Hafencasino: Wie bei Muttern

Den Schweinebraten mit Prinzessbohnen und Kartoffeln gibt es für 5,90 Euro. Das ist das Stammessen an diesem Tag.
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Den Schweinebraten mit Prinzessbohnen und Kartoffeln gibt es für 5,90 Euro. Das ist das Stammessen an diesem Tag. Man kann sich aber auch mit einer Suppe bescheiden, Steckrüben, wer will, nimmt ein Wiener Würstchen dazu. Wobei das mit der Bescheidenheit in diesem Lokal seine eigene Bewandtnis hat. Satt wird man auch vom kleinsten Gericht, so großzügig, wie die Portionen bemessen sind.

Mittagszeit im „Hafencasino“, bei Sonnenschein auch gerne davor, direkt am Holz- und Fabrikenhafen. Auf dem Reklameschild am Flachdachbau steht „Trucker Stop“, doch lange vorbei, als es hauptsächlich Lastwagenfahrer waren, die hier zum Essen einkehrten.

„Die Mädchen kommen auch nicht mehr“, erzählt Rita Otten. Früher Nutten, heute Notare. „So kann man das sagen“ – die Wirtin lacht. Andere Zeiten im Hafen. Nicht schlechter, nicht besser, nur anders, so sieht sie das.

Rita und Heiner Otten betreiben das „Hafencasino“ seit 20 Jahren. Sie sind beide über 60 und könnten langsam ans Aufhören denken, tun sie aber nicht. „Wir machen noch einmal 20 Jahre“, sagt Rita Otten. „Mindestens“, schiebt ihr Mann hinterher. Die beiden sind ein fideles Paar.

Das Lokal sollte es eigentlich gar nicht mehr geben. Vor 15 Jahren, als im Hafen die neue Zeit begann, störten sich die Planer an dem schmucklosen Bau und sahen an dem Platz ein ganz anderes Potenzial. Die Empörung war dann aber so groß, getragen auch von vielen Honoratioren in der Stadt, dass die Ottens weitermachen durften. Im Sommer jeden Tag in der Woche, von frühmorgens bis spätabends.

Der ehemalige „Trucker Stop“ ist heute Ziel von Ausflüglern, die mit dem Fahrrad unterwegs sind. Von nebenan pilgern die Studenten der Hochschule im Speicher XI herbei. Und dann gibt es natürlich noch die Stammgäste aus dem Hafen, bei Weitem nicht mehr so viele wie früher, sagt Rita Otten, aber immer noch genug, um Spaß zu haben. „Unsere Gäste sind einzigartig.“

Für den nächsten Tag wird in der Küche gerade Labskaus vorbereitet, mit allem Pipapo, wie es sich gehört. Labskaus, Knipp, Matjes, die Standards, dazu gerne Bratkartoffeln, so geht das im „Hafencasino“. Wie bei Muttern. Traditionell.

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