Pastor Christian Frühwald und Lothar Lotzkat sehen Zukunft der Pflege- und Reha-Einrichtung positiv

Hausaufgaben für neuen Friedehorst-Chef

Christian Frühwald, neuer theologischer Vorsteher der Stiftung Friedehorst, hat vor wenigen Tagen sein Amt angetreten. Gemeinsam mit dem kaufmännischen Vorstand Lothar Lotzkat erläuterte er gestern, wie sich die Pflege- und Rehaeinrichtung künftig aufstellen will, um sich am Markt zu behaupten. So sollen vorhandene Spezialisierungen ausgebaut und Teile mit finanziellen Schwierigkeiten beschnitten werden.
12.10.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Hausaufgaben für neuen Friedehorst-Chef
Von Julia Ladebeck
Hausaufgaben für neuen Friedehorst-Chef

Christian Frühwald ist neuer theologischer Vorsteher in Friedehorst.

Kosak

Christian Frühwald, neuer theologischer Vorsteher der Stiftung Friedehorst, hat vor wenigen Tagen sein Amt angetreten. Gemeinsam mit dem kaufmännischen Vorstand Lothar Lotzkat erläuterte er gestern, wie sich die Pflege- und Rehaeinrichtung künftig aufstellen will, um sich am Markt zu behaupten. So sollen vorhandene Spezialisierungen ausgebaut und Teile mit finanziellen Schwierigkeiten beschnitten werden.

Lesum. Um die Stiftung Friedehorst auf wirtschaftlich stabile Füße zu stellen, plant der Vorstand in den nächsten Jahren strukturelle Veränderungen. Dazu gehören die Stärkung von stabilen und ertragreichen Zweigen, aber auch Einschnitte in Bereichen mit finanziellen Schwierigkeiten. "Der Prozess wird uns alle etwas kosten", kündigte der neue theologische Vorsteher Christian Frühwald an, der Anfang des Monats sein Amt in Friedehorst angetreten hat. Bei einem Pressegespräch erläuterten der Pastor und der kaufmännische Vorstand Lothar Lotzkat die Ziele für die diakonische Einrichtung.

Bei den angestrebten Veränderungen schlossen beide auch Einschnitte, wie betriebsbedingte Kündigungen im Berufsförderungswerk (BFW), nicht aus. Auf der anderen Seite würden die vier großen Bereiche des Unternehmens – die Altenpflege, das Neurologische Rehabilitationszentrum, die Behindertenpflege und das Berufsförderungswerk – genügend Potenzial bieten, um sich am Markt zu behaupten.

Im BFW werden körperlich und psychisch geschädigte Arbeitnehmer umgeschult und neu in den Beruf eingegliedert. Wie berichtet hat das BFW Probleme mit der Auslastung – allerdings nicht generell. "Es gibt Bereiche, die sich rechnen und andere, die nicht ausgelastet sind", sagte Frühwald. Zu Letzteren gehören demnach beispielsweise Qualifizierungsmaßnahmen, die zu Berufsabschlüssen wie Mediengestalter und Orthopädietechniker führen. Der kaufmännische Bereich dagegen laufe gut und biete Möglichkeiten zum Ausbau. Das Berufsförderungswerk bleibe definitiv bestehen, "aber es kann nicht sein, dass ein bis zwei Bereiche die anderen dauerhaft quersubventionieren und mitfinanzieren müssen", sagte Frühwald. Im vergangenen Jahr hätten die Defizite eine Summe in sechsstelliger Höhe ausgemacht.

Positive Zukunftsaussichten

Die Gesamtsituation und Zukunft der Stiftung Friedehorst sieht Frühwald im Einvernehmen mit Lotzkat durchaus positiv. "Es gibt Hausaufgaben, die jetzt zu machen sind, aber grundsätzlich blicke ich positiv in die Zukunft", sagte der 44-Jährige. Ihm sei wichtig, alle Schritte im Einvernehmen mit den Mitarbeitern zu unternehmen. Erste Gespräche mit der Mitarbeitervertretung seien bereits gelaufen.

Er verstehe deren Anliegen, möglichst alle Mitarbeiter mit Verträgen nach den Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR) zu beschäftigen, so der Theologe. Diese AVR-Richtlinien gelten im kirchlichen Sonderarbeitsrecht. In Friedehorst haben nicht alle Mitarbeiter Verträge, die den Bestimmungen entsprechen. Sein langfristiges Ziel sei, so der Pastor, dass künftig alle Mitarbeiter die selben Verträge erhielten. Bei den Gesprächen, die er an seinen ersten Arbeitstagen auf dem Friedehorst-Gelände in Lesum mit Beschäftigten geführt habe, sei die Stimmung oftmals negativ gewesen. "Hier haben manche das Gefühl, sie seien auf einem sinkenden Schiff und es kommen Fragen wie: Gehen wir in die Insolvenz?" Diese Frage könne er mit einem klaren "Nein" beantworten.

Um der Stiftung einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu schaffen, sollen die vorhandenen Spezialisierungen der Pflege- und Reha-Einrichtung weiter ausgebaut werden. Im Pflegebereich sind das unter anderem die Spezialisierung auf die Betreuung junger Menschen mit Behinderungen und auf Demenzkranke. Ein Vorteil, den Friedehorst gegenüber anderen Pflegeeinrichtungen habe, sei der ärztliche Dienst.

Um sich am Markt behaupten zu können, wurden bereits in den vergangenen Jahren etliche Investitionen getätigt. "In den Jahren 2007 bis 2011 waren es 44 Millionen Euro", sagte Lothar Lotzkat. Auch Neubauvorhaben wurden angestoßen. Sie liegen derzeit aber nach Zerwürfnissen mit den jeweiligen Architekten brach (wir berichteten). Nach Angaben von Lotzkat wurden die Verträge seitens der Stiftung gekündigt. "Wir waren mit der Bauleitung nicht zufrieden", sagte der kaufmännische Leiter. Alle Bauprojekte würden aber fortgeführt.

So sei die Fertigstellung des Kinderlebenszentrums "Haus Jona" für Anfang Dezember vorgesehen, der Umbau des ehemaligen IFAM-Gebäudes für das BFW gehe ebenfalls weiter. Auch der Erweiterungsbau des Neurologischen Rehabilitationszentrums werde fertiggestellt. Die Schaffung von zusätzlich 50 vollstationären Plätzen in der Erwachsenen-Reha sei eine Vervollständigung der Spezialisierung in diesem Bereich. Die Eröffnung ist für Frühjahr 2013 vorgesehen. Auch langfristige Veränderungen stellte Frühwald in Aussicht: Die Rückführung der ausgegründeten Betriebe unter ein gemeinsames Dach.

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