bis DIN A3 kostet 25 Euro, ein Kartenblatt für einen Teilbereich Bremens 70 Euro, alle drei Karten für Bremen sowie die Karte für Bremerhaven 195 Euro.

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