Weiter Streit über Warnung von Polizei und swb vor Fremden an der Haustür / Berufsvereinigungen sehen Gewerbetreibende diskreditiert

Handwerker: Wir sind keine Betrüger

Bremen. Die Aktion „Ich lasse keinen Fremden in meine Wohnung!“ von swb und Polizei sorgt weiter für Kritik. Jetzt monieren unabhängige Handwerker und Direktvertriebler, die Aktion kriminalisiere alle Reisegewerbetreibenden.
21.10.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Handwerker: Wir sind keine Betrüger
Von Antje Stürmann
Handwerker: Wir sind keine Betrüger

Bietet Dachdecker Lutz Newiger seine Arbeit an der Haustür an, kann er sich mit einem Reisegewerbeschein ausweisen.

Christina Kuhaupt

Die Aktion „Ich lasse keinen Fremden in meine Wohnung!“ von swb und Polizei sorgt weiter für Kritik. Jetzt monieren unabhängige Handwerker und Direktvertriebler, die Aktion kriminalisiere alle Reisegewerbetreibenden. Außerdem erschwere die swb Mitbewerbern das Geschäft – darum verstoße die Aktion möglicherweise sogar gegen das Wettbewerbsrecht. Beide Berufsvereinigungen fordern, dass Polizei und swb ihre Aktion – zumindest aber ihre Wortwahl – überdenken.

Betroffen von den Auswirkungen der Aktion seien Selbstständige, die ohne stationäre Betriebsstätte auskommen und ihre Arbeiten, Waren und Dienstleistungen unter anderem an der Haustür anbieten, sagt der Vorsitzende des Berufsverbandes unabhängige Handwerkerinnen und Handwerker (BUH), Jonas Kuckuk. Darunter seien Friseure Maurer, Dachdecker. „Polizei und swb sollten nicht pauschal vor allen warnen, die vor der Haustür stehen. Auf diese Weise warnen sie auch vor uns Reisegewerbetreibenden“, erklärt Kuckuk, der Dachdeckerarbeiten in Bremen und Umgebung anbietet. „Besser wäre eine Warnung vor den Betrügern, die sich als Handwerker ausgeben.“ Fremde seien per se keine Betrüger. „Die Polizei sollte sagen, wie man sich schützen kann. Pauschal die Tür nicht aufzusperren, das geht nicht.“ Vor allem vor dem Hintergrund, dass es immer mehr ältere Leute gebe, die auf die Versorgung durch mobile Dienste angewiesen seien. „Es nützt nichts, wenn diese Leute so ängstlich werden, dass sie niemandem mehr die Tür öffnen“, meint Kuckuk.

Jochen Clausnitzer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Direktvertrieb Deutschland, wirft der Polizei indes vor, mit ihrer Warnung vor Fremden pauschal gegen die Betriebsform des Direktvertriebes vorzugehen. „Direktvertriebler sind alles andere als unseriös. Sie werden durch das Gewerbeamt auf ihre Zuverlässigkeit geprüft“, so Clausnitzer.

Wegen der Zusammenarbeit der Polizei mit einem privaten Unternehmen greife diese auch in den Wettbewerb ein. Denn möglich sei, dass ein anderer Anbieter von Strom und Gas, dessen Mitarbeiter die Kunden zu Hause beraten, günstigere Preise anbiete als die swb. Clausnitzer fragt: „Ist das wettbewerbswidrig? Können betroffene Anbieter Schadenersatzansprüche geltend machen?“ Zumindest habe die Sache „Geschmäckle“. Clausnitzer rät der swb, ihre Mahnungen zu überdenken.

Doch sowohl die Polizei als auch die swb wollen – demnächst mit Aufklebern – weiter vor den Fremden an der Haustür warnen. Beide wehren sich gegen die Vorwürfe. swb-Sprecher Christoph Brinkmann sagt: „Es liegt uns fern, jemanden in Misskredit zu bringen, der es nicht verdient hat. Aber wir beharren darauf, dass jeder, der einem Fremden die Tür öffnet, prüfen sollte, wem er da Einlass gewährt.“ Brinkmann ist überzeugt: Jeder, der mit einem lauteren Anliegen vor der Tür stehe, könne dies glaubhaft machen. Wettbewerbswidrig sei dieses Vorgehen nicht. „Klar hat es der eine oder andere schwerer, weil die Leute vorsichtiger sind. Aber das betrifft unsere Mitarbeiter ebenso.“

Nach Einschätzung von Ulrich Koenig, Leiter des Präventionszentrums der Polizei, profitiert nicht nur die swb als Sponsor von der Aktion: Geben sich Betrüger als Mitarbeiter der Stadtwerke aus, schade das allen Anbietern – auch Direktvertrieblern. Im Übrigen handele es sich um eine bundesweite Aktion der Polizei, der sich die Bremer angeschlossen hätten. Dennoch wollen die Beamten jetzt erneut prüfen, ob sich die Warnung anders formulieren und der Betrüger herausstellen lässt. Einmal hat das schon geklappt: Aus der Warnung vor dem „unangemeldeten Handwerker“ ist die vor dem „Fremden“ geworden.

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