Meyenburg

Hans-Heinrich Kahrs liest Amüsantes und Nachdenkliches op Platt

Meyenburg.„As wie‘s morns loswullen op uns Uraubsreis‘ un ik de nee‘e Büx antog, dor passeer dat Mallöör“. Was dem des Plattdeutschen unkundigen Hörer mutmaßlich wie böhmische Dörfer vorkommt, lockt bei den Besuchern in der Meyenburger Wassermühle ein entspanntes Lächeln hervor.
23.11.2013, 00:00
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Von Alexander Bösch
Hans-Heinrich Kahrs liest Amüsantes und Nachdenkliches op Platt

Hans-Hinrich Kahrs liest in der Wassermühle Meyenburg op Platt. Dabei präsentiert er den Zuhörern Geschichten zum Schmunzeln und zum Nachdenken. ABÖ·

Andreas Kalka

„As wie‘s morns loswullen op uns Uraubsreis‘ un ik de nee‘e Büx antog, dor passeer dat Mallöör“. Was dem des Plattdeutschen unkundigen Hörer mutmaßlich wie böhmische Dörfer vorkommt, lockt bei den Besuchern in der Meyenburger Wassermühle ein entspanntes Lächeln hervor. Wilko Jäger vom Arbeitskreis für Heimatpflege begrüßte mit dem Schriftsteller und Philologen Hans-Hinrich Kahrs einen beliebten Erzähler. Zum fünften Mal präsentierte der Lehrer aus Alfstedt bei Bremervörde Dorfgeschichten in plattdeutscher Mundart.

Da kommen bei der Betrachtung von „Marsch, Geest und Maue (Moor)“ unter geologischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht nur drei menschliche Vertreter zu Wort, sondern sogar zwei alte Findlinge aus der Eiszeit. Dass der behäbige „Rappakivi-Granit“ zu den eher mundfaulen Gesteinen gehört und sich am meisten wünscht, dat „de Lüü nich soviel sabbeln“, dürfte den Zuhörern neu gewesen sein. Die Vita des unermüdlichen Hans-Christian Findorff, der im späten 18. Jahrhundert half, die Ödnis der Moordörfer um Bremervörde zu kultivieren, reicherte der Erzähler bildhaft mit Anekdoten an. Kahrs, der in einem Gymnasium in Hemmoor unterrichtet, ist als Fachberater für Plattdeutsch in Niedersachsen tätig und schrieb Hörspiele für Radio Bremen.

Die Fantasie beflügelt den engagierten Heimatkundler dazu, die herkömmlichen Grenzen plattdeutschen Lokalkolorits immer wieder zu sprengen. So vernahm man eine Geschichte aus dem peruanischen Lima, die ,op Platt‘ aus der Perspektive eines Neunjährigen von dessen Zukunftsträumen erzählte. Die Parabel „Utländer“ veranschaulichte auf nachdenkliche Weise die Mechanismen von Ausgrenzung und Rassismus. Der Ausländer, dessen Haus am Ende der Geschichte angesteckt wird, ist in dieser Variante kein Südländer oder Afrikaner, sondern der ,Plattdeutsche‘ Karl Knassenhauer, dessen Gewohnheiten wie Pfeife rauchen und Döntjes erzählen von „platt-feindlichen“ Mitmenschen mit Argwohn beobachtet wird.

Humorig ging es in „De nee‘e Büx“ zu, in der der Ich-Erzähler seine Mühe mit dem eigenen Übergewicht hat und sich echauffiert über „de Froonslüüd, die fiefmal in söben Geschäfte wat anprobeern un denn ohne wat no Huus föhren“. Für reichlich Gelächter sorgten die Alltagsgeschichten um „Naber Hein“. Der umtriebige Nachbar hat seine liebe Not mit „Sabbelkram, Ahnenforschung und Tofu-Tanten“, bis ihm zu guter Letzt die „Füürwehr“ die im Tai-Chi-Rausch verknoteten Beine wieder in die richtige Position bringen muss.

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