Blog im April 2010 Haider Zwei.Null

Hier bloggt Lars Haider, Chefredakteur der WESER-KURIER Mediengruppe. Er schreibt über alles, was ihn bewegt und die Menschen aus Bremen und der Region angeht: Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport, Gesellschaft. Bei all diesen Themen ist auch Ihre Meinung gefragt. Also: Diskutieren Sie mit!
07.04.2010, 19:26
Lesedauer: 6 Min
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Von Lars Haider

+++Ist das langweilig in NRW+++

21. April 2010

Nordrhein-Westfalen langweilt sich offenbar - zumindest, wenn man Landesvater Jürgen Rüttgers (CDU) glauben darf. Der erklärte jetzt nämlich vor den Chefredakteuren großer deutscher Zeitungen, dass er im Wahlkampf im größten Bundesland kein großes Thema sehen könnte. Was ist mit Bildung, mit Afghanistan, mit Hartz IV? Nein, sagt Rüttgers, dominant sei keiner dieser Bereiche. Nicht einmal der unbefriedigende Start der schwarz-gelben Koalition beschäftige die Menschen in NRW noch besonders. Der Wahlkampf sei ruhig, sagt Rüttgers. Wenn, aber das sagt er nicht, wenn da nicht Hannelore Kraft wäre. Die Herausforderin von der SPD stört die Stille, in der sich Rüttgers Regierung wähnt, gewaltig - nicht immer mit überzeugenden Argumenten, aber auf jeden Fall mit einem Auftreten, das sich von dem des Regierungschefs etwa so unterscheidet wie die Musik Mozarts von der Motorheads. Soll heißen: In NRW gibt derzeit eine Frau den Ton an - es bleibt die Frage, wie lange (noch). Am 9. Mai ist Wahl...

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+++Nachwuchs für Bremen+++

20. April 2010

Ist Bremen nicht mehr lange allein? Derzeit ist das kleinste auch das einzige Bundesland, das eine rot-grüne Regierung hat. Bald koennte gleich das größte dazu kommen: Nordrhein-Westfalen droht beziehungsweise hofft auf (je nach politischer Sicht) eine Mehrheit aus SPD und Grünen - dann mit einer Frau an der Spitze. Kann NRW von Bremen lernen? Und dann Bremen von NRW? Und wer ist der bessere Kandidat? Die Frau (Kraft) oder der Herr (Rüttgers)? Heute Abend kommt es zum Beinahe-Duell zwischen den beiden Kontrahenten vor der Berliner Runde, einem informellen Zusammenschluss von Chefredakteuren großer deutscher Zeitungen, im Düsseldorfer Maritim-Hotel. Ich bin gespannt. Morgen mehr aus NRW.

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+++Wie die Leser eine neue Reihe erfanden+++

14. April 2010

Es ist eben doch immer am besten, auf die Leser zu hören. Als wir im Frühjahr 2009 mit der Serie "Erste Hilfe in alltäglichen Notfällen" begannen, gab es aus der Leserschaft die Bitte, daraus doch eine Broschüre zu machen. Was wir damals nicht wussten: Es sollte der Beginn ein neuen Reihe sein. Denn auf die "Erste Hilfe", die inzwischen in fünfter Auflage erscheint, folgte die "Manieren"-Broschüre, deren dritte Auflage ab Montag endlich wieder zu haben ist. Dazu kam der "Kleine Sprachführer durch den Alltag" und, ganz neu: "Sicherheit im Alltag. Ein Ratgeber für Bremen." Der ist fast 100 Seiten dick und beinahe mehr Buch als Broschüre...

Allen gemein sind höhere vierstellige beziehungsweise sogar fünfstelligen Auflagen - und großes Interesse bei den Leserinnen und Lesern. Allein von "Sicherheit im Alltag" wurden am ersten Tag 500 Exemplare verkauft...

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+++Leistung wagen+++

8. April 2010

Es gibt Zahlen und Statistiken, die man kaum glauben kann. Jene gestern vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag veröffentlichte gehören dazu: Demnach sollen 54 Prozent aller Betriebe ihren Auszubildenden Nachhilfe geben. Es mangele nicht nur an Kenntnissen in Rechtschreibung, Grammatik und vor allem Mathematik, sondern auch an vermeintlich zivilisatorischen Grundeigenschaften wie Pünktlichkeit, Disziplin und Fleiß.

Die Beobachtungen münden schließlich in einer harten Aussage: Viele junge Menschen seien den Anforderungen des Berufslebens nicht (mehr) gewachsen. Diese Kritik ist nun zwar nicht übermäßig neu, aber dennoch berechtigt. Und, viel wichtiger: Es es ist höchste Zeit, etwas dagegen zu tun und die Bedürfnisse von Schule und Beruf wieder anzunähern.

Dabei geht es jetzt nicht darum, einer stärker fach- oder gar arbeitsmarktorientierten Bildung das Wort zu reden. Ganz im Gegenteil. Die Schule sollte, ähnlich wie eine Universität, weiter und in vielen Fällen sogar noch stärker als bisher klassische Bildung vermitteln, die nach wie vor die Grundlage des beruflichen Erfolgs ist. Dabei muss aber eine quasi über allem stehende Eigenschaft stärker in den Mittelpunkt treten – und damit ein Begriff, der in dem Multi-Kulti des deutschen Bildungswesens leider viel zu oft in den Hintergrund rückt: Es geht um Leistung.

Das Verständnis dafür, dass man etwas leisten muss, wenn man etwas bekommen oder werden will, ist in einem derart saturierten und durchgeregelten Staat wie der Bundesrepublik zu wenig ausgeprägt. Und das kann man nicht einmal den Betroffenen zum Vorwurf machen, müssen sie doch angesichts der staatlichen Omnipräsenz das Gefühl haben, alles würde ihnen abgenommen: Von der sozialen Versorgung bis zur Entscheidung, in welcher Straße man wann welches Auto fahren darf (Stichwort: Umweltzone). Wenn es dann einmal im Betrieb nicht klappt, sorgt am Ende der selbst in Zusammenarbeit mit öffentlichen Arbeitsagenturen dafür, dass man schon irgendwie durchkommt.

Wir werden zu Unselbstständigkeit, zu Leistungsempfängern statt Leistungserbringern erzogen. Das ist das Problem, unter dem die Unternehmen leidet. Und dagegen hilft leider auch keine Nachhilfe.

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+++Freiheit für Facebook+++

7. April 2010

Die Warnungen vor Facebook sind überflüssig – und das liegt nicht daran, dass die Daten in diesem derzeit viel kritisierten sozialen Netzwerk im Internet besonders sicher sind. Nein, es ist viel simpler: Facebook lässt sich schlicht angesichts seiner Größe und den Milliarden von Daten, die sich auf den Seiten angesammelt haben, kaum kontrollieren. Ob die Macher die Informationen dort auch noch, wie etwa von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner befürchtet, an Dritte verkaufen beziehungsweise weitergeben, spielt fast keine Rolle mehr.

Zumindest nicht für die, die Freunde bei Facebook sind. Und das sind allein in Deutschland rund vier Millionen, mithin also gut fünf Prozent der Bevölkerung. Ihre Angaben über den Beziehungsstatus, über Vorlieben, Reise, Liebschaften und andere Affären sind bereits jetzt relativ einfach für Fremde einsichtbar. Wenn man sie denn bei Facebook reinstellt. Und auch das tun relativ viele.

Womit wir beim eigentlichen Problem wären: der freiwilligen Veröffentlichung unendlich vieler privaten Daten im Netz, ob nun bei Facebook, bei Xing oder sonstwo. Die sozialen Netzwerke sind wie große Partys, in der man mal mit dem einen und mal mit dem anderen spricht, Geschäfte oder Freundschaften anbahnt, Informationen sammelt, etc. Mit dem Unterschied, dass all das dokumentiert wird und zeitgleich von Hunderten Personen registriert und weiterverwendet werden kann. Facebook ist quasi eine große Klatschbörse. Die kann jede Menge Spaß, aber eben auch jede Menge Ärger machen – zum Beispiel, wenn irgendwelche Äußerungen über den ungeliebten Chef genau diesen erreichen. Was angesichts der Verzweigtheit der Netzwerke schneller passieren kann, als man denkt. Oft reicht ein unüberlegter Klick.

Dagegen helfen nicht irgendwelche Bestimmungen und Beschränkungen, für die das Internet, dieser Ort der maximalen Freiheit, sowieso nicht gemacht ist. Im Netz ist jeder auf sich allein gestellt und für sich allein verantwortlich. Wer stolz seinen Status von ledig auf verlobt ändert, muss damit rechnen, dass diese Information auch an Leute gerät, für die sie eigentlich nicht gedacht war. Und dass er im Zweifel Werbe-Botschaften von Juwelierläden und Hochzeitstorten-Bäckern bekommt. Wer das nicht will, ruft seine Freunde einfach an. Das geht nämlich auch noch.

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+++Gemein: Gemeinsam einsam+++

6. April 2010

Es war doch so gut gemeint: Mit einem selbstgemalten Plakat wollten Anhänger des Hamburger Sportvereins, kurz HSV, ihrer Mannschaft Mut machen. "Gemeinsam" werde man aus der Krise wieder herauskommen, stand auf dem langen Banner am Trainingsgelände, und genau dieser eine Begriff war das Problem. Denn gemeinsam ist gemein, im wahrsten Sinne des Wortes. Stecken in den drei Silben doch zwei andere Bedeutungen, die nun gar nicht positiv belegt sind: gemein eben und einsam. Das mögen die Fans nicht gesehen haben, die Fotografen taten es wohl. Sie fotografierten den umstrittenen Trainer Bruno Labbadia so, dass er allein auf dem Platz stand und hinter ihm nur die Buchstaben e i n s a m zu lesen waren. Und von Paulo Guerrero gibt es einen Schnappschuss, in dem s, a und m verdeckt sind. "Gemein" steht da einfach nur noch hinter dem Mann, der nach dem Hannoverspiel einen Fan mit einer Wasserflasche bewarf.

Fazit: Wenn es nicht läuft, dann läuft es nicht...

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