Menschen in der Umweltbildung: Weber bringt Kindern in der Umwelt-Lernwerkstatt die Natur nahe Hallo, Herr ULE!

Tenever. Als er durch das Wäldchen schlendert, das an die Umwelt-Lernwerkstatt (ULE) in Tenever grenzt, wirbelt Frank Weber mit den Füßen das alte Laub auf, das auf dem Boden liegt. Wenn er mit Schulkindern hier ist, fordert er sie zur Laubschlacht auf. Auch bei anderen Spielen ist er mittendrin. 30 Stunden in der Woche arbeitet Weber in der ULE, 20 davon finanziert die Umwelt Bildung Bremen mit Geld des Umweltsenators. Der Rest und Geld für Projekte kommt aus diversen anderen Töpfen.
23.06.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mahlstedt

Tenever. Als er durch das Wäldchen schlendert, das an die Umwelt-Lernwerkstatt (ULE) in Tenever grenzt, wirbelt Frank Weber mit den Füßen das alte Laub auf, das auf dem Boden liegt. Wenn er mit Schulkindern hier ist, fordert er sie zur Laubschlacht auf. Auch bei anderen Spielen ist er mittendrin. 30 Stunden in der Woche arbeitet Weber in der ULE, 20 davon finanziert die Umwelt Bildung Bremen mit Geld des Umweltsenators. Der Rest und Geld für Projekte kommt aus diversen anderen Töpfen.

"Es gibt eigentlich keinen besseren Job", sagt der 42-Jährige. "Es ist toll, an der frischen Luft zu sein und die eigene Begeisterung für die Natur an die Kinder weiterzugeben." Mal beobachten er und die Kinder auf dem Gelände der Egestorff-Stiftung ganz still und ehrfurchtsvoll, wie ein kleiner Buntspecht gefüttert wird, mal toben sie zusammen von Baum zu Baum. "Irgendwie kriegen wir sie alle", sagt Weber. Kindergartenkinder können die vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde erforschen, Schulkinder ihre "eigenen" Bäume im Wechsel der Jahreszeiten beobachten.

Im Sommer sind die Hochhäuser in direkter Nachbarschaft durch die dichten Baumkronen kaum zu sehen. Bei starkem Regen können die Kinder im Werkraum der ULE basteln. "Kinder zeigen sich hier oft ganz anders als im Klassenzimmer", sagt Weber, "der Klassenclown verblüfft mit Fachwissen und ist gar nicht mehr so laut, die stillen und schüchternen Kinder erobern sich den Wald und erkunden neue Räume." Manche von ihnen waren noch nie im Wald, bevor sie in die ULE kamen.

Die meisten Kinder, die auf das Gelände der Umwelt-Lernwerkstatt kommen, sind aus dem Bremer Osten. "Da treffen sehr viele unterschiedliche Kulturen aufeinander", sagt Weber. Ein toter Vogel auf dem Waldboden kann da schon einmal Anstoß für Diskussionen über religiöse Vorstellungen sein: Was passiert nach dem Tod?

Auch Pferde, Schafe und Gänse leben auf dem Gelände der Stiftung. "Wenn sie über die Tiere reden, lernen Kinder auch neue Wörter", sagt Weber. "Viele Kindergartenkinder, die herkommen, können noch nicht so gut Deutsch."

Manchmal dürfen auch Eltern mit in die ULE kommen. Ein neues Projekt für Familien aus allen Kulturen bietet Eltern und ihren Kindern die Möglichkeit, die Natur mit Abenteuerspielen, Lagerfeuer machen, Krabbeltiere suchen und Papier schöpfen gemeinsam spielerisch zu entdecken. Papier schöpfen gehört zu Frank Webers Lieblingsprojekten. Genau wie Apfelsaft pressen. "Das macht enorm viel Spaß", sagt er. "Die Kinder lernen und erfahren selbst, dass es anstrengend ist, Saft zu bekommen. Und dass er besser schmeckt als der aus dem Tetra-Pack."

Der Diplom-Geograf ist einer von wenigen Männern in der Umweltbildung. Als Kind streifte er alleine durch den Schwarzwald, wanderte später durch die Alpen in Österreich und machte Urlaub in Blockhütten, in denen es weder Strom noch fließendes Wasser gab. Nach dem Abitur kam er zum Studieren von Baden-Württemberg nach Bremen. Vor elf Jahren kam seine Tochter Kai zur Welt und er nahm Elternzeit. Nach einer Weiterbildung im Projektmanagement bewarb er sich bei der ULE, bei der er 2002 anfing. Jeden Tag fährt er aus Hulsberg, wo er mittlerweile mit seiner Lebensgefährtin Martina, Kai und Sohn Maart (vier Jahre) lebt, nach Tenever. Dort wartet auch Büroarbeit auf ihn. Er pflegt Netzwerke und treibt Gelder für neue Projekte auf. Am liebsten ist er aber mit den Kindern draußen. Jeder Tag und jede Gruppe wartet mit neuen Überraschungen auf ihn, fordert Flexibilität, Wissen und soziale Kompetenz. "Die Arbeit ist unheimlich wichtig, da nicht nur Kenntnisse vermittelt werden, sondern ein Gefühl

für Natur und Leben als solches", sagt Weber. "Außerdem werden die sozialen Kompetenzen, die Motorik und eigentlich der ganze, kleine Mensch beim Forschen, Spielen und Entdecken gefördert." Besonders freut ihn, wenn die Kinder, die mit einer Kindergartengruppe bei ihm waren, sich auch noch in der vierten Klasse an ihn erinnern. "Hallo Herr ULE!", riefen sie manchmal quer über die Straße, erzählt er.

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