Korkenzieher-Sammler Hartmut Krenzer über die Faszination des Flaschenöffnens und eine Bremer Tradition „Hauptsache, der Wein ist gut“

Bierhumpen, Puppenstuben, Kochbücher: Erika und Hartmut Krenzer haben schon einiges in ihrem Leben gesammelt. Ihre größte Leidenschaft gilt jedoch den Korkenziehern.
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Bierhumpen, Puppenstuben, Kochbücher: Erika und Hartmut Krenzer haben schon einiges in ihrem Leben gesammelt. Ihre größte Leidenschaft gilt jedoch den Korkenziehern. Mehr als 300 Stück besitzen sie. An diesem Wochenende könnten es noch mehr werden – denn von Freitag bis Sonntag kommt der Verein der Korkenzieherfreunde in Bremen zu seinem Jahrestreffen mit einer Tauschbörse für Sammler zusammen.

Tobias Meyer sprach mit Hartmut Krenzer über besondere Bremer Korkenzieher und darüber, warum unter den Sammlern nur wenige Biertrinker zu finden sind.

Herr Krenzer, haben Sie heute schon eine Flasche entkorkt?

Hartmut Krenzer (lacht): Nein, habe ich noch nicht.

Versuchen Sie eigentlich, so weit wie möglich auf Flaschen mit Schraubverschlüssen zu verzichten?

Ja, auf jeden Fall! Neulich hat mir mein Winzer Weinflaschen mit Schraubverschluss geliefert. Da habe ich zu ihm gesagt: „Du, das geht gar nicht!“ Aus Gründen der Lagerung und der Kosten werden heute leider eher Plastikkorken und Schraubverschlüsse benutzt. Nur hochwertige Weine werden noch mit einem echten Korken verschlossen.

Heißt das, der Korken ist vom Aussterben bedroht?

Ich glaube nicht, dass es den Korken noch allzu lange geben wird. Als Flaschenverschluss ist er auf jeden Fall auf dem Rückzug.

Bedauern Sie das?

Das ist eben die technische Entwicklung. Als ich vor 40 Jahren angefangen habe, Korkenzieher zu sammeln, hätte ich nicht damit gerechnet, dass Korken irgendwann aus der Mode kommen. Aber ich finde es nicht besonders tragisch. Hauptsache, der Wein ist gut.

Erinnern Sie sich noch daran, wie Ihre Sammelleidenschaft begonnen hat?

Ja, da war ich etwa 20 Jahre alt und habe die Verbrauchermesse Hafa in der Stadthalle besucht. Dort hatte der Bremer Ratskeller einen Stand. In einer Vitrine lagen Korkenzieher unterschiedlichster Art. Das hat mich damals fasziniert: Dass in alle möglichen Richtungen überlegt wurde, wie man den Korken am leichtesten aus der Flasche bekommt – dabei funktionierte der normale T-Korkenzieher doch ganz gut. Mein erster Korkenzieher stammte aus der Schublade meiner Eltern. Einer in Form des Bremer Schlüssels, wie er zu der Zeit in sehr vielen Haushalten zu finden war.

Der Bremer Schlüssel steht auch beim Jahrestreffen der Sammler im Zentrum. Hat Bremen eine besondere Bedeutung in der Geschichte des Korkenziehers?

Nein, das nicht. Aber es gab einen ausgeprägten Handel mit Korkenziehern: Sie wurden in Bremer Manufakturen hergestellt, in Messing oder Bronze, auch versilbert oder ganz aus Silber. Meist geschah das im Auftrag großer Firmen wie Borgward und Klöckner, die diese Korkenzieher als Werbegeschenk oder als Gastgeschenk eingesetzt haben.

Also kann man an Korkenziehern, die es ja immerhin schon seit über 300 Jahren gibt, auch eine gesellschaftliche Entwicklung ablesen?

Ja, in der Tat. Zum Beispiel beim Blick in die 50er- und 60er-Jahre: Kurz nach dem Krieg konnte man sich wieder Wein leisten. Da gab es Geselligkeit, und man wollte auch den eigenen Wohlstand zeigen. Mit einem kleinen Auto vor der Tür und einem silbernen Bremer Schlüssel von einem Juwelier an der Wand. Interessant sind auch die kleinen Drahtkorkenzieher: Sie wurden früher wie selbstverständlich zu Parfüm- oder Medizinflaschen mitgeliefert, da es damals noch keine anderen Verschlussarten für diese Flaschen gab.

Was für Unterschiede gibt es zwischen den modernen und den älteren Modellen?

Optisch sind sie sehr unterschiedlich. Auch die Mechanik und die Materialien haben sich verändert: Die modernen Korkenzieher haben andere Spiralen – auch Krätzer genannt –, die sehr weit geschwungen und runder sind. Meistens haben sie eine Teflonbeschichtung, durch die sie auch besser in die Plastikkorken dringen können. Mit den alten Korkenziehern würde man diese nur in die Flasche drücken. Deshalb verwende ich die älteren Modelle auch nicht. Dabei habe ich beispielsweise auch ein seltenes Stück, das sogar auf einer Briefmarke abgebildet ist.

Ach, da gibt es eine eigene Serie?

Ja, die haben wir als Verein in Auftrag gegeben. Die kleben wir immer auf die Briefe, die wir uns untereinander schreiben.

Nach welchen Kriterien sammelt man denn Korkenzieher?

Das ist unterschiedlich: Die einen sammeln nach Zeiten oder Ländern, in denen die Korkenzieher hergestellt wurden. Die anderen nach Mechanismen, und wiederum andere nach Motiven, Materialien oder anderen Besonderheiten. Ich habe mich jetzt auf maritime Korkenzieher spezialisiert.

Wie sieht der typische Korkenzieherfreund aus?

Er ist auf jeden Fall älter als 50, männlich – und trinkt ganz gerne mal einen. Wein natürlich! Biertrinker wird man eher weniger unter uns Sammlern finden.

Wenn mehr als 20 Korkenzieher-Fans nach Bremen kommen – dann wird wahrscheinlich ordentlich Wein fließen...

(lacht) Der Kick an solchen Treffen ist nicht das Öffnen der Flaschen, sondern der Austausch über die Korkenzieher. Man will immer mehr darüber erfahren – und man will sie vor allem mal in der Hand halten.

Wer selbst Korkenzieher sammelt und gerne an dem vereinsinternen Treffen teilnehmen möchte, kann sich per Email an hartmut.krenzer@arcor.de wenden. Weitere Infos gibt es unter www.korkenzieherfreunde.de.

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