SOKA-Run auf dem Marktplatz

"Halterkunde statt Rasseliste"

Bremen. Ist ein Hund gefährlich, weil er einer bestimmten Rasse angehört, oder weil Besitzer ihn dazu gemacht haben? Mehrere Hundert Teilnehmer des „SOKA-Run“ auf dem Marktplatz am Sonnabend meinten: „Der Mensch ist das Problem.“
10.08.2014, 00:00
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Von Frauke Fischer
"Halterkunde statt Rasseliste"

Annabell Eisner und Peer Krohm haben mit dem Stafford Terrier Donna an der Demo teilgenommen.

Frank Thomas Koch

Bremen. Ist ein Hund gefährlich, weil er einer bestimmten Rasse angehört, oder weil Besitzer ihn dazu gemacht haben? Mehrere Hundert Teilnehmer des „SOKA-Run“ auf dem Marktplatz am Sonnabend meinten: „Der Mensch ist das Problem.“

Ein etwas anderer Protest hat gestern Passanten am Marktplatz stoppen lassen: Statt lauter Pfiffe und Rufe brachten sich zumindest die vierbeinigen Teilnehmer allenfalls durch Gebell zu Gehör. Ihre Frauchen und Herrchen hatten zum Teil mehrere Hundert Kilometer Anfahrt auf sich genommen, um in der Hansestadt beim SOKA-Run gegen das hier geltende „Kampfhunde-Gesetz“ und Verbote bestimmter Hunderassen in anderen Ländern zu protestieren. Das Stadtamt hatte gemäß der geltenden Gesetzeslage Maulkörbe für alle Vierbeiner auf dem Marktplatz verordnet. Dort tummelten sich nicht nur Pitbulls und Staffordshire, sondern auch Dobermänner, Dalmatiner, Boxer, Bullterrier, Mischlinge und etliche Kleinhunde.

„Kein Hund wird böse geboren.“ Diese Aussage schmückte nicht nur die T-Shirts vieler Protest-Teilnehmer auf dem Marktplatz. Auch Janina Eggers und ihr Freund Max Bauriedl sind davon fest überzeugt. Die beiden waren mit Wotan und Nana nach Bremen gekommen. Zwei Pitbull Terrier, die seit Längerem mit dem Paar aus Verden zusammenleben und aus dem Tierschutz stammen. Wotan, der schwere braune Red Nose Pitbull, ist inzwischen sechs Jahre alt und hat schon viel erlebt, sagt Janina Eggers. Er stamme aus einer Beschlagnahmung in Süddeutschland und sei vom Vorbesitzer misshandelt worden.

Wesenstest bestanden

„Sein Besitzer war dort kein unbeschriebenes Blatt“, sagt die junge Frau, die Erziehungs- und Entwicklungswissenschaften studiert und die Hunde nach ihren Angaben auch in Projekten zur Resozialisierung von Jugendlichen einsetzt. Wotan, der sich auf den Stufen vor der Bürgerschaft friedlich an Max Bauriedls Bein drängt, könne einen bestandenen Wesenstest vorweisen. „Wir machen ganz viel für die Tierschule“, sagt die Verdenerin.

Dass in Bremen vier sogenannte Kampfhunderassen – davon leitet sich der Begriff SOKA auch ab – auf einer Liste gefährlicher Hunderassen stehen, ihre Haltung nur unter sehr strengen Auflagen möglich ist und von der Ortspolizei untersagt werden kann, können Eggers und Bauriedl nicht nachvollziehen. „In Bremen wird nicht nach Gefährlichkeit der Hunde, sondern pauschal nach Rassen differenziert. Das ist Unsinn“, kritisiert Bauriedl die Regelung. Danach gelten für Besitz und Haltung von Pitbull Terriern, Bullterriern, American Staffordshire Terriern und Staffordshire Bullterriern sowie Kreuzungen und Mischlinge dieser Rassen besondere Auflagen.

Öffentlich kritisierten Vertreter verschiedener Interessenverbände der Hundehaltung auch Regelungen für „Listis“ in anderen Bundesländern und Staaten. Sina Klockgether von „SOKA-Run“ ging in ihrer Ansprache vor schätzungsweise 200 bis 300 Protest-Teilnehmern sogar so weit, von einem „Rassenwahn“ zu sprechen. „Auf den Halter muss man achten, nicht auf den Hund.“ Sie plädierte deshalb für den Blick nach Niedersachsen, wo angehende Hundebesitzer einen „Hundeführerschein“ haben müssen, um als geeignete Halter zu gelten. Das sei besser als die Rasseliste. Davon sollte Bremen Abstand nehmen. „Wir brauchen eine Halterkunde, dann gibt es auch nicht diese verhärteten Fronten“, sagte Klockgether.

René Meyer, der mit dem Boxermischling Tommy und dem Old English Bulldog Peanut zum Marktplatz gekommen war, kennt das Problem. Zwar stehen seine Hunde auf keiner Liste. „Aber viele Leute denken, dass sie gefährlich sind, und reagieren dann auch so“, sagt er. „Dabei sind das die liebsten Hunde der Welt.“ Meyer ist überzeugt: „Ich kann auch einen Yorkshire Terrier böse machen. Oder einen Schäferhund.“ Eine Hundeführerschein für Halter sei gut, sagt er, „denn der Mensch ist ja das Problem“.

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