Öffentliche Versicherung Bremen

Hannover will ÖVB komplett kaufen

Ein weiteres Bremer Traditionsunternehmen wird niedersächsisch. Die Landschaftliche Brandkasse Hannover will den Versicherer ÖVB vollständig übernehmen. Die Sparkasse Bremen hat ihre Anteile verkauft.
13.12.2018, 21:42
Lesedauer: 3 Min
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Hannover will ÖVB komplett kaufen
Von Lisa Boekhoff
Hannover will ÖVB komplett kaufen

Die ÖVB-Zentrale (ÖVB) in der Bremer Innenstadt.

Jochen Stoss

Die Öffentliche Versicherung Bremen (ÖVB) könnte schon bald komplett zur Versicherungsgruppe VGH gehören. Die Landschaftliche Brandkasse Hannover, ein Unternehmen der VGH, will offenbar alle Anteile an der ÖVB übernehmen. Tritt das ein, gehört die Bremer Versicherung komplett Eigentümern in Hannover. Schon an diesem Freitag könnte die finale Entscheidung bei der Aufsichtsratssitzung und der Trägerversammlung in Bremen fallen.

Auslöser war die Sparkasse Bremen. Die Bank hat ihre 20 Prozent an der ÖVB bereits verkauft, wie der WESER-KURIER erfuhr. Die Sparkasse will ein eigenes Versicherungsgeschäft aufbauen. Die „S Mobile“ soll zum Versicherungsmakler des Hauses werden. Nicola Oppermann, Sprecherin der Sparkasse, bestätigte den Ausstieg. Im Zuge der Neuausrichtung seien die Kooperationsverträge mit der ÖVB nicht verlängert worden. Schon vor einem Jahr gab es Gerüchte über eine mögliche Fusion zwischen VGH und ÖVB wegen dieser Strategie der Sparkasse.

Aufsichtsrat tagt am Freitag

Die Landschaftliche Brandkasse Hannover besitzt bereits 55 Prozent an der Bremer Versicherung. Zudem hält die Weser-Elbe Sparkasse mit Sitz in Bremerhaven fünf Prozent der Anteile. Weitere 20 Prozent gehören der Norddeutschen Landesbank (NordLB) in Hannover. Der Verkauf der Sparkasse-Anteile an die Landschaftliche Brandkasse ist zum 3. Dezember wirksam geworden. Die VGH sei wegen der anderen beiden Beteiligungen von zusammen 25 Prozent derzeit noch in Gesprächen, sagte ÖVB-Sprecher Stefan Ziegler.

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Dies bestätigte auch Peter Klett, Vorstandschef der Weser-Elbe Sparkasse. Darüber hinaus wollte sich Klett, der im Aufsichtsrat der Versicherung sitzt, nicht äußern. Die NordLB lehnte eine Stellungnahme ab. „Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu laufenden Verhandlungen und möchten etwaigen Beschlüssen der Gremien nicht vorgreifen“, sagte NordLB-Sprecherin Ina Elbin. In dieser Woche sollen die Gespräche der drei Akteure dem Vernehmen nach Fahrt aufgenommen haben. Aus Unternehmenskreisen hieß es, bereits am heutigen Freitag könnte alles „in trockenen Tüchern sein“.

Der Anteilsverkauf weckt wegen mehrerer Parallelen Erinnerungen an den Fall der Bremer Landesbank. Die NordLB übernahm das durch Schiffskredite in Schieflage geratene Institut 2017 komplett. Zunächst blieb die Marke nach Verlust der Eigenständigkeit noch bestehen, nun ist der Name Bremer Landesbank Geschichte. Anders soll es dem Vernehmen nach bei der ÖVB sein.

Die Versicherung setzt auf ihre Verbundenheit zur Region – nicht nur als Sponsor und Namensgeber der ÖVB-Arena auf der Bürgerweide. Unter dem Slogan „Meine Versicherung gehört zu Bremen wie wir zum Stadion“ werben zudem die Stadionsprecher von Werder Bremen, Arnd Zeigler und Christian Stoll, in einem Spot für den Versicherer des Vereins.

Sponsoring soll bestehen bleiben

Im Logo des Unternehmens befindet sich der Bremer Schlüssel. „Die ÖVB ist in der Han­se­stadt fest ver­an­kert“ heißt es auch auf der Internetseite des Versicherers. Wenn die Übernahme der Hannoveraner perfekt ist, soll sich an der Verbundenheit zu Bremen und Bremerhaven, an den Sponsoringaktivitäten in der Stadt und auch für die Versicherten der ÖVB nichts ändern, wie es heißt. Nur die Trägeranteile sollen sich Richtung Hannover verschieben. Tatsächlich bleibe sonst im Außenauftritt alles wie bisher bestehen, auch die Marke, sagt ÖVB-Sprecher Stefan Ziegler: „Da gibt es keinen Unterschied.“

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Auch die Entscheidungen im Unternehmen, so beteuert die Versicherung, sollen weiter in Bremen getroffen werden. Vorstand der ÖVB sind Frank Müller und Dirk Wurzer. Es sei wegen der regionalen Besonderheiten auch nicht sinnvoll, dass der Auftritt von Niedersachsen aus bestimmt werde, heißt es. In der Direktion in Bremen beschäftigt die Versicherung rund 120 eigene Mitarbeiter.

Christian Worms, Sprecher der VGH Versicherungen, verwies auf die unmittelbar bevorstehenden Gespräche an diesem Freitag und wollte sich darüber hinaus nicht äußern. Schon heute verkauft die ÖVB viele Produkte der VGH: zum Beispiel die Lebensversicherung und die Unfallversicherung. Der sogenannte Risikoträger ist in diesem Fall die Gruppe in Hannover. Leistung der ÖVB sind dagegen die Hausrats, Wohngebäude-, Firmen- und Haftpflichtversicherung.

Schutz des Staatseigentums gegen Feuergefahr

Vor knapp 100 Jahren begann die Geschichte der ÖVB. Damals, im Jahr 1920, gründete Bremen zum Schutz des Staatseigentums gegen Feuergefahr die Staatliche Selbstversicherung. Vor 25 Jahren firmierte das Unternehmen dann in Öffentliche Versicherung Bremen um.

Die Landschaftliche Brandkasse Hannover hatte die ÖVB wenige Jahre zuvor schon einmal komplett übernommen: 1985 kaufte sie die Versicherung dem Land Bremen ab und hielt zehn Jahre lang alle Anteile. Danach stiegen die beiden Sparkassen in Bremen und Bremerhaven und damals auch die Bremer Landesbank ein – als Verbundpartner der Versicherung.

Zumindest die Kooperation mit der Sparkasse Bremen endet nun. Das Versicherungsangebot der Bank „S Mobile“ ist digital. Kunden können ihre Versicherungen mit einer App verwalten. Dabei arbeitet die Sparkasse mit mehr als 160 Versicherern zusammen.

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