Ministerpräsidentin im Bunker Valentin

Hannelore Kraft: Für "Denkort" nicht zu viel verändern

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat am Donnerstag in Farge den Bunker Valentin besucht. Mit Bürgermeister Jens Böhrnsen informierte sie sich über das Konzept des künftigen "Denkorts".
07.05.2015, 15:24
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Volker Kölling
Hannelore Kraft: Für "Denkort" nicht zu viel verändern

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (2.v.l.) hat sich zusammen mit Bürgermeister Jens Börnsen (l.) über das Konzept des "Denkorts" Bunker Valentin in Farge informiert.

Volker Kölling

Bevor sie am heutigen Freitag in Berlin im Bundestag an der Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag des Kriegsendes teilnimmt, hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft am Donnerstag in Farge den Denkort Bunker Valentin besucht.

Gemeinsam mit Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen ging die gebürtige Mülheimerin schon einmal den Weg ab, der ab dem 9. November mit Fertigstellung der nationalen Gedenkstätte allen Besuchern offenstehen wird.

„Achtung! Bitte Abstand halten“ steht in roter Schrift auf riesigen gelben Warntafeln an der Außenwand des verwitterten Betonkolosses. Doch das gilt am Donnerstag um zehn Uhr nicht für den Tross von Fotografen, Filmteams, Gedenkstellenmitarbeitern und Sicherheitsbeamten, welche den beiden SPD-Regierungschefs in die Baustelle Bunker folgen.

Neues Gebäude in alter Betonhülle

Unter den 25 Meter hohen Betondecken werkeln Elektriker und Maurer an der Entstehung des Infozentrums. Sie bauen praktisch ein neues Gebäude in die alte Betonhülle. Noch gibt es die Tafeln mit den Bildern und Texten von Zwangsarbeitern und den Details zur U-Boot-Serienwerft nicht an den verschiedenen Haltepositionen. So haben Marcus Meyer und Thomas Köcher einen Ordner mit Plänen und Fotos dabei, um schon einmal das Konzept zum zukünftigen „Denkort“ vorzustellen.

„Das hier ist kein Ort, in den man Menschen einfach hinein schicken kann und sie dann sich selbst überlässt. Man muss wirklich informieren: Etwa über das Leid der Zwangsarbeiter, die sich hier zu Tode schuften mussten. Aber auch über den gedankenlosen Umgang mit dem Bau nach dem Krieg,“ meint Köcher, der Leiter der Landeszentrale für politische Bildung mit dem Blick in den riesigen und sehr beeindruckenden Ruinenteil des Bunkers. Der wird aus versicherungstechnischen Gründen nicht begehbar gemacht werden können. Löse sich auch nur ein bisschen Beton durch die Witterung von der Decke, werde das auf den 25 Metern bis zum Boden zum gefährlichen Geschoß. Gedenkstättenleiter Marcus Meyer: „Für die Sicherheit in diesem Teil bekommt man von keinem Ingenieur der Welt eine Unterschrift in einem Gutachten. Wir werden aber durch mehrere Gucklöcher auch den Ruinenteil des Bunkers sichtbar machen.“

Kraft: Das lässt keinen unberührt

Unter den 25 Meter hohen Betondecken entsteht ein Infozentrum.

Unter den 25 Meter hohen Betondecken entsteht ein Infozentrum.

Foto: Volker Kölling

Fotos etwa von den Zwangsarbeitern sollen jeweils genau an den Orten auf Platten am Boden gezeigt werden, an denen sie einst aufgenommen wurden. Hannelore Kraft meint mit den Bildern der ausgehungerten Häftlinge vor Augen: „Das Bauwerk beeindruckt natürlich allein von der Größe her. Und dann sieht man diese Menschen, die es in Zwangsarbeit gebaut haben und Säcke heben mussten, die fast soviel gewogen haben wie sie selbst inzwischen.“ Das lasse keinen unberührt. Sie rät den Ausstellungsplanern, nicht zu viel am Originalort zu verändern, um ihn nicht seiner Wirkung zu berauben.

Die Wirkung auf junge Besucher kennt auch Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen ganz gut, der hier selbst mit zwei Schulklassen pädagogische Erinnerungsarbeit betrieben hat: „Jahrzehntelang ist der Bunker noch nach dem Krieg vor allem als technisches Faszinosum gesehen worden. Ich bin heute den Menschen dankbar, welche nicht aufgehört haben, die Erinnerung hochzuhalten an all die schrecklichen Dinge, die hier passiert sind.“ Über die Erinnerung müsse man sich klarmachen, dass jeder einzelne gefordert sei zu widerstehen.

Lesen Sie auch

Böhrnsen versprach, sich nach der Eröffnung am 8. November weiter für eine Schiffshaltestelle direkt auf der Weser am Bunker einzusetzen, damit Besucher der Bremer City und Schulklassen auf direktem Weg zum „Denkort“ gelangen könnten: „Die Bremer müssen diesen Ort erreichen können. Und das sie kommen, haben wir schon seinerzeit bei den Aufführungen des Theaterstücks die letzten Tage der Menschheit´ hier gesehen.“

Marcus Meyer versicherte dem entsprechend, dass es immer mehr Anfragen von Schulklassen gäbe, die im Seminarzentrum auch komplette Projekttage verbringen wollten: „Das Interesse bei den Jugendlichen für das Thema ist nach wie vor da, es steigt sogar eher. Man muss sie nur selbst den Bunker und die Dinge hier entdecken lassen.“

Buchgeschenke für den Gast

Die Gedenkstätte wird laut Meyer auch für den spontanen Besuch von ehemaligen Zwangsarbeitern oder deren Angehörigen gewappnet sein: „Wir hatten schon einen Iren spontan und ohne Ankündigung zu Besuch, der hier zwei Jahre gearbeitet hatte. Ein junger Italiener, dessen Vater hier inhaftiert war, hatte gleich das Tagebuch des Vaters mitgebracht.“ Mittels eigener Videoausrüstung könne man zukünftig auch solche Begegnungen unmittelbar dokumentieren und Interviews mit den Zeitzeugen aufnehmen.

Bei der Station Betonmischanlage Nord am Deich draußen vor dem Bunker wird es dann allerdings zu nass für Interviews unter freiem Himmel. Nach Kaffee und Schokokeksen im Seminartrakt gibt es für Hannelore Kraft noch Buchgeschenke, eins zum Bunker Valentin: „Im Auto gleich nach Berlin habe ich ja noch reichlich Zeit, mir das in Ruhe anzusehen,“ verspricht die prominente Wahlhelferin, bevor sie mit der dunklen Limousine vom Parkplatz am Bunker rollt.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+