Stiftungsfest des Ostasiatischen Vereins Bremen Gruß an die absent friends

Beim 119. Stiftungsfest des Ostasiatischen Vereins (OAV) gab es in diesem Jahr eine Rekord-Teilnahme von Exzellenzen aus „East of Suez“. Diesjähriges Gastland war Japan.
28.02.2020, 22:03
Lesedauer: 4 Min
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Gruß an die absent friends
Von Sigrid Schuer

Es ist seit 1901, dem Jahr, in dem das Stiftungsfest des Ostasiatischen Vereins Bremen zum ersten Mal gefeiert wurde, jedes Jahr aufs Neue ein Gänsehautmoment. In diesem Jahr schien der Hymne „Auld lang syne“ mit dem Gruß an die „absent friends“ noch einmal eine ganz besondere Bedeutung zuzukommen. Heißt es doch in Robert Burns’ Lied „Auf die alten Zeiten“: „Sollten alte Freunde vergessen sein und niemals ihrer gedacht werden? Wir leeren noch den Freundschaftsbecher auf die alten Zeiten“. So mancher der rund 400 Gäste aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik mag in der festlich illuminierten Oberen Rathaushalle bei diesen Zeilen den Opfern der Coronavirus-Epidemie in „East of Suez“ gedacht haben.

Sonst aber hieß es beim 119. Stiftungsfest des Ostasiatischen Vereins (OAV): „Same procedure as every year“. Nachdem das Fest mit dem großen Tempelgong pünktlich um 18 Uhr eingeläutet worden war, wurde das traditionelle Curry serviert und dazu Pink Gin kredenzt. Sinn und Zweck des Stiftungsfestes ist die Spendensammlung für das Hilfswerk Ostasien. Schon im Vorfeld des traditionsreichen Festes hatten Thomas Kriwat, Vorsitzender des OAV Bremen, und sein Stellvertreter Hans-Christian Specht betont, dass es keinen Grund zu vorschnellem Alarmismus gebe. „Wir sind – ebenfalls wie jedes Jahr – seit Wochen ausgebucht“, sagte denn auch Carolin Freeborn, bei der alle organisatorischen Fäden zusammenliefen. Lediglich eine einzige Absage gab es. Aufgrund der Empfehlung Japans, des diesjährigen Gastlandes des OAV, Reisen zu vermeiden, die nicht unbedingt nötig sind, hatte einer der beiden Ehrengäste, Tetsuo Narukawa, seine Teilnahme abgesagt. Narukawa ist unter anderem als externer Direktor für Mitsubishi tätig und Vorstandsmitglied der Deutsch Japanischen Wirtschaftsvereinigung DJW. Für ihn sprang S.E. Botschafter Takeshi Yagi ein. In Japan gebe es derzeit 191 Krankheitsfälle, so der Botschafter. Zweiter Ehrengast war Volker Stanzel, ehemaliger Botschafter in Japan und China und seit Mitte 2018 Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Darüber hinaus reisten zum Stiftungsfest keine Exzellenzen aus Ostasien an. Die in Berlin akkreditierten Botschafter sind alle in Berlin ansässig. Keiner kam direkt aus Asien.

Trotz der Corona-Krise konnte der OAV sogar eine der höchsten Zahlen von Exzellenzen aus „East of Suez“ der zurückliegenden Jahre verzeichnen. Sie wurden erstmalig von Bürgermeister Andreas Bovenschulte im Senatssaal begrüßt, bevor sie sich in das Goldene Buch eintrugen. 2019 waren es, der grassierenden Grippewelle geschuldet, gerade einmal sechs gewesen. In diesem Jahr nahmen am Stiftungsfest des OAV Botschafter Laurence Bay (Singapur), Botschafter Phomma Boutthavong (Laos), Botschafterin Maria Theresa Dizon-De Vega (Philippinen), Vize-Botschafter Yul Edison (Indonesien) und Botschafter Rupert Holborow (Neuseeland) teil. Ferner die japanische Generalkonsulin Kikuko Kato aus Hamburg, Botschafter Ramesh Prasad Khanal (Nepal), Botschafter Ahmed Latheff (Malediven), Botschafterin Yin Yin Myint (Myanmar), Vize-Botschafter U. Ahamed Razee (Sri Lanka), Botschafterin Sopharath Touch (Kambodscha) und Botschafterin Lynette Wood (Australien).

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Kriwat, der dieses Jahr auch Schaffer war, und Specht sagten bereits im Vorfeld des Stiftungsfestes, dass die Lage insbesondere in China globale Auswirkungen habe: „Natürlich betrifft es uns alle, die im Handel und Verkehr intensiv mit Asien und natürlich insbesondere mit China zu tun haben. Im- und Exportmengen sind stark betroffen. Abfahrten von und nach China sind bis in den April hinein reduziert“. Zusätzlich zu den Sorgen um Menschenleben trieb das auch die beiden Ehrengäste Takeshi Yagi und Volker Stanzel um. So schilderte Yagi die Lage in Japan: „Toyota hat seine unter dem Eindruck der Ausbreitung der Corona-Viruserkrankungen zeitweilig stillgelegte Pkw-Fabrik in der chinesischen Stadt Chengdu inzwischen wiedereröffnet und seine insgesamt vier Werke in China wieder in Betrieb genommen“. Allerdings werde auch die Ausbreitung von Erkrankungen berücksichtigt: Zum Beispiel habe Nissan die Bekanntgabe eines neuen Fahrzeugmodells als Liveübertragung ins Internet verlegt und auch Sony die Präsentation seines neuen Smartphones auf Video umgestellt. Stanzel hob die wohltuende Dezenz der japanischen Regierung gerade im Vergleich der sich verschärfenden populistischen Tendenzen in Europa hervor. Scharf verurteilte er die gegenwärtige „Bedrohung der auf Zusammenarbeit ruhenden Ordnung der Welt durch das neoimperiale Russland“. Seine weitere Forderung: „Wir müssen dort gegenhalten, wo China versucht, die internationalen multilateralen Regeln auszuhebeln“. Und Stanzel betonte: „Mit Japan teilen wir demokratisches Denken und die Werte der Aufklärung“. Takeshi Yagis Resümee: „Die Beziehungen zwischen Japan und Deutschland sind so gut wie noch nie“.

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