Werkstatt Weserholz

Gutes Design für eine hehre Sache

Junge Geflüchtete machen mit Bremern Möbel. Dabei können sie eigene Fähigkeiten entdecken und sich auf den Arbeitsmarkt vorbereiten: Dies ist die Idee hinter dem Sozialunternehmen Weserholz.
08.11.2017, 19:39
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Von Anne Gerling
Gutes Design für eine hehre Sache

Tanja Engel (von links), Pape Samba Ndiaye, Paula Eickmann und Anselm Stählin wollen sich mit Weserholz in Walle verwurzeln.

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In dem kleinen Gewerbegebiet zwischen Schulze-Delitzsch-Straße, Steffensweg, Hansestraße und Nordstraße gibt es neben KFZ-Werkstätten, Discounter und Getränkemarkt jetzt auch eine Werkstatt, in der junge und hoch motivierte ­Leute Möbel entwerfen und anfertigen: Anfang November ist an der Gustav-Adolf-Straße „Weserholz“ gestartet. Dahinter steht die Vision eines Sozialunternehmens, das zwar nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten arbeitet, dabei aber eher gesellschaftspolitische als finanzielle Ziele verfolgt. „Wir ­wollen nicht als rein soziales Projekt gelten, sodass die Leute aus Mitleid unsere Möbel kaufen. Wir haben vielmehr den Anspruch, qualitativ hochwertige Sachen zu machen“, sagt dazu Projektleiterin Paula Eickmann.

Bei Weserholz entwickeln und fertigen junge Geflüchtete gemeinsam mit Bremer Designern und einem Tischler Möbel. Als Trainees können sie über die Arbeit mit dem Werkstoff Holz ihre eigenen Fähigkeiten und Stärken entdecken und auf den ­Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Trägerverein des Projekts ist der vor drei Jahren gegründete Verein Käpt‘n Kurt, der sich um freie Kulturprojekte kümmert und von der Aktion Mensch gefördert wird. „Die Fördersumme macht es uns möglich, mit der Werkstattarbeit zu beginnen, die Idee eines Sozialunternehmens weiterzuentwickeln und uns in den nächsten zwei Jahren in Bremen und überregional zu etablieren“, so Paula Eickmann.

Gerade für geduldete junge Erwachsene – also Menschen ohne Aufenthaltstitel, die bereits volljährig sind – sei es schwer, einen Übergang von der Jugendhilfe in eine Arbeit zu finden, hat sie seit Längerem beobachtet. Hier setzt das Projekt Weserholz an, das die drei Komponenten Kreation, Vermittlung und Unterricht beinhaltet: Rund ein Jahr, so die Erwartung, werden die Trainees bei Weserholz sein. Auftakt ist ein sechswöchiges Praktikum, bei dem sie vorab ausprobieren können, ob alles passt. Wenn ja, dann sind die Trainees wöchentlich 20 Stunden in der Werkstatt tätig, in der sie sich kreativ einbringen können und wo ihnen handwerkliche Fähigkeiten vermittelt werden. Zusätzlich dazu gibt es 15 Stunden Deutschunterricht, dieses Angebot wird vom Sozialressort gefördert. Demnächst wollen die Organisatoren damit beginnen, ein Tandem-Modell mit Auszubildenden aus verschiedenen Betrieben aufzubauen, über das Kontakte zu Firmen aufgebaut werden, an die die Weserholz-Trainees später vermittelt werden könnten.

Das Projekt hat sechs Plätze, die zum Start bereits alle besetzt werden konnten. Denn die Verantwortlichen sind gut mit ­Vereinen und Wohnheimen vernetzt. „Wir sprechen bei unseren Trainees bewusst von jungen Erwachsenen aus anderen Kulturen, um jegliche Stigmatisierung zu vermeiden“, erzählt Paula Eickmann. Besonders wichtig ist ihr und ihren Mitstreitern Tanja Engel, Anselm Stählin und Pape ­Samba Ndiaye, mit dem Projekt auch ­Frauen zu erreichen.

In puncto Möbel darf man gespannt sein, die Anfänge waren fantasievoll: Im April hatten Team und Geflüchtete eine mobile Küche mit zwei Gasflammen und einem Wassertank gebaut, mit der unter anderem auf dem Lucie-Flechtmann-Platz in der Neustadt gekocht worden ist. Im Sommer hatte Weserholz dann auf dem Kulturfestival „Millerntor Gallery“ in Hamburg einen selbst entworfenen Steckhocker präsentiert. Kürzlich hatten Paula Eickmann und Tanja Engel das Projekt im Sozialausschuss des Waller Beirats vorgestellt, wo sie mit ihrem Konzept fraktionsübergreifend auf große Begeisterung gestoßen sind. Sehr zur Freude der Waller Ortspolitiker hatten die beiden dabei einen Herzenswunsch des Weserhol-Teams geäußert: „Wir würden gerne einen Baum im Stadtteil pflanzen, um damit symbolisch zu zeigen: Wir wollen uns in Walle verwurzeln!“

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