Freimarkt 2017

Haake Beck in Altbier-Fässern

Wer sich auf dem Bremer Freimarkt ein Zehn-Liter-Fass Haake Beck bestellt, trink sein Pils aus einem Altbierfass vom Niederrhein. Pils-Anhänger können jedoch beruhigt sein, die Fässer werden gut gespült.
24.10.2017, 21:12
Lesedauer: 3 Min
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Haake Beck in Altbier-Fässern
Von Florian Schwiegershausen

Wie kann das denn angehen auf dem Bremer Freimarkt? Wer im Bayernzelt, im Hansezelt oder in der Almhütte ein Zehn-Liter-Fass Haake Beck bestellt, trinkt sein Pils aus einem Altbierfass. Zwar haben alle Fässer eine rote Banderole mit Schriftzug sowie ein rotes Papp-Halbrund oben auf dem Fass, eingestanzt ins Gummi ist aber der Schriftzug „Privatbrauerei Diebels – Issum“. Denn dort vom Niederrhein kommen die Fässer her und sind extra für den Freimarkt abgefüllt worden. Schließlich gibt es im Einzelhandel niemals Haake Beck in Zehn-Liter-Gebinden. AB Inbev-Sprecherin Claudia Hauschild kann besorgte Pils-Puritaner aber beruhigen: Die Fässer werden wie immer ausgiebig gereinigt und gespült, sodass sich dort ins Haake Beck kein einziger Tropfen Altbier verirren kann.

Am Niederrhein in Düsseldorf und nördlich davon sowie im Rheinland in Köln und umzu sind die Fässer weit verbreitet. Der Kölner trinkt daraus bei Feierlichkeiten – privat oder im Karneval – gern sein Kölsch. „Auch viele Kneipen schenken das Kölsch aus diesen Zehn-Liter-Fässern aus“, sagt Michael Busemann, Sprecher der dortigen Gaffel-Brauerei. Der Kölner hat diesem Fass über die Zeit den Spitznamen „Pittermännchen“ verpasst. Woher dieser Name kommt, ist nicht so ganz klar. „Pitter“ ist auf alle Fälle die kölsche Version vom Namen „Peter“. Und eine der ältesten Kölschbrauereien Köln trägt den Namen „Peter Josef Früh“ – daher der „Pitter“.

Kölsch vom Fass

Die andere Erklärung: In der katholischen Domstadt begingen die Kölner immer das Fest zu „Peter und Paul“. Das ist am 29. Juni, und so gingen sie bei bestem Wetter raus ins Grüne zum Picknick und nahmen ein Fässchen Kölsch dazu mit. Busemann erklärt: „Kölsch vom Fass war eigentlich üblich. Das erste Kölsch in Flaschen gab es erst ab 1963.“ Dass sich das gut abisolierte Pittermännchen auch für den Freimarkt eignet, davon ist Busemann überzeugt: „Wenn es gut gekühlt auf den Tisch kommt, bleibt das Bier über Stunden kalt.“

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Und bei Diebels am Niederrhein kommt in die „Pittermännchen“ normalerweise Alt. Aber da sich das Fass zum Feiern eignet, warum also nicht auch für den Bremer Freimarkt, dachte sich AB Inbev zum ersten Mal vor einem Jahr. Damit gibt es ein Gebinde, dass sich Gruppen an den Tisch bringen lassen können, um selbst zu zapfen. Diebels wiederum ging damals im Jahre 2001 fast zeitgleich wie Beck’s im Jahre 2001 in den Konzern Interbrew auf, dem heutigen AB Inbev. Da Diebels auch Pils braut, ließ der Mutterkonzern zum ersten Mal zur Fußball-WM 2006 Beck’s auch am Niederrhein brauen, damit die Mengen damals reichten. AB Inbev-Sprecherin Claudia Hauschild versichert aber: „Das Haake Beck wird nur hier in Bremen gebraut.“ Die Fässer benötigen aber eine spezielle Abfüllanlage, die in Bremen nicht vorhanden ist.

So wird also extra für den Freimarkt das Haake Beck in einen Tanklaster gefüllt – insgesamt 250 Hektoliter. Der fährt damit dann an den Niederrhein, um es dort in die Zehn-Liter-Fässer zu füllen. Die Abfüllung läuft etwa zwei Wochen vor dem Freimarkt. Anschließend lässt AB Inbev 2500 Altbierfässer mit Haake-Beck-Inhalt nach Bremen fahren. „Dieser Prozess dauert etwa drei bis vier Tage“, so Hauschild. „Diese Menge reicht aus für den Freimarkt. Wir müssen in dieser Zeit nicht nachfüllen“, so Hauschild. Sobald der Freimarkt um ist, gehen die Fässer zurück zu Diebels. Dort werden die Fässer dann wieder mit Altbier gefüllt, damit die Menschen am Niederrhein am 11.11. ausgiebig den Beginn des Karnevals feiern können.

700 Meter Bierleitungen

Was das Bier aus dem Zapfhahn auf dem Freimarkt angeht, rückt die Brauerei direkt per Tank an, in diesem Jahr zum ersten Mal. Claudia Hauschild verrät: „Im Bayernzelt beispielsweise haben wir zwei Tanks, einen für Haake Beck und einen für Löwenbräu mit einem Volumen von je 290 Hektolitern. Dafür wurden im Bayernzelt etwa 700 Meter Bierleitungen verlegt.“ Diese Menge reiche für einen ganzen Freimarkt. Im Hansezelt sind zwei Tanks á 240 Hektoliter im Einsatz und bei der Almhütte einen 240 Hektoliter-Tank. „Für diese beiden Zelte setzen wir zur Nachbetankung zusätzlich einen Bierdrive-Lkw ein mit einer Kapazität von 70 Hektolitern. Bei Bedarf wird der direkt in der Brauerei wieder befüllt, um anschließend die Tanks entsprechend wieder aufzufüllen.

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Rechnet man alles zusammen, hat AB Inbev auf dem Freimarkt 5000 Meter an Bierleitungen verlegt. Dazu sind dann 160 Ausschankhähne für Bier im Einsatz sowie 50 Kühlschränke. An den Ausschanktresen mit einer Gesamtlänge von 800 Metern sollte also keiner verdursten. Damit ist der Freimarkt fest in der Hand von AB Inbev. „21 der 23 Gastronomiebetriebe erhalten das Bier von uns“, so Hauschild.

Das gleiche Team, das sich in der Brauerei um den Freimarkt kümmert, ist auch für das Festival in Wacken zuständig. AB Inbev-Sprecherin Claudia Hauschild sagt: „Da haben wir in diesem Jahr das erste Mal in Deutschland und speziell nur für Wacken eine Anlage entwickelt, bestehend aus Tankbier mit Bierfernleitungen und Schnellzapfanlagen.“ Aber das ist ja erst wieder im August und damit noch weit hin. Der Bremer feiert da erstmal weiter auf dem Freimarkt. Übrigens: Altbier von Diebels kann er dort auch trinken. An den Ständen, die es haben, kriegt er das aber in Flaschen.

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