Bremer Betriebe nutzen Werbewirkung Handwerk setzt auf gute Taten

Bremen. Ohne sie hätte das Jugendzentrum keinen neuen Anstrich, der Sand auf vielen Spielplätzen wäre noch derselbe. In Bremen engagieren sich Handwerksbetriebe seit Langem für gute Zwecke. Doch erst seit wenigen Jahren reden sie auch darüber.
15.08.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Yvonne Nadler

Bremen. Ohne sie hätte das Jugendzentrum heute keinen neuen Anstrich, der Sand auf den Spielplätzen des Bürgerparks wäre noch immer derselbe. Handwerksbetriebe haben sich in diesem und vergangenen Jahr für diese Projekte eingesetzt. In Bremen engagieren sie sich seit Langem für gute Zwecke. Doch erst seit wenigen Jahren reden sie auch darüber - und setzen so auf einen positiven Nebeneffekt gesellschaftlichen Engagements: die Werbewirkung.

Als Jürgen Hahn im Juni einen Malerbetrieb in Verden eröffnete, stand auch das Thema Werbung auf seinem Plan. Damals entschied er sich für einen unkonventionellen Weg. Er rief bei der Stadt Verden an und erkundigte sich nach renovierungsbedürftigen Plätzen in der Stadt. Die Verwaltung nannte ihm das Jugendzentrum. Etwa zwei Monate später machte sich Hahn an die Arbeit.

Umsonst strich er die Wände der sozialen Einrichtung, bekam dabei Hilfe eines anderen Malerbetriebs. Eine Firma aus Bremen sponserte einen Teil der Farbe. Die Arbeiten dauerten eine Woche. Ihr Wert liegt zwischen 5000 und 6000 Euro. Eine stattliche Spendensumme für einen neugegründeten Ein-Mann-Betrieb, alles andere als vertane Müh für den angehenden Malermeister Jürgen Hahn. "Es lohnt sich. Für den guten Zweck und für das Image", sagt er. Hahn hofft nämlich durch die Aktion mehr Aufträge zu bekommen.

In den Städten fest verwurzelt

Nicht nur große Konzerne, sondern auch kleine Handwerksbetriebe engagieren sich für den guten Zweck. Kein Wunder, meint Angelika Pfeifer, Betriebsberaterin bei der Handwerkskammer Bremen. "Das Handwerk ist in Städten fest verwurzelt. Beste Voraussetzung also, um soziales Engagement zu zeigen", sagt sie. Außerdem werde das Unterstützertum in Handwerksbetrieben generell groß geschrieben. "Nicht nur innerhalb des Betriebs, sondern auch zwischen den Unternehmen", sagt Pfeifer. Ein neues Phänomen sei es also nicht, dass man sich im Handwerk für den guten Zweck stark mache. "Es wird nur nicht genug darüber gesprochen", sagt sie. In den letzten Jahren, so schätzt es Pfeifer ein, verstärke sich jedoch der Trend, dass Betriebe ihr Engagement auch publik machen und es so gezielt als Werbemittel einsetzen.

So macht es auch der Friseur Hairliner's. Das Bremer Unternehmen engagiert sich seit mehr als 20 Jahren sozial. "Aus gesellschaftlicher Verantwortung. Diese Motivation steht an erster Stelle", betont Stefan Hagens, einer der beiden Geschäftsführer. "Es verbessert natürlich aber auch das Image." Der Friseursalon bietet zum Beispiel Regenschirme zum Ausleihen an. Kunden müssen dafür zehn Euro Pfand entrichten. Jeder versichert dabei, den Schirm innerhalb der kommenden 31 Tage zurückzubringen. Ist dies nicht der Fall, kommt das hinterlassene Geld einem sozialen Projekt zugute. Am Vorbild der Biermarke Krombacher entstand die Idee für eine andere Aktion: "Wir verkaufen eigene Haarprodukte. Pro verkaufter Flasche spenden wir 50 Cent", erklärt Hagens. Im Jahre 2010 konnte Hairliner's aus dieser Idee heraus insgesamt 5000 Euro sammeln. Die Summe kam dem Bürgerpark zugute. Der konnte damit neuen Sand für die Spielplätze finanzieren.

Hagens weiß aus eigener Erfahrung, was Charity Handwerksbetrieben bringen kann. "Betriebswirtschaftlich hat man davon nichts", sagt er. "Man bekommt davon nicht einen einzigen neuen Kunden. Aber die, die man schon hat, die bindet man so noch mehr an den Betrieb", meint Hagens. Hairliner's ist ein vergleichbar großer Handwerksbetrieb in Bremen. Laut Pfeifer von der Handwerkskammer sei gesellschaftliches Engagement jedoch auch für kleine Betriebe lohnend. "Man kann ja auch mit kleinen Aktionen helfen." Der Optiker, der alte Brillen sammelt, um sie nach Afrika zu schicken, oder der Bäcker, der kostenlose Brötchen für sozial bedürftige Kinder anbietet. Das Engagement ist dabei so unterschiedlich wie das Handwerk selbst. Doch es ist nicht leicht, als kleiner Betrieb auf Resonanz zu stoßen.

Die Wirkung wird jedoch umso größer, wenn sich Betriebe zusammenschließen. So ist es in Bremen durchaus bekannt, dass ich die Handwerker innerhalb der Innungen engagieren. Das traditionelle Klabenanschneiden auf dem Marktplatz zählt dazu. Bäckermeister Wilfried Schnaare eröffnet dabei mit dem Anschnitt eines über 100 Meter langen Klabens die Saison des Wintergebäcks. Der Obermeister der Bremer Bäcker-Innung macht das schon seit über einem Vierteljahrhundert, und wie in den Vorjahren ging der Reinerlös an eine wohltätige Organisation. 2010 profitierte der "Elternverein für psychomotorische Entwicklungsförderung" davon.

Sicherheitspakete für Kindergärten

Die Bremer Kfz-Innung bietet seit drei Jahren einen Aktionstag in Kindergärten an. Sie verteilt Sicherheitspakete, mithilfe derer die Kinder die Regeln des Straßenverkehrs kennenlernen können. Die Konditoren Bremens versammeln sich seit 2007 einmal jährlich zum "Sommer in Lesmona" in Lesum. Sie bieten dabei einen Nachmittag lang ihre Spezialitäten an. Der Erlös, in diesem Jahr waren es 880 Euro, geht an ein soziales Projekt. "Die Aktion ist für alle Konditoren natürlich auch eine gute Gelegenheit sich zu präsentieren", sagt Bernhard Timphus, stellvertretender Obermeister der Konditoren-Innung. "Die Betriebe sind eben alle recht klein." Wenn man sich zusammentue ziehe man eine größere Aufmerksamkeit auf sich, als wenn sich der einzelne Betrieb engagiere. Wobei die Bremer Konditoren laut Timphus dies jeder für sich schon seit Langem tun. Mit der Teilnahme am "Sommer in Lesmona" verfolgen die Konditoren auch das Ziel, bei Jugendlichen bekannter zu werden. "So wirbt man beim potenziellen Nachwuchs", sagt Timphus.

Diesen Effekt erhofft sich auch der angehende Malermeister Jürgen Hahn. "Dass die Aktion im Jugendzentrum stattgefunden hat, war für Nachwuchswerbung natürlich sehr gut", sagt er. Bisher hat der Maler viele positive Rückmeldungen für sein Engagement bekommen. Ob es auch mehr Aufträge bringt, wird sich zeigen. Für den Moment zeigt sich der angehende Malermeister jedoch zuversichtlich und kündigt an: "Ab sofort werde ich jedes Jahr ein soziales Projekt unterstützen."

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