Bremerhavener Forscher feiert Geburtstag

Günther Behrmann: Ein Leben für die Wale

Der international anerkannte Forscher Günther Behrmann ist auch mit fast 90 noch als Experte gefragt. Sein Wissen über die Wale hat den Bremerhavener in den vergangenen Jahren rund um den Globus geführt.
06.04.2020, 09:01
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Von Helmut Stapel
Günther Behrmann: Ein Leben für die Wale

Günther Behrmann bei der Restaurierung eines Pottwals. Der Meeresbiologe aus Bremerhaven wird am Montag 88 Jahre alt.

Er hat rund um den Globus Walskelette in Museen installiert, viel beachtete Erkenntnisse zur Biologie der großen Meeressäuger geliefert und sich zeitlebens für den Schutz der Meere eingesetzt: Günther Behrmann. An diesem Montag feiert er in Bremerhaven seinen 88. Geburtstag. International ist er trotz oder gerade wegen seines Alters noch immer als Experte gefragt.

Wenn Wale und Günther Behrmann eines gemeinsam haben, dann ist es der Dickschädel – denn aufzuhalten war der Meeresforscher nie. Das beginnt mit seiner Flucht aus der ehemaligen DDR Anfang der 1950er-Jahre und und geht bis zum Bremerhavener Nordseemuseum, für dessen Erhalt er sich bis zur Schließung im Jahr 1984 eingesetzt hat. Wo andere stehenbleiben, macht Günther Behrmann weiter – und das im wahrsten Sinne des Wortes auch bei Walen.

Hundert tote Wale seziert

„So ein toter, gestrandeter Wal ist ja keine angenehme Sache“, sagt er. Mit den grauen Haaren und dem Bart hat Behrmann ein bisschen was vom Gänseforscher Konrad Lorenz. „Der Kadaver riecht nicht unbedingt gut. Aber wer etwas herausfinden will, darf sich davon nicht abschrecken lassen.“ So hat der ausgebildete Tierpräparator in seinem Leben Hunderte verendete Wale seziert und untersucht.

Mit seinen Forschungen hat er das Rätsel gelöst, wie Wale Unterwasser eigentlich hören und vor allem auch, wie die ehemaligen Landsäugetiere tief unter der Wasseroberfläche überhaupt riechen können. „Die Nase selbst ist beim Übergang in den Schädel verschlossen. Es gibt davor aber eine Nasenröhre mit Riechfeldern. Von dort aus wird der Geruch – zum Beispiel von Beutetieren im Wasser – über den Trigeminusnerv direkt ins Gehirn geleitet“, erklärt der Walforscher. Und auch einen Teil des Wissens um den Aufbau von Walgehirnen verdankt die Welt Günther Behrmann: „Also eines steht fest: Walgehirne sind den Gehirnen von Menschen haushoch überlegen.“

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Über die Jahrzehnte hat Behrmann sich mit so vielen verschiedenen Walarten beschäftigt, dass er jeden noch so großen oder auch kleinen Knochen kennt – und wurde zum gefragten Experten für die Installation von Walskeletten in Museen. Pottwale, Zwergwale, Schwertwale – wo immer ein Wal gestrandet war und für die Öffentlichkeit konserviert werden sollte: Günther Behrmann wurde gerufen. „Ich war gerade in Portugal zu einem Vortrag, als ich dort einen Brief aus London bekam. Die hatten eine Anfrage aus dem Oman, weil dort ein Wal gestrandet war“, erinnert er sich.

Was er zu dem Zeitpunkt aus der Ferne noch nicht wusste: Es war ein extrem seltener Zwergpottwal aus der Tiefsee, nur 1,90 Meter lang. Pottwal-Bullen werden normalerweise bis zu 20 Meter lang. „So kommt es, dass heute das weltweit einzige Skelett eines Zwerg-Pottwals im Naturkunde-Museum in Muscat im Oman hängt“, sagt Behrmann. Und wo er schon mal vor Ort war, hat er gleich neun weitere Walskelette im omanischen Staats-Museum aufgehängt. „Ich bekam sofort einen Drei-Jahres-Vertrag für den Aufbau dieser Abteilung“, sagt der Wissemschaftler.

Auf der Geburtstagsfeier des Sultan von Oman

Der Sultan sei so begeistert von der Arbeit gewesen, dass er Behrmann gleich zweimal zu seiner Geburtstagsfeier eingeladen habe. „Tolle Sache“, schwärmt der Walforscher noch heute und zeigt stolz einen reich verzierten Dolch, den er nach eigenen Angaben als Anerkennung für seine Leistung im Oman geschenkt bekommen hat. Die Karibik, die Malediven, Madeira, Deutschland – die Behrmanns Arbeiten sind an vielen Orten zu sehen. Ein 18 Meter langes Pottwal-Skelett hängt auch im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven. Und Ausstellungsstücke des ehemaligen Nordseemuseums sind im Forum Fischbahnhof zu sehen.

Gerade hat Behrmann eine wissenschaftliche Arbeit über den Aufbau der Haut von Schweinswalen abgeschlossen. Die wievielte Abhandlung es in seinem langen Leben ist, kann er nicht genau sagen. Aber neben der ganzen Forschung im Dienst der Wale gibt es eine Sache, auf die ist Günther Behrmann besonders stolz: „Ich bin seit 46 Jahren mit meiner Frau Gudrun verheiratet. Das ist wundervoll.“ Und was wäre sein größter Wunsch zu seinem Geburtstag? „Die Verschmutzung der Meere muss gestoppt werden. Was der Walfang nicht geschafft hat, schafft sonst das Plastik – den zigfachen Tod von Walen bis zur Ausrottung.“

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